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Rund um Holnis : Halbinsel mit zwei Gesichtern

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Eine Wanderung um die Halbinsel Holnis bei Flensburg kann ganz schön frisch werden - aber die schöne Natur tröstet über Strapazen hinweg.

Holnis | Die drei blau-weißen Windsäcke wehen stramm Richtung Westen. Zwei Möwen duken sich, auf einer kleinen Sandbank sitzend, vor der scharfen Brise. Auch die wenigen Urlauber vermummen sich mit wetterfesten Kapuzen. Ein Paar hat sich unter einer flauschigen  Kuscheldecke in einen Strandkorb verkrochen. An der Ostküste der Halbinsel Holnis muss man immer damit rechnen, dass es eine Saison kälter ist, als vor der Haustür. Im Frühjahr ist es noch winterlich, im Winter arktisch. Der Wind ist hier fast immer auflandig und kräftig – ein ideales Surferparadies. Jetzt aber, in der Vorsaison, stapeln sich die Bretter ungenutzt neben der leeren Bar mit Strohdach. Das ausgesprochen hässliche DLRG-Gebäude ist verlassen, ein paar Übungspuppen lehnen von innen an der Fensterscheibe. Holnis harrt aus, bis die Saison kommt.

Etwa 20 Kilometer nördlich von Flensburg streckt sich die Halbinsel lang und schmal in die Förde in Richtung Dänemark. Dadurch wird ein Wanderrundweg möglich, der fast ausschließlich am Strand entlang läuft.

Man sollte hier starten, an der stürmischen Ostseite. Mit Handschuhen, Mütze und winddichter Jacke. Vom Campingplatz „Drei“ geht es Richtung Norden am Strand entlang bis zum Surfer-Revier. Kurz vor der Steinmole muss man den Strand verlassen und geht einen Teerweg durch eine Siedlung mit alten Seemannsvillen. An der Spitze der Halbinsel führt eine Treppe steil hinunter wieder an den Strand – ganz bis an den letzten Zipfel des Sandes kann man gehen, je nachdem wie viel das Wasser preisgibt.

Mit der Steilküste beginnt das Vogelparadies: Gänse, Enten und Schwäne dümpeln auf dem Wasser, Möwen staksen durch das Flachwasser. Am Fuße der Steilküste führt der Sandstrand um die Spitze herum. Wer an einer der wenigen vogelfreien Stellen einen Stein über das Wasser hüpfen lässt, meint zu glauben, er könnte bis nach Dänemark ditschen, so eng wirkt hier die Förde. Gut erkennt man die alte Ziegelei von Broager, davor leuchten schneeweiß ein paar Segel. Hier ist vor gut einem Jahrhundert der Dichter Theodor Fontane entlang geschippert. Grund genug, die Straße zu Holnis’ Spitze Fontaneweg zu nennen. Betreten hat der Autor das Land nie. Auch nicht das Café am Ende der Halbinsel, das alte Fährhaus. Wer nicht unter Kälte und Koffeinmangel leidet, kann dies im Winter ruhig auslassen – innen wartet der Charme eines Altenheim-Speiseraums. Die Außenterrasse mit Blick über strohgelbe Felder auf das Meer aber lohnt sich im Sommer. Der Kuchen auch.

Der Weg an der Westküste wird nach den windigen Strapazen an der Ostseite zu einem lockeren Sommerspaziergang. Die Abendsonne wärmt. An einer kleinen Nabu-Hütte stehen – notfalls auch überdacht - ein Tisch und eine Bank bereit für ein kleines Picknick mit Blick auf die Flensburger Förde samt der zwei kleinen Ochseninseln vor dem dänischen Festland. Mit dem Blick auf den Leuchtturm geht es weiter Richtung Süden, der Sandweg führt über eine schnuckelige kleine Holzbrücke über dem Durchlass zum Noor: Rechts und links nur Wasser. Hier ist es so windstill dass sogar das Fördewasser glasklar wirkt. Man hört nur den Flügelschlag dreier Schwäne, die gleichzeitig auf dem Wasser landen. Der schmale Strandstreifen ist voller kaputter Backsteine: Auch hier war einst eine Ziegelei. Jetzt führt die Runde zurück: Mitten durch das Grün geht ein Wanderweg in Richtung Noorstraße, an der sich auch der Parkplatz „Drei“ befindet.

Kurz-Infos
  • Streckenlänge: 7,5 Kilometer
  • Schwierigkeit: leicht
  • Anfahrt: Mit dem Auto zum Parkplatz „Drei“ direkt am Sendemast oder ab ZOB Flensburg die Linie 22.
  • Stopps: In Drei: Café Drei oder Imbiss am Campingplatz; an der Spitze: Café Altes Fährhaus, Westseite: Picknick an der Nabu-Hütte
  • Kosten (ausgenommen Anfahrt und Verpflegung): In der Saison Kurtaxe und Parkgebühren.
  • Alternativ: Auch als Jogging-Strecke möglich.
  • Exkurs: Statt direkt zum Parkplatz zu gehen, kann man am Ende der Runde weiter am Wasser entlang zum Leuchtturm.
 
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erstellt am 21.04.2012 | 00:00 Uhr

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