Folge 32 : Großstadttrubel und Meeresluft

In der Großstadt demonstrieren die Dayak gegen den Missbrauch ihres Landes.

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04. August 2011, 10:23 Uhr

Nachdem ich wieder aus der Dschungelwildnis des Kutai aufgetaucht bin, ist das Leben in der großen Stadt Samarinda ziemlich nervig. Zum Glück wohne ich wieder bei der Familie des Hotelangestellten. Inzwischen ist das Baby geboren, nur einen Tag nach meiner Abreise. Abends fahren wir zum Nachtmarkt. Unzählige kleine Lichter beleuchten die kleinen Stände und hüllen die engen menschengefüllten Gänge in eine romantische Atmosphäre. Angeboten wird nahezu alles. Die Stadt selbst wird von großen Konzernen und Industrie beherrscht. Über dem Mahakamfluss kommen täglich große Fuhren an Kohle aus den Bergbaugebieten, und es herrscht ungeheurer Verkehr in den Straßen. So stellt sich keiner Borneo vor.
Auf den Spuren von Heinrich Boie Mein Gepäck werde ich nicht über das Zentralgebirge schleppen können. So werde ich erst die Nachbarinsel Java besuchen, um den Spuren von Heinrich Boie aus Meldorf nachzugehen, der vor 200 Jahren auf Java bei seinen naturkundlichen Forschungen ums Leben kam. Nach einem kurzen Ausflug auf dem Mahakam reise ich nach Balikpapan, um von dort nach Djakarta zu fliegen. Nach der Rückkehr geht das Gepäck nach Pontianak voraus, während ich Borneo auf Mahakam- und Kapuasfluss durchquere.
Balikpapan ist wesentlich angenehmer als Samarinda. Der Basar liegt direkt am Meer. Weit draußen sieht man Ölplattformen. Auf dem Weg zur Immigration – um mein Visum zu verlängern – gerate ich in eine Demonstration der Dayak. Ein großes Polizeiaufgebot umsäumt die Großveranstaltung. Auf einem Podest stehen Dayakhäuptlinge mit Federhauben und geben ihren Protest kund. Viele Dayak sind mit Schwertern und Speeren angerückt in prachtvoller Kleidung. Ein älterer Dayak informiert mich über den Hintergrund der Aktion. Die Regierung respektiere sie nicht. Immer mehr Plantagenkonzerne dringen ins Innere Borneos vor und nähmen den Dayak ihre Heimat. Überall in der Stadt sieht man ihre geschnitzten Zeichen auf Dächern und Straßeneingängen, der Malayenbär, das Symboltier, ist auch oft als Figur dargestellt. Hinterher sitzen die Dayak in Gruppen auf der Straße, essen und diskutieren, dann schwingen sie sich auf ihre Motorräder und Transporter und verlassen, die Speere hoch in der Luft schwingend, den Ort. Auch die Polizisten sind erleichtert.
(shz)

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