Polypen mit einer Art Harpune : Giftqualle vor Mallorca gesichtet

So sieht sie aus, die Qualle der Gattung Portugiesische Galeere.
So sieht sie aus, die Qualle der Gattung Portugiesische Galeere.

Probleme hat Mallorca normalerweise nur mit Touristen, die gelegentlich über die Stränge schlagen. Dieser Tage sorgt aber eine tote Qualle für Wirbel. Das vor Palma gefundene Tier ist hochgiftig - und wurde auch anderswo am Mittelmeer gesichtet.

shz.de von
24. Mai 2018, 10:33 Uhr

Mit bis zu 50 Meter langen Tentakeln schwebt sie lautlos durch die Weltmeere, und wer ihren Weg streift, dem drohen höllische Schmerzen. Die Portugiesische Galeere (Physalia physalis) mit ihrem irisierenden, meist blau schimmernden Körper ist eine der giftigsten Quallenarten der Welt.

Jetzt, kurz vor Beginn der Sommersaison, wurde auf Mallorca ein totes Exemplar vor der Küste der Inselhauptstadt Palma entdeckt. Kurz darauf berichteten Medien auch von mindestens zwei lebenden Exemplaren, die gesichtet worden seien.

Der erste Fund Anfang der Woche an dem beliebten Strand Ciudad Jardín - zwischen «Ballermann» und Stadtzentrum - löste einigen Wirbel aus. Die Regionalzeitung «Última Hora» brachte am Mittwoch (23. Mai) auf Seite eins ein großes Bild der toten Qualle. Die Stadtverwaltung startete unter anderem mit einem großen Schiff Suchaktionen, die auch in den nächsten Tagen anhalten sollen, und sie bat die Regionalregierung der Balearen um Unterstützung.

Der regionale Notdienst bat die Strandgäste um extreme Vorsicht. Und die Stadtverwaltung verhängte nach der Sichtung zweier lebender Portugiesischer Galeeren übereinstimmenden Berichten zufolge erste Badeverbote: Rote Flaggen seien an Stränden der Viertel Can Pastilla und Molinar gehisst worden, schrieb etwa «Diario de Mallorca».

Für den Menschen verläuft eine Begegnung mit dem Nesseltier - anders als für kleinere Fische - nur selten tödlich. Man kann die Gefahr im Fall der Portugiesischen Galeere auch schon im Vorfeld gut erkennen, wie Winfried Hochstetter, Leiter des Aquariums Wilhelmshaven, erklärt. «Das Gute ist, dass man sie vorher sieht, denn sie hat eine Gasblase, die aus dem Wasser herausguckt», sagt der Experte.

Mallorca ist nicht allein mit seinem Quallen-Dilemma: Exemplare waren im April bereits vor den Balearen-Inseln Formentera und Ibiza gesichtet worden. Allein auf Formentera wurden damals rund 100 Tiere eingesammelt. Und vorige Woche waren in der Provinz Alicante an der Costa Blanca ebenfalls mehrere Physalia physalis angespült worden. Ein Elfjähriger wurde am Arm gestochen und ins Krankenhaus gebracht. Die Folge: Auf einer Länge von knapp 120 Kilometern wurden in Alicante am Wochenende Strände gesperrt.

Die Behörden dort erwägen den Einsatz von Netzen und Drohnen. Hochstetter sagte: «Man kennt das aus Australien, wo es ein Problem mit Würfelquallen gibt: Solche Netze funktionieren.» Dennoch, sollten noch mehr Quallen entdeckt und noch mehr Strände gesperrt werden, sind das keine guten Vorzeichen für den Sommer 2018 - denn Touristen sorgen in Spanien immerhin für rund elf Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Dabei ist diese Qualle eigentlich gar keine Qualle, auch wenn sie so aussieht. Die Portugiesische Galeere ist ein Wunderwerk der Natur, nämlich eine riesige Polypenkolonie, in der jedes Individuum eine bestimmte Aufgabe übernimmt - sei es zum Fressen, zur Verdauung, zur Fortpflanzung oder zur Abwehr von Feinden. So sehr sind die Organismen miteinander verwoben und aufeinander angewiesen, dass sie alleine nicht mehr lebensfähig wären.

Kennzeichen ist die bis zu 30 Zentimeter messende sackförmige Gasblase, die wie ein Segel funktioniert und für den Auftrieb des Tieres sorgt. «Bei Kontakt mit den Nesselzellen an den Fangarmen explodieren diese und injizieren mit einer Art Harpune Gift unter die Haut», erläutert Hochstetter. Die Folge: Stark brennende Wundmale, die wie Striemen nach Peitschenhieben aussehen.

Das Fachmagazin «Toxins» berichtet auch von Kopfschmerzen, Übergeben, Bauchschmerzen und Durchfall. Bei Allergikern ist ein allergischer Schock möglich, der im schlimmsten Fall zum Tode führt. Im Februar waren bei einer Attacke der Quallen in Thailand 23 Badegäste ins Krankenhaus gebracht worden.

Betroffene sollten die Stiche mit unverdünntem Essig behandeln - zu diesem Schluss kommt zumindest «Toxins». Umstritten ist, ob Meerwasser bei der Wundreinigung hilft. «Es gibt keine universell akzeptierte Erste-Hilfe-Maßnahme für Physalia-Stiche», schreiben die Forscher. «Alkohol und Hausmittel wie Urin, Backpulver und Rasiercreme (...) machen es aber wahrscheinlich noch schlimmer.»

Dennoch, es besteht kein Grund zu Panik, sagt Hochstetter. Im Mittelmeer kämen Portugiesische Galeeren immer mal wieder vor, je nach Windrichtung würden sie zusammengedrückt und manchmal eben auch in Richtung Strand gespült. «Aber die Fahrt zum Meer ist wahrscheinlich gefährlicher als die Qualle», meint er und rät, vor jedem Bad einfach die Wasseroberfläche abzusuchen.

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