Farbenrausch am Mittelmeer

Bummel durch die Altstadtgassen.
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Bummel durch die Altstadtgassen.

In Collioure an der südfranzösischen Côte Vermeille malten einst Henry Matisse und seine Künstlerkollegen, was den Ort bis heute prägt

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04. Mai 2013, 03:59 Uhr

Collioure | Auf der schmalen Hafenmole hat Pixie Bechal ihre Staffelei aufgebaut. Die Künstlerin aus London reist seit einem Dutzend Jahren immer wieder nach Collioure an der Côte Vermeille, der roten Küste ganz im Süden Frankreichs unweit der spanischen Grenze. "Das Licht hier ist ungewöhnlich lieblich. Collioure ist ein besonders schöner Ort, um hier zu leben und zu malen", sagt sie.

Malen in Collioure - das hat eine lange Tradition. Im Jahr 1904 reiste Henri Matisse mit seinem Künstlerkollegen André Derain in das verschlafene Fischerdorf. Beide ließen sich von der Farbenpracht am katalonischen Mittelmeer inspirieren. Die roten Ziegeldächer, die blauen Fensterläden, das zarte rosa der Hausfassaden, Segelboote am alten Hafen, die engen Gassen und der ungewöhnliche Turm der Kirche Notre Dame des Anges - all das muss das Künstlerduo damals sehr beeindruckt haben.

"Für Matisse war Collioure der ideale Platz, um seiner Kunst nachzugehen. Er hatte wohl einen Hinweis auf den schönen Ort von Verwandten aus dem nahen Perpignan bekommen", erzählt die Kunstexpertin Nati Zorzo während des Rundgangs auf dem Chemin du Fauvisme, dem Weg der Fauvisten, deren Vertreter für ihre Bilder vor allem leuchtende Farben wählten.

Heute führt der Weg der Fauvisten als gekennzeichnete Route zu jenen 20 Plätzen, an denen Matisse, Derain und ihre Künstlerkollegen die Staffeleien aufstellten und ihre farbenprächtigen Werke schufen. Entlang der Route erläutern Tafeln mit Reproduktionen die Kunstwerke. Sie sind ein Ersatz für die kostbaren Originale, die heute beispielsweise im New Yorker Museum of Modern Art, in der Eremitage Sankt Petersburg und im Museum Folkwang in Essen zu bewundern sind.

Kunstführerin Zorzo lässt ihre kleine Gruppe vor dem Haus Nummer 22 in der Rue de la Démocratie anhalten. "An dieser Stelle schuf Matisse im Jahr 1905 wohl das bedeutendste Bild - das offene Fenster", erläutert sie. Matisse und Derain waren die ersten Maler, die Motive aus Collioure festhielten. In späteren Jahren folgten Georges Braque, Raoul Dufy, Albert Marquet und Pablo Picasso.

In den 1950er Jahren entdeckten die ersten Urlauber das malerische Collioure. Heute drängeln sich die Touristen durch die engen Gassen hinunter zu der im Jahr 1684 erbauten Wehrkirche Notre Dame des Anges mit ihrem ungewöhnlichen Glockenturm, der einst auch als Leuchtturm diente.

Beschaulicher geht es im Vieux Quartier du Mouré zu, dessen Gassen von der Kirche aus steil ansteigen. Hübscher Blumenschmuck empfängt dort die Besucher, einige der mehr als 30 in Collioure angesiedelten Kunstgalerien präsentieren dort Ölgemälde, Grafiken und Plastiken.

Kunstfreunde besuchen die Brasserie des Hotel-Restaurants "Les Templiers". Gemälde über Gemälde sind dort an den Wänden zu bewundern. Der Überlieferung nach soll so manch ein klammer Künstler in der Vergangenheit seine Zeche mit Bildern bezahlt haben. Matisse, Picasso und Dalí, die ebenfalls im "Les Templiers" verkehrten, schmückten das Gästebuch des Hauses mit kleinen, humorvollen Zeichnungen.

Beschaulichkeit strahlt der Künstlerort Céret aus, gerade mal 30 Kilometer landeinwärts vom lebhaften Collioure entfernt. Dabei wurde das verschlafene Landstädtchen an den Ausläufern der Pyrenäen im Januar 1910 aus seiner Ruhe gerissen: Der Bildhauer Manolo Martínez Hugué, der Maler Frank Burty Haviland und der Komponist Deodat de Séverac machten in Céret Station. In den Folgejahren setzte ein wahrer Maler tourismus ein. Georges Braque, Juan Gris, Marc Chagall, Pablo Picasso und viele andere reisten bis in die 1930er Jahre nach Céret und machten die Kleinstadt zum Zentrum des Kubismus. Galerien und Ateliers prägen Cérets Altstadt mit ihren engen Gassen. Knorrige Platanen spenden an kleinen Plätzen und Straßen Schatten, munter plätschert das Wasser aus dem Brunnen am Place des Neuf Jets. Müßiggänger genießen mittags den kühlen Roséwein im Künstlertreff "Grand Café", in dem schon Picasso einkehrte.

Nur wenige Schritte weiter am Boulevard Maréchal Joffre weist Céret mit dem Museum für Moderne Kunst einen wahren Schatz auf. Im Juni 1950 wurde das Haus auf Anregung des Malers Pierre Brune im ehemaligen Karmeliterkloster eingeweiht. Heute glänzt die Sammlung in einem lichten Neubau sowohl mit Meisterwerken des Kubismus als auch durch Sonderausstellungen von Arbeiten zeitgenössischer Künstler.

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