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Anzeige : Ein eigenes Dorf: zusammen ist man weniger allein

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Ein Lottogewinn eröffnet ungeahnte Möglichkeiten – wie wäre es zum Beispiel mit einem eigenen Dorf in Spanien oder Italien?

shz.de von
erstellt am 30.Jul.2017 | 03:45 Uhr

Eine Yacht, ein Hotel, ein Flugzeug, einen Vergnügungspark – Ideen, was man mit den vielen Millionen aus einem Lottogewinn von Tipp24 anstellen könnte, gibt es viele. Einen Wunsch scheinen aber besonders viele Leute zu haben: Endlich so leben, wie sie sich das vorstellen. An einem Ort, der ihnen gehört, von dem sie nie mehr vertrieben werden können. Und an dem auch Platz für all ihre Freunde und Verwandten ist.

Doch ist es wirklich möglich, statt einem Haus gleich ein ganzes Dorf zu kaufen? Allerdings. Und das sogar gar nicht so selten.

Alleine in Spanien gibt es laut dem nationalen Statistikinstitut 2900 verlassene Orte, mindestens 125 davon stehen zum Verkauf. Der Einstiegspreis liegt bei 40.000 Euro, dafür erhält der Käufer dann allerdings auch nur kleine, verfallene Weiler mit ein paar Häusern. Für die Wasserversorgung ist immerhin durch Brunnen und Quellen gesorgt, auch Stromanschlüsse sind meistens vorhanden, für eine ordentliche, geteerte Zugangsstraße sorgt der Staat. Und man muss sich auch nicht mit Mietern herumschlagen, die noch in den Häusern wohnen.

Wer ein bisschen anspruchsvoller ist, bekommt für ein paar Hunderttausende dann schon ein Dorf aus dem Mittelklassebereich. Das galizische Dorf O Penso in der Nähe der Hafenstadt Ortgueira wurde beispielsweise für 220.000 Euro angeboten. In Deutschland lässt sich damit gerade mal eine kleine Wohnung finanzieren, in O Penso bekommt man dafür 40,5 Hektar Land, sechs Häuser, eine Bäckerei, zwei Scheunen, einen Brunnen und sogar eine Farm, auf der 70 Rinder Platz haben. Es gibt für den Freundeskreis also nicht nur Wohnraum, sondern auch den ein oder anderen Arbeitsplatz. Der Ort verfügt über einen kleinen Fluss, in dem sich Forellen angeln lassen, das Meer ist nur zehn Kilometer entfernt. Was will man mehr.

Wem das immer noch nicht reicht, kann sich für 3,5 Millionen einen Weiler in der Nähe des katalanischen Städtchens Igualada kaufen. Die Freunde können dann in neun Häusern und 14 verfallenen Gehöften untergebracht werden. Außerdem gibt es eine romanische Kirche und sechs Brunnen. Zur Selbstversorgung stehen 500 Hektar Wald und Ackerfläche zur Verfügung.

Inzwischen gibt es in Spanien mehrere Agenturen, die sich auf den Verkauf verlassener Orte spezialisiert haben. Marktführer ist „aldeas abandonadas“, die schon in ihrem Firmennamen ganz wörtlich übersetzt auf die verlassenen Ortschaften aufmerksam machen. Doch auch in Italien warten schlafende Schönheiten darauf, dass ihnen neue Bewohner altes Leben einhauchen. 1500 so genannte Geisterdörfer wurden bei einer Untersuchung zwischen Mailand und Kalabrien gezählt, von denen viele schon gar nicht mehr auf der Karte verzeichnet sind. Dies wollen die Italiener nun ändern. Dutzende Dörfer stehen zum Verkauf, die Preise sind recht unterschiedlich, das mittelalterliche Valle Piola im Herzen der Monti della Laga in den Abbruzzen wurde für eine halbe Million Euro angeboten, für die 14 Steinhäuser, 50 Wohnungen und fünf Einwohner von Calsazio in den Grajischen Alpen im Piemont wurden bei eBay 245.000 Euro aufgerufen. Einige Bürgermeister greifen zu radikaleren Mitteln. Die Vorsteher von Gangi in Sizilien, Carrega Ligure in Piemont und Lecce nei Marsi in den Abruzzen verschenkten zahlreiche Häuser ihrer Orte, um Interessenten anzulocken und ihre Orte vor dem Aussterben zu bewahren. Zwar muss in die Häuser kräftig investiert werden, doch dann ist Platz für alle.

<p>Gespenstisch und schön zugleich: In Italien gibt es bis zu 1.500 verlassene Dörfer.</p>

Gespenstisch und schön zugleich: In Italien gibt es bis zu 1.500 verlassene Dörfer.

Foto: Shutterstock

Wer ein bisschen mehr Abenteuer sucht, wird vermutlich eher in den USA fündig. Anfang des 20. Jahrhunderts tummelten sich in Woodside im amerikanischen Staat Utah noch andie 300 Einwohner, dann lebten dort nur noch zwei freilebende Lamas. Es existiert eine alte Goldmine, ein Geysir und eine verlassene Tankstelle. Wild-West-Fans könnten sich hier voll austoben – für nur 3,2 Millionen Euro.

Nancy Kidwell hat ihren Ort Cal-Nev-Ari jetzt schon zweimal angeboten und immer noch keinen Käufer gefunden. Der erste Versuch, den nur 120 Kilometer von Las Vegas entfernten Ort für 17 Millionen Dollar zu verkaufen, scheiterte 2010 an der Immobilienkrise in den USA. Acht Millionen Dollar möchte die 78-jährige Bürgermeisterin diesmal für die Ortschaft in der Wüste haben, die sie vor 50 Jahren mit ihrem damaligen Mann selbst hochgezogen hat. Ungefähr 350 Menschen können in dem Städtchen Cal-Nev-Ari im Süden des US-Bundesstaat Nevada leben, es gibt eine Bar, ein Casino, ein Lebensmittelgeschäft, ein Motel mit zehn Zimmern, einen Wohnwagenparkplatz und sogar eine Flugpiste. Selbst Nancy Kidwell bleibt dem Käufer als Expertin erhalten. Sie will weiter in Cal-Nev-Ari wohnen bleiben, sie hat nur einfach genug von der Sieben-Tage-Woche. Das verstehen Lottogewinner sicher gut.

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