Folge 26 : Ein Blick auf die Vorfahren

Als Baron von Plessen 1935 im ersten Dorf am abzweigenden Bahau-Fluss ganz in der Nähe die ersten Vorbereitungen zu seinem Film traf, sah die Gegend nicht anders aus.

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21. Juli 2011, 11:44 Uhr

Die Dörfer waren einfacher gebaut, aber ansonsten kaum anders. Für mich ist es sehr interessant, die Orte zu sehen, die er so treffend und sachlich in seinem Buch beschrieb, und nur zu gerne vertiefen sich die Dayak in die Bilder, die ihre Vorfahren zeigen. Damals waren Missionare tätig, die Plessen nicht sehr wohlwollend beschrieb. Von ihnen ist heute das Christentum bei den Dayak verblieben. Auch George und ich gehen am Sonntag mit den Dörflern zur Kirche, ein hölzerner Gong am Eingang ergibt die Glocke, alles ist auf Dayak-Tradition eingestellt. Für die wenigen Moslems im Ort gibt es ein kleines Gebetshaus. Woanders in den Orten Kalimantans ist jedoch der Islam vorherrschend. Dayak sind Christen oder haben ihre Naturreligion. Es gibt auch hier wenige Häuser, in denen Punan leben. Und in einiger Entfernung ein ganzes Punandorf, dass die Regierung aus Brettern errichtet hat.
Der Wert von Plessens Buch und Film wird mir täglich klarer. Es beschreibt eine Welt, wie es sie so heute nicht mehr gibt. Aber über Buch und Film ist sie erhalten und für mich vergleichbar, eines der Ziele meiner Expedition. Hampatongs, hölzerne Schutzfiguren, gibt es hier keine mehr. Die Missionare haben sie vernichtet. So war ich überrascht, in Oldenburg nicht nur im Tropenhaus auf Spuren eines Missionars aus den 1850er Jahren zu stoßen, sondern auch auf eine ganze Hampatong-Sammlung. Ich bin froh, wenigstens Plessens Buch dabei zu haben und damit den hiesigen Dayak Gesprächsstoff zu ihrer eigenen Geschichte zu liefern, gerade den Jugendlichen, die ungläubig kopfschüttelnd so manches Bild betrachten.
(shz)

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