Folge 31 : Duett und Duell mit dem Drongo

Ausflug zurück in die Wildness: Alte Forschungsstation, beeindruckende Blätter und ein verrückter Vogel.

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04. August 2011, 10:14 Uhr

Ich befinde mich inzwischen im Kutai-Nationalpark, zwei Stunden von Samarinda, und sitze in der Abenddämmerung auf einer Hängebrücke über einem Urwaldfluss. Ich will versuchen, im Dunkeln mit der Taschenlampe Krokodilaugen anzuleuchten, die im Licht hell erstrahlen. Doch zunächst ertönt die Stimmenvielfalt des Dschungels rund um mich. Ich genieße das Alleinsein in der Wildnis.
Es sind kleine Krokodile, die dann erscheinen. Umso mehr funkeln die Glühwürmchen in der Nacht und einige Nachtfalter torkeln durch den Lichtstrahl. Die Stimmen der Nacht nehmen im dichten Dschungel kein Ende.
Kutai ist bekannt für seine Orang-Utan-Forschung. Der japanische Primatologe Professor Suzuki hat im Nordbereich seit 22 Jahren eine Forschungsstation, ist allerdings zur Zeit in Kyoto an der Uni. Es gibt eine größere Anzahl weiterer Affenarten in Kutai, und wandert man die Urwaldpfade entlang, begegnen einem die einen oder anderen.
Bis zum letzten Jahr war der WWF in Kutai tätig. Seitdem sie den Park verlassen haben, scheint hier ein Niedergang vorzuherrschen. Das Gerätehaus ist vollgestaubt und mit Kotklecksen von Geckos bedeckt. Das hölzerne Wegesystem beginnt zu zerbröckeln und ist teils gänzlich weggebrochen, während die Beschilderung oft kaum noch lesbar ist. Alles keine guten Voraussetzungen. So verirren sich auch gerade einmal eine Handvoll ausländische Besucher im Jahr hierher.
Ein wirres Geranke aus Lianen und Zweigen füllt die Räume zwischen den Bäumen. Umgestürzte Riesen vermodern pilzbedeckt, Käfer und Agamen huschen umher. Die bekannten Urwaldgeräusche und Gesänge erfüllen das vielfältige Blattwerk mit ungestümem Leben, und die Blätter selbst haben die schönsten und vielfältigsten Formen. Ein schwarzer Drongo singt aus vollen Kräften in einer Baumkrone. Zunächst kann ich den Vogel nicht sehen und imitiere seine Stimme. So flöten wir eine weile fröhlich im Duett, während er einige Male dabei die Position wechselt. Aber als ich mich umwende, verspüre ich einen starken Luftzug über mir. Der Drongo sieht in mir einen Rivalen und greift mich an. Sehr mutig von dem elstergroßen Vogel. Als ich aber auf einer Hängebrücke balanciere, nutzt er es so richtig aus, fliegt immer erneut Attacken gegen mich, ganz dicht über meinem Rücken. Erst als ich am anderen Ufer im Wald verschwinde, gibt er Ruhe.
Für mich geht die Reise jetzt weiter nach Balikpapan. Dann erfolgt der zweite Aufbruch in das zentrale Borneo, diesmal auf dem Mahakam-Fluss.
(shz)

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