Tourismus : Die Krise in Ägypten bedroht Port Ghalib

Steril und künstlich - und fast leer: Dem Retortenstädtchen Port Ghalib am Roten Meer fehlen die Besucher.  
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Steril und künstlich - und fast leer: Dem Retortenstädtchen Port Ghalib am Roten Meer fehlen die Besucher.  

Mit Port Ghalib wollte der kuwaitische Milliardär Nasser Al-Kharafi alle anderen künstlichen Urlaubsorte am Roten Meer übertreffen. Doch dann starb der Patriarch. Und nun halten die politischen Unruhen die Gäste fern.

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12. November 2013, 11:16 Uhr

Jeden Donnerstag erwachte Port Ghalib. Dann gingen die Taucher an Bord der Schiffe, flanierten unter den Palmen der Uferpromenade, und in den Restaurants und Cafés war zumindest ein Teil der Stühle besetzt. Die Souvenirhändler stürzten sich auf jeden Touristen und versuchten, ihn mit ein paar Worten auf Deutsch oder Italienisch in ihren Laden zu locken. In der restlichen Woche war das Retortenstädtchen am Roten Meer sehr ruhig. Jetzt ist es eine Geisterstadt.

Die Unruhen nach dem Sturz von Präsident Mohammed Mursi haben die Badeorte Ägyptens hart getroffen. Dabei sind in den künstlichen Urlaubssiedlungen die Straßenschlachten in Kairo und der Terror auf dem Sinai sehr weit weg. Keine von ihnen ist steriler und größenwahnsinniger als Port Ghalib.

Die Corniche ist das Herz des gigantomanischen Projekts. Am Kai ist die Luxusjacht von Hossam Al-Kharafi vertäut. Ein paar Schritte entfernt im Showroom lässt sich der Traum seines Vaters in seiner ganzen Pracht bestaunen. Kleine Lichter scheinen auf die Plätze und Boulevards der Miniaturstadt, weiße Bötchen sind aufs bübchenblaue Meer geklebt. Vier Wohntürme erheben sich an einer künstlichen Lagune, durch die sich künstliche Halbinseln mit Strandhäusern schlängeln. Es gibt einen Golfplatz, ein Fußballstadion, viele Gärten und Pools, mitten in der Wüste, Entsalzungsanlagen machen es möglich. Bisher existiert der größte Teil freilich nur als Modell.

Port Ghalib ist das teure Riesenbaby von Nasser Al-Kharafi. Doch im April 2011 starb der Patriarch. Sein Sohn erbte das Projekt. Und ließ erstmal die Bauarbeiten stoppen. Ein junger Mann führt durch das «Intercontinental», eines der drei Luxushotels, die sich um einen riesigen Pool drängen. Die Sonnenliegen sind ebenso leer wie das Marmorfoyer.

Vom Jachthafen starten weiter jede Woche die Schiffe ihre Rundtouren zu den Weltklasse-Tauchspots der Brother Islands und des Daedalus Reef. Aber es sind weniger als vor dem politischen Umsturz. Einige Restaurants, Cafés und Läden im Basar haben geschlossen. Die nicht endenden Unruhen bringen das strauchelnde Projekt Port Ghalib weiter in Bedrängnis. Dabei schien sich die Lage in den Badeorten der Region Marsa Alam nach dem Sturz Mursis zunächst zu bessern.

«Plötzlich war die Benzin- und Dieselknappheit erledigt, und die ständigen Stromausfälle blieben aus», erzählt Kai Dunkelmann. «Keine Kilometer langen Schlangen an der Tankstelle mehr. Die Bevölkerung war glücklich.» Dunkelmann leitet die Tauchbasis der Coraya Divers, eine Viertelstunde Fahrt von Port Ghalib entfernt. Sie gehört zu einem Komplex von fünf Hotels, die sich um eine Bucht scharen.

Als der erste Demonstrant in Hurghada starb und das Auswärtige Amt Mitte August auch von Reisen ans Rote Meer abriet, wurde es hier sehr ruhig. «Viele Hotels und Tauchcenter haben ganz geschlossen», erklärt Dunkelmann. Mittlerweile sei rund die Hälfte der vielen Betten wieder gefüllt, sagt Dunkelmann. Schnorchler und Taucher watscheln wieder über einen Betonsteg zur Kante des Hausriffs. Ein Esel zieht den Karren mit den Pressluftflaschen, er ist wahrscheinlich der am meisten fotografierte Esel Ägyptens.

Webseite von Port Ghalib (eng.)

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