Folge 18 : Die kleinen Männer auf dem Bambuspodest

Ein Bild, das der Frühzeit der Menschheit zu entspringen scheint, beschreibt Armin Püttger-Conradt in seiner 18. Expeditions-Folge.

Avatar_shz von
11. Juli 2011, 09:26 Uhr

Bald tauchen links im Urwald einige kleine Häuschen auf Stelzen am hohen Hang des Flüsschens auf. Eine Lichtung ist geschlagen worden. Ingan, George und ich erklimmen den Hang und werden freundlich von einer Punanfamilie begrüßt, die gemeinsam aus Tür und Fenster ihrer Behausung blicken. Der Hausherr trägt aufwendige Tätowierungen am Oberarm. Er sagt, die Motive stammen von seinen Vorfahren, und wenn er mal stirbt, leuchten sie im Himmel. An einer Hütte hängt ein Bündel bestehend aus den Schädeln von Nashornvögeln und Affen. Ein kleines Hirschgeweih ist auch dabei. Gerätschaften zum Fischen und Honigsammeln sind aufgehängt. Alles ist aufgeräumt und sauber.
Wir verabschieden uns und fahren mit dem Kanu weiter flussauf, immer tiefer in den dämmerigen Dschungel, bis wir an einer Uferstelle anlegen, wo bereits ein Einbaum liegt, der erste, den ich hier sehe. Als wir das flachere Ufer ersteigen, da kommt ein sehr kleiner Mann den Pfad aus dem Wald daher, um uns zu begrüßen. Nachdem Ingan uns vorgestellt hat, folgen wir dem Mann über Stock und Stein, waten im Geschwindschritt durch Bäche, balancieren über Baumstämme, hügelauf und ab, rutschend und stolpernd im Matsch, dann kommen wir zu einem Unterstand. 100 Meter weiter taucht dann völlig unerwartet ein Bild vor mir auf, das der Frühzeit der Menschheit zu entspringen scheint. Im Urwald am Rand einer Lichtung sitzt eine Gruppe von kleinen Männern auf einem Bambuspodest, gekleidet in alten Shorts oder Lendentüchern, und scheinen unsere Ankunft völlig interessenlos wahrzunehmen. Freundlich schütteln wir Hände, stellen uns vor und setzen uns zu ihnen auf einen Holzstamm, der uns angeboten wird.
Punan blicken merkwürdig unbeteiligt zu Boden
Neugierig blicke ich umher, auf das was ich hier sehe, und meine zu träumen. Die Punan wirken ganz eigenartig. Nicht nur, dass die drei älteren ungeheuer abgemagert und klein sind, sondern auch, dass sie so merkwürdig unbeteiligt irgendwo zu Boden zu blicken scheinen. Nur ab und zu trifft einen ein kurzer Blick.
Die vier jungen Männer sind noch nicht so mager, sehen erstaunlich gut aus. Bewaffnet sind sie mit langen Messern die ihnen im Lederköcher an der Seite hängen, die Griffe aus Hirschhorn gefertigt. Zwei der alten Männer tragen Blasrohre, an deren Ende eine Speerspitze befestigt ist. Die kurzen Pfeile stecken in einem Bambusköcher dem Haumesser gegenüber, mit Deckel versehen. Zur Jagd werden diese mit einem Gift bestrichen, das aus dem Extrakt eines Baumes und den Drüsen der Kobras gewonnen wird. Es wirkt absolut tödlich, auch bei kleinen Verletzungen.
"Ist das hier alles wahr?", frage ich mich. Fast hätte ich mir in den Arm gekniffen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen