Anzeige : Mit Video: sh:z DamplandTALK mit Stefan Gwildis

Offen, ehrlich und charmant: So zeigte sich Sänger Stefan Gwildis beim sh:z DamplandTALK.

Offen, ehrlich und charmant: So zeigte sich Sänger Stefan Gwildis beim sh:z DamplandTALK.

Er ist ein Mann mit vielen Talenten: Sänger und Entertainer Stefan Gwildis spricht mit DamplandTALK-Moderator York Lange über alte und neue Projekte, das Älterwerden und natürlich seine Leidenschaft für die Musik.

Karen Bartel von
11. Oktober 2019, 09:49 Uhr

Blickt man so in das Publikum des siebten sh:z DamplandTALKs am vergangenen Donnerstagabend, könnte voreilig der Schluss gezogen werden, nur Frauen stehen auf die Musik von Stefan Gwildis. Doch weit gefehlt: Mit statistischer Sicherheit und Selbstironie kontert Gwildis die Bemerkung von Moderator York Lange, dass bei einer Umfrage seines ehemaligen Plattenlabels herauskam, dass ganze 51 Prozent Männer und nur 49 Prozent Frauen seine Musik hören. Hierbei trifft Gwildis schon den richtigen Ton, der das ganze Gespräch bestimmt. Mit Witz und Charme stellt er sich Langes Fragen und blickt dabei auf eine Karriere zurück, die auch in naher Zukunft wohl erst einmal kein Ende finden wird. Aktuell tourt Stefan Gwildis mit seinem Album Best Of durch Deutschland.

Die beste Schule: das Leben

„Ich habe die Freiheit, das zu machen, auf das ich Bock habe. Und das ist eine schöne Sache.“ Und das obwohl, so fügt er hinzu, er keine Ausbildung gemacht habe. Ihm seien nach und nach die Dinge einfach so begegnet. „Ich habe Menschen kennengelernt, die mich weitergebracht haben. Das war eigentlich meine Schule.“ Dabei vergegenwärtigt er sich seine nun mehr als vierzigjährige Laufbahn, die nicht immer nur geradeaus und bergauf ging.

Geboren 1958 als Sohn eines Reifenhändlers, arbeitete Gwildis nach ersten Versuchen im Theater- und Musikbereich mit seinem Bruder ganze sieben Jahre im Familienunternehmen. In dieser Zeit kam dann Musikerkollege Christian von Richthofen auf Gwildis zu und seine Worte beeinflussten ihn nachhaltig: „Er sagte zu mir: ‚Stefan, du hast ein Geschenk gekriegt und du wirst dir eines Tages in den Arsch beißen, wenn du das nicht annimmst und das nicht auch auspackst‘.“ Lachend fügt er hinzu, „Und der Drecksack hatte Recht gehabt“. Gemeint war natürlich die Musik. So brach Gwildis konsequent mit dem Reifenhandel und widmete sich den schönen Künsten.

Zu seinem 60. Geburtstag trat Gwildis in seiner Heimatstadt Hamburg auf und füllte den Großen Saal der Elbphilharmonie.

Zu seinem 60. Geburtstag trat Gwildis in seiner Heimatstadt Hamburg auf und füllte den Großen Saal der Elbphilharmonie.

Von musikalischen Höhen und Tiefen

Dass das nicht immer einfach war, gibt er offen zu. Doch er hat sich durchgeschlagen, wenn auch nicht ohne Zweifel. Dabei war es prägend, von den Eltern und Großeltern zu wissen, wie man auch mal ein halbes Jahr mit Haferflockensuppe und Schwarzbrot auskommen kann. „Es war sehr wichtig, das zu kennen und zu können. Das gab mir die Freiheit, zu Dingen auch einmal ‚Nein‘ zu sagen.“ Dass ein solches Nein auch schnell einmal 90.000 Mark kosten kann, erfuhr er bei einem Werbeangebot. Doch der kurze Schock war schnell verdaut, denn für Gwildis war es die richtige Entscheidung: „Ich wollte einfach kein singender Schokoriegel sein“.

Um das Defizit auf dem Konto auszugleichen, suchte er sich anderweitig Arbeit. Für 12 Semester studierte er Theologie – zumindest auf dem Papier, denn so kam er an die Jobberbörse ran und konnte sich, als es mit der Musik und dem Schauspiel nicht lief, über Wasser halten. Darunter waren neben Umzugshelfer und Lagerarbeiter dann auch ausgefallenere Jobs wie Münzautomaten in Sonnenbänke einschrauben. Heute gibt er ehrlich zu, keine Ahnung davon gehabt zu haben. Den Job hat er damals trotzdem bekommen.

In den 1990ern versuchte er sich mit Musikerkollegen unter der Formation Die Strombolis an Jazz mit deutschen Texten. Doch das Publikum und auch das Radio waren noch nicht bereit dafür. „Das war einfach nicht die Zeit“, so Gwildis. Eindrücklich zeigt das ein Auftritt, bei dem sie vor dem mit Brettern vernagelten Veranstaltungsort standen und nachdem geklärt war, dass das Konzert auf ein Gemeinschaftszentrum verlegt worden war, kamen nach Beginn nur neun Leute – und das, weil im Kino nebenan der Film gerissen war. Und so folgte eine weitere mutige Entscheidung von Gwildis: Den Vorschuss von 20.000 Mark zurückzugeben und auszusteigen.

Für die Zuschauer des DamplandTALKs gab es zu guter Letzt noch ein kleines Konzert von Stefan Gwildis.

Für die Zuschauer des DamplandTALKs gab es zu guter Letzt noch ein kleines Konzert von Stefan Gwildis.

Zurück in die Zukunft

Dass es mit der angestrebten Musikkarriere dann doch noch klappte, zeigt ein Blick auf die Bretter, auf denen Gwildis heute steht, singt und spielt. Für seinen 60.Geburtstag im letzten Jahr wählte er einen ganz bescheidenen Rahmen und feierte im kleinen Kreis von 2.200 Leuten mit einem Konzert in der Elbphilharmonie. Mit ihm auf der Bühne standen neben seiner Band auch das Philharmonische Orchester Kiel, der Soulchor The Young Spirits und auch der Gebärdenchor HandsUp. Letzteren dabeizuhaben, war Gwildis ein besonderes Anliegen. „Es ist so unglaublich ergreifend, Menschen mit einer Sprach- und Hörbehinderung zu sehen, die auf einer ganz anderen Art miteinander kommunizieren und dann eben auch so einen Chor bilden. Das fand ich ungeheuer faszinierend“. Seit zwei Jahren arbeitet Gwildis mit dem Gebärdenchor zusammen und weitere gemeinsame Auftritte sind in Planung.

Doch es muss auch nicht immer die ganz große Show wie in der Elphi sein. Für seine kommenden Konzerte setzt Gwildis auf das Prinzip „4 plus 4“: Das sind dann vier Musiker seiner Band (Bass, Schlagzeug, Gitarre, Keyboard) und ein Streichquartett – und natürlich Gwildis selbst. Noch kleiner und intimer geht es im OstseeRessort Damp zu: Stefan Gwildis nur mit seiner Gitarre und einer musikalischen Liebeserklärung an das Meer. So endet der siebte DamplandTALK in einem Kurzkonzert mit Wohnzimmeratmosphäre und natürlich der Erinnerung, dass bald Weihnachten und so eine CD von Stefan Gwildis einfach ein tolles Geschenk ist, das man nicht für sich behalten sollte.

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