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Ägypten in der Krise: Kein Urlaub zu Schleuderpreisen

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Berlin (dpa/tmn) - Die Unruhen in Ägypten nehmen kein Ende. Die deutschen Reiseveranstalter berichten von deutlich sinkenden Buchungszahlen. Doch auf Urlaub verzichtet kaum ein Tourist. Wohin geht die Reise dann? Und gibt es jetzt in Ägypten Schnäppchenpreise?

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erstellt am 16.Aug.2013 | 12:22 Uhr

Berlin (dpa/tmn) - Die Unruhen in Ägypten nehmen kein Ende. Die deutschen Reiseveranstalter berichten von deutlich sinkenden Buchungszahlen. Doch auf Urlaub verzichtet kaum ein Tourist. Wohin geht die Reise dann? Und gibt es jetzt in Ägypten Schnäppchenpreise?

Des einen Leid, des anderen Freud - während Ägypten in der politischen Krise versinkt und die Buchungszahlen für das Land deutlich zurückgehen, erwarten andere Destinationen einen größeren Ansturm. «Wir gehen davon aus, dass vor allem die Kanarischen Inseln und Badeziele auf der Fernstrecke ? allen voran die Dominikanische Republik ? profitieren», schätzt Anja Braun, Sprecherin von Deutschlands Marktführer Tui.

«Ägypten wird derzeit kaum gebucht», erklärt Prof. Torsten Kirstges, Direktor des Instituts für innovative Tourismus- und Freizeitwirtschaft (ITF) an der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven. «Die Urlauber verzichten aber nicht auf ihren Urlaub.» Stattdessen wichen sie auf Urlaubsziele mit ähnlichem Klima aus. Welche das sind, hängt vor allem von der Jahreszeit ab. Die Türkei und das spanische Festland nennt Kirstges für den Urlaub im Herbst, die Kanaren im Winter.

Denn bis dahin wird sich nach Kirstges Einschätzung an der Buchungslage in Ägypten nicht viel ändern. «Bei kurzen Unruhen vergessen die Urlauber schnell, in Ägypten ist die Verunsicherung aber extrem groß.» Die Zurückhaltung werde bis zum Frühjahr andauern, selbst wenn sich die politische Lage wieder schnell beruhigt.

So bereiten sich etliche Veranstalter bereits auf einen Ansturm auf die Kanaren im Winter vor. Ohnehin hatten sie dort die Kontingente für die kalte Jahreszeit deutlich aufgestockt. Vor allem die Flugkapazitäten bauten die Veranstalter aus - allen voran FTI, Schauinsland und Alltours.

Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband (DRV) will sich nicht an den Spekulationen beteiligen, welche Länder von der Krise in Ägypten profitieren könnten. Es sei völlig unklar, wie lange die Krise andauere und welche Auswirkungen sie habe. Auch Parallelen zur Lage vor zwei Jahren will er nicht ziehen. «Die Lage ist eine ganz andere.» Damals gab es über Wochen hinweg keine Flüge nach Ägypten. Die Airline-Kontingente wurden dann umgeleitet - besonders auf die Kanaren. Auch die Malediven und Dubai als typische Winterziele hätten profitiert. Lediglich eine Verschiebung hat Schäfer schon beobachtet: «Wer eine Nilkreuzfahrt oder einen Trip nach Kairo gebucht hatte, hat sich meist für einen Urlaub am Roten Meer als Alternative entschieden.»

Wenn kaum jemand mehr in Ägypten Urlaub machen will, könnte das die Chance für Schnäppchenjäger sein, oder? «Einige Veranstalter halten Ägypten die Stange», erklärt Kirstges. «Da wird sicher auch noch mal an der Preisschraube gedreht.» Doch viel Luft nach unten gebe es nicht mehr. Das liegt vor allem daran, dass ein großer Bestandteil des Reisepreises der Flug ist. «Eine Woche Ägypten für 99 Euro wird es nicht geben», so Kirstges. «Schnäppchenjäger werden leer ausgehen.»

Schleuderpreise wird es auch deshalb nicht geben, weil eben doch nicht alle Reiseveranstalter Ägypten die Stange halten. Der Chef des Tui-Konzerns, Friedrich Joussen, hat vor einigen Tagen angekündigt, die Kapazitäten in Ägypten zurückzufahren. Und: «Schnäppchen bringen auch nur etwas, wenn dadurch wirklich mehr Leute kämen. In Ägypten wird das aber aufgrund der Sicherheitslage nicht der Fall sein», so Kirstges.

Schäfer verweist darauf, dass im Moment in Ägypten Nebensaison ist. In dieser sei das Preisniveau ohnehin niedriger als im Winter, der Hauptreisezeit für Ägypten.

Auch in den Ausweichländern wird sich nach Ansicht von Kirstges wenig an den Preisen ändern. «Die Urlauberströme aus Ägypten verteilen sich ja auf mehrere Länder», so der Tourismusforscher. Höchstens in den Hauptferienzeiten könne es zu erhöhten Preisen für Alternativziele kommen.

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