Folge 15 : Abholzung für Palmöl

Eine riesige Wunde klafft dunkel im Urwald von Borneo. Es werden Bäume abgeholzt , um eine Palmölplantage zu errichten. Die Ureinwohner sehen beklommen zu.

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07. Juli 2011, 10:55 Uhr

Endlich erreiche ich mein erstes Etappenziel. Der kleine Dayak-Ort Long Bia taucht hinter einer Insel in einer Flusskurve auf. Ein paar Leute stehen oben auf den breiten Stufen des Anlegeplatzes und beobachten unsere Ankunft. Einer spricht mich auf Englisch an, und er beschreibt mir ein Haus, in dem ich Unterkunft finden kann. Vorbei an meist auf Stelzen gebauten Holzhäuschen und einer christlichen Kirche, geschmückt mit Schnitzereien der Dayak und dem obligatorischen Begrüßungstor geht es bergauf, bergab durchs Dorf.
Das Ufer gegenüber allerdings ist zerstört. Statt grünem Dschungel leuchtet braunrote Erde hervor, wie eine riesige klaffende Wunde im Urwald. Mehrere Kompanien sind dort damit beschäftigt, den Wald abzuholzen um Platz für eine große Palmölplantage zu schaffen. Ich bin entsetzt, mehrere Hundert Kilometer von der Küste entfernt, auf so ein Zerstörungsprojekt zu stoßen. Auch die hiesige Bevölkerung, die Dayak, sind beklommen, bei diesem Anblick des Raubbaus und Eingriffs in ihren Lebensraum.
"Bei den Kopfjägern von Borneo"
Ganz in der Nähe liegt das kleine Dorf Long Pelebem, wo vor über 70 Jahren der schleswig-holsteinische Forschungsreisende Victor von Plessen seinen Dokumentationsfilm "Bei den Kopfjägern von Borneo" drehte. Hierfür holte er die Dayak aus einem entfernteren Dorf, um sie mit schauspielerischem Talent vor der Kamera agieren zu lassen. Damals, 1935, war das Dorf noch völlig von der Außenwelt abgeschnitten. Heute verfügt es über einen Generator, der regelmäßig ab 18 Uhr Lichter, Klimaanlagen und Fernseher in Gang setzt, und auch den Lautsprecher der kleinen hölzernen Moschee, die in arabischer Sprache zum Abendgebet aufruft, denn ein Teil der Dayak sind inzwischen moslemisch geworden, während der andere Teil der christlichen Kirche angehört.
Die 76 Jahre, die seit von Plessens Anwesenheit vergangen sind, haben die Welt der Dayak grundlegend verändert. Viele sind aus dem Inneren an die Küste gezogen, um besser am modernen Leben teilhaben zu können. Die jugendlichen Dayak in Long Bia brummen mit Mopeds durch das Dorf, hören moderne Musik aus Djakarta aus dem Radio.
Trotzdem ist hier noch alles ruhig und verträumt, man lebt in den Tag hinein, und abends durchdringen die Urwaldgeräusche den Ort. Viele gehen mit Gewehren auf Jagd nach Wildschweinen oder betreiben eine kleine Pflanzung mit Tapioka oder Früchten, die sie aufgrund des schlechten Bodens rasch wechseln und eine andere anlegen, während die alte wieder mit Wald zuwächst. Auf diese Weise wird schonend mit dem Boden verfahren.

Er lebte im Kongo mit weißen Nashörnern zusammen und hat in den vergangenen 30 Jahren fast ganz Afrika bereist - jetzt startet Armin Püttger-Conradt sein nächstes Abenteuer. Dieses Mal zieht es den Elmshorner nach Südostasien. Im Einbaum will der 52-Jährige die indonesische Insel Borneo durchqueren - für unsere Leser schreibt er seine Eindrücke auf.

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