Schleswig-Holstein : Auf den Spuren der Wikinger am Ostsee-Meeresarm Schlei

Auf einer Fahrt mit dem Raddampfer „Schlei Princess“ zur Lotseninsel sieht man Kappeln aus einer anderen Perspektive.
Auf einer Fahrt mit dem Raddampfer „Schlei Princess“ zur Lotseninsel sieht man Kappeln aus einer anderen Perspektive.

Wer entlang der Schlei reist und dem Glitzern des Ostsee-Meeresarmes von Schleswig bis nach Schleimünde folgt, findet nicht nur Erholung, maritimes Flair und schönste Naturerlebnisse.

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10. Oktober 2021, 00:01 Uhr

Schleswig | Vor den Toren Dänemarks ist die Wikinger-Vergangenheit bis heute spürbar. Uralte Runen-Steine und das einzigartige Wikinger Museum Haithabu erzählen von der Zeit vor tausend Jahren, als am Haddebyer Noor der erste und einst größte stadtähnliche Handelsort Nordeuropas florierte: Haithabu. Menschen vom Nordkap bis zum Orient schlugen hier ihre Waren um, von Pelzen über Specksteintöpfen bis hin zu Wein, Glasperlen oder Goldschmuck.

Hinter der weiß getünchten Kapelle beginnt die Fischersiedlung Holm an der Schlei.
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Hinter der weiß getünchten Kapelle beginnt die Fischersiedlung Holm an der Schlei.

Der Holm – Schleswigs verträumte Fischersiedlung

Die hübsche Kreisstadt Schleswig markiert den westlichen Endpunkt der 42 Kilometer langen fjordähnlichen Schlei und lockt nicht nur mit einem Bummel durch die dänisch geprägte Altstadt, Spaziergängen entlang der Hafenkante oder dem Besuch der Museumsinsel Schloss Gottorf.

Besonders pittoresk mutet der älteste Kern der Stadt an: die verwunschene Fischersiedlung Holm. Südlich des runden, zentralen Friedhofs und der weiß getünchten Kapelle führen kurze, schmale Kopfsteinpflasterstraßen hinab zu den Landungsstegen am Wasser. Giebel an Giebel, Sprossenfenster an Sprossenfenster,hier reihen sich verträumte Fischerhäuschen aneinander, viele von blühenden Rosen berankt. Entstanden ist der Holm vor rund tausend Jahren und war einst eine Insel. Bis heute sind hier aktive Fischer zuhause. Einer von ihnen ist Jörg Ross, dessen Familientradition bis ins Jahr 1736 zurückreicht. Sogar die jungen Söhne sind mittlerweile in seine Fußstapfen getreten. Ihren frischen Fang aus Ostsee und Schlei bieten die Fischer Endkunden direkt im Stadthafen an. Zu erwerben gibt es stets, was ins Netz gegangen ist: Steinbutt oder Aal, Flunder oder Forelle. Um der Geschichte des Holm noch näher zu kommen, lohnt ein Besuch im Holm Museum.

Die „Wikingerstadt“ Haithabu und der Grenzwall Danewerk sind seit 2018 Unesco-Welterbe.
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Die „Wikingerstadt“ Haithabu und der Grenzwall Danewerk sind seit 2018 Unesco-Welterbe.

Die „Wikingerstadt“ Haithabu und der Grenzwall Danewerk

Bereits vor 1500 begannen die Dänen mit dem Bau des mächtigen Grenzwalls Danewerk, der ihr nordisches Territorium wie ein „Limes des Nordens“ vor Eindringlingen schützen sollte, etwa Sachsen und Slawen aus Holstein. Die bei Ausgrabungen entdeckte Eingangspforte befand sich auf Höhe des historischen Ochsenwegs, der als Handelsroute von der Elbe bis zum Limfjord führte.

Gleichermaßen schützte das Danewerk die Ost-West-Handelsroute zwischen Nord- und Ostsee, denn Waren wurden über die Eider und schließlich auf einem 18 Kilometer langen Landweg zum Handelsort Haithabu transportiert. Andere Händler segelten wiederum- vom Baltischen Meer kommend- die Schlei hinauf. Bis zu 80 Meter lange Landebrücken im Haddebyer Noor verwandelten sich zu trubeligen Marktplätzen, auf denen Händler um Waren feilschten. In der Blütezeit Haithabus im 10. Jahrhundert lebten über tausend Menschen in der Siedlung, darunter Weber und Kammschnitzer, Schmiede und Glasperlenmacher. Archäologen konnten zahllose Artefakte aus dem Haddebyer Noor bergen; sie sind heute im Wikinger Museum Haithabu zu bestaunen. Ein schöner Fußmarsch führt zudem entlang des alten Schutzwalls zur rekonstruierten Siedlung. Hier dürfen Jung und Alt Wikinger-Geschichte hautnah erleben.

Infos

Malerische: Sieseby ist ein Dorf wie aus dem Bilderbuch.
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Malerische: Sieseby ist ein Dorf wie aus dem Bilderbuch.

Sieseby – ein Dorf wie aus dem Bilderbuch

Knapp 30 Kilometer flussabwärts in der Gemeinde Thumby schlummert das Dörfchen Sieseby einen Dornröschenschlaf. Versteckt am Südufer der Schlei, scheint hier die Zeit stehen geblieben zu sein. Es ist eine Wohltat für alle Sinne, entlang der historischen und teils windschiefen Fachwerkhäuser zu flanieren und den Duft üppiger Rosengärten zu genießen. Oberhalb der kleinen Siedlung strahlt hell die weiß getünchte Feldsteinkirche aus dem 12. Jahrhundert. Der Blick vom Holzsteg gibt ein wunderschönes Schleipanorama frei: Weiße, aufgeblähte Segel ziehen vor der Kulisse einer sanften Hügellandschaft vorbei, kein Motorengeräusch weit und breit, nur Stille, der weite Himmel und das Glucksen des ans Ufer schwappenden Wassers, welches an dieser Stelle schon salziger schmeckt. Denn bis zur Ostsee ist es von hier nicht mehr allzu weit.

Mit rund 300 Einwohnern ist Arnis die kleinste Stadt Deutschlands.
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Mit rund 300 Einwohnern ist Arnis die kleinste Stadt Deutschlands.

Arnis – die kleinste Stadt Deutschlands

Gespickt mit bildschönen historischen Wohnhäusern, hinter denen sich lange, schmale Grundstücke bis hinunter zum Wasser erstrecken, zieht sich die Lange Straße - von Linden gesäumt - über die Halbinsel am nördlichen Schleiufer. Mit rund 300 Einwohnern ist Arnis die kleinste Stadt Deutschlands – und zugleich eine der charmantesten. Nördlich wiegen sich Boote im Segelhafen; Fingern gleich, recken sich rings um das Städtchen hölzerne Landestege in den Meeresarm, während am Strandweg in kleinen Marinas und aktiven Schiffswerften getüftelt wird. Im Südwesten von Arnis lädt ein schöner Sandstrand zum erfrischenden Bad und die Schifferkirche aus dem 17. Jahrhundert zu einer Besichtigung ein. Spannend und praktisch zugleich: Zwischen März und Oktober pendelt die Schleifähre Arnis, eine Motorfähre mit Seilantrieb, zwischen 9 und 19 Uhr zwischen Arnis und Sundsacker am Südufer. Großartig für Autofahrer, Radler und Wanderer, die sich einen Umweg über Kappeln sparen und auf diese Weise beide Uferseiten erkunden können.

Von Kappeln zur einsamen Lotseninsel

Ein Radweg mit wunderschönem Schleipanorama führt ostwärts ins nächste reizvolle Städtchen: Kappeln. Dass es durch die Fischerei geprägt ist, verraten nicht nur die Kutter und Netze im nördlichen Hafenareal. Auch drei mächtige Backsteinschornsteine fallen sofort ins Auge. Sie gehören zur Traditionsräucherei Föh. Wie schon vor hundert Jahren räuchert die Familie Kostbarkeiten aus dem Meer in sogenannten Altonaer Öfen - mit Buchenholz und Erlenspäne. Mit einem leckeren Fischbrötchen bestückt, lässt es sich umso herrlicher an der Schleipromenade entspannen. Hier dürfen sich Besucher an zahlreichen hier festgemachten Segelyachten erfreuen. Ein Schiff fällt auffällig aus dem Rahmen: der hübsche Raddampfer „Schlei Princess“. Wer ein Ticket nach Schleimünde löst, darf hier – inklusive Landgang – ein ganz besonderes Fleckchen besuchen: die einsame Lotseninsel. Die winzige „Insel“, eigentlich die Spitze einer Landzunge zwischen Ostsee und Schlei, erreicht man lediglich übers Wasser. Sie ist schnell umrundet. Ihre markante Landmarke ist der grün-weiß geringelte Leuchtturm. Er weist Seglern und Kapitänen die Zufahrt in den schönsten Meeresarm Norddeutschlands, der von hier, im Geleit von Seeadlern, durch lieblich-hügeliges Land bis hinauf nach Schleswig mäandert.

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