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Viele Fliegen mit einer Klappe - Mischfonds bringen Vielfalt

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Stuttgart (dpa/tmn) - Mehr Anleihen oder doch lieber mehr Aktien? Wer nicht selbst für den richtigen Mix im Depot sorgen will, greift zu Mischfonds. Die Alleskönner unter den Sparanlagen versprechen ein geringes Risiko und gute Rendite. Aber stimmt das?

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erstellt am 25.Mai.2013 | 05:33 Uhr

Stuttgart (dpa/tmn) - Mehr Anleihen oder doch lieber mehr Aktien? Wer nicht selbst für den richtigen Mix im Depot sorgen will, greift zu Mischfonds. Die Alleskönner unter den Sparanlagen versprechen ein geringes Risiko und gute Rendite. Aber stimmt das?

Mehr Anleihen oder doch lieber mehr Aktien? Wer nicht selbst für den richtigen Mix im Depot sorgen will, greift zu Mischfonds. Die Alleskönner unter den Sparanlagen versprechen ein geringes Risiko und gute Rendite. Aber stimmt das?

Anders als herkömmliche Wertpapierfonds kombinieren Mischfonds verschiedene Anlageklassen. In der Regel sind das Aktien und Anleihen. «Bei einem Mischfonds kauft der Anleger ein Produkt von der Stange, bei dem ein Manager die Anlageentscheidung übernimmt», sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. Doch für wen ist das sinnvoll? Was sind die Vor- und die Nachteile des Produkts?

«Ein Mischfonds sollte im Idealfall das leisten, was ich mir selbst nicht zutraue, nämlich für die richtige Mischung im Depot zu sorgen», erklärt Roland Aulitzky von der Stiftung Warentest. Dabei können die Fonds unterschiedliche Chance-Risiko-Verhältnisse abbilden: Aktien schwanken stärker im Kurs, bieten aber mehr Rendite als Anleihen. «Das Mischungsverhältnis sollte von der persönlichen Risiko-Neigung abhängen und nicht von der Entwicklung der Märkte», sagt Nauhauser. «Die kann man ohnehin nicht vorhersagen.»

Die Stiftung Warentest untersucht die Performance dieser Fondsgruppe monatlich. Auf ihrer Website bieten die Tester gegen Gebühr eine nach Risiko gestaffelte Übersicht. «Es gibt Mischfonds, die haben durchweg eine deutlich höhere Rendite als konservative Geldanlagen», sagt Aulitzky. «Der große Vorteil von Mischfonds ist die Bequemlichkeit», erläutert Nauhauser. Die Performance sei nicht notwendigerweise besser als bei anderen Sparanlagen. In der Praxis würden Fondsmanager meist nicht für bessere Ergebnisse sorgen als vergleichbare Indizes. «Alles andere ist reine Verkaufspropaganda.»

Worauf sollten Anleger achten? «Wenn man sich für einen Mischfonds entscheidet, sollte man ein günstiges Produkt wählen», rät Nauhauser. Die Gebühren werden auf einem Infoblatt ausgewiesen. «Alles was über einem Prozent liegt, halte ich für zu viel.» Wer die Zeit hat, sich um seine Geldanlage selbst zu kümmern, dem empfiehlt Nauhauser stattdessen eine Kombilösung: «Es ist meist günstiger, Aktienindexfonds zu erwerben und mit einem sicheren Baustein im Depot zu kombinieren.» Das könne zum Beispiel ein gut verzinstes Festgeldkonto sein. «Das bringt derzeit mehr als Anleihen.»

Auch Marc Tüngler, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf, sagt: «Wenn man Spaß daran hat, dann sollte man das Portfolio selbst zusammenstellen. Wer das nicht möchte, für den ist ein Mischfonds eine gute Lösung.» Allerdings zeige eine DSW-Studie von 2012: Nur jedem fünften aktiv gemanagten Mischfonds sei es gelungen, vergleichbare Indizes zu schlagen. «Mischfonds mit variabler Aktienquote schneiden da langfristig etwas besser ab.»

Daneben sollte man auf eine breite Streuung achten: «Fonds, die in mehrere Anlageklassen investieren, sind breiter aufgestellt und deshalb zu empfehlen», sagt Nauhauser. Anders als klassische Mischfonds haben diese Multi-Asset-Fonds auch Immobilien, Rohstoffe oder Währungen im Portfolio. Aulitzky warnt dagegen: «Multi-Asset-Fonds sind oft schwer zu durchschauen und daher nichts für jemanden, der sich nicht informieren möchte.» Viele Mischfonds hätten stark in Gold investiert und seien vom Absturz des Goldpreises arg in Mitleidenschaft gezogen worden, für unbedarfte Anleger eine böse Überraschung.

«Das Problem besteht darin, dass es mehr Fonds als Aktien gibt. Das macht die Auswahl sehr schwer», sagt Tüngler. Man solle sich möglichst auf Anlageklassen konzentrieren, die man auch versteht. «Wichtig ist, dass die Fonds transparent sind und nicht auf irgendwelche undurchsichtigen Derivate setzen.» Sparer sollten unbedingt auf die langfristige Entwicklung achten: «Das entscheidende Kriterium für einen Mischfonds ist die Renditeentwicklung nach Gebühren in der Vergangenheit.» Die Wertentwicklung der vergangenen zehn Jahre sei ein guter Bezugswert.

«Mischfonds sind ein typisches Sparplanprodukt», sagt Aulitzky. Wegen des günstigen Rendite-Risiko-Verhältnisses seien die Fonds auch sehr gut für die Altersvorsorge geeignet. Auf jeden Fall sei es sinnvoll, bei einem Fondsinvestment einen langen Anlagehorizont mitzubringen. «Auch Riester geförderte Fondssparpläne sind in der Regel Mischfonds, da ein Kapitalerhalt mit einem reinen Aktienfonds nicht garantiert werden kann», sagt Nauhauser.

«Wer kurz vor der Rente steht, sollte aus den Mischfonds nach und nach raus und in risikoarme Rentenfonds umschichten», rät Aulitzky. Bei einigen Modellen werde auch eine feste Laufzeit vereinbart, die Bank übernehme es dann, gegen Ende von Aktien in risikoärmere Anlageklassen umzuschichten. «Wir halten es aber generell für günstiger, wenn der Anleger das Heft des Handelns in der Hand behält.» Dann könne man auch jederzeit seine Anteile verkaufen, wenn es nicht so gut laufe.

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