Geringerer Beitrag : Tarifwechsel für viele Privatversicherte kein Problem

Wer innerhalb einer privaten Krankenversicherung den Tarif wechselt, muss unter Umständen eine erneute Gesundheitsprüfung durchführen.
Wer innerhalb einer privaten Krankenversicherung den Tarif wechselt, muss unter Umständen eine erneute Gesundheitsprüfung durchführen.

Privatversicherte können kostenlos ihren Tarif wechseln - etwa um ihre Beiträge zu senken. Doch werden sie dabei gut beraten oder legen die Versicherer ihren Kunden dabei Steine in den Weg?

shz.de von
20. Juli 2018, 10:01 Uhr

Privatversicherte haben laut einer neuen Umfrage kaum Probleme beim Wechsel ihres Versicherungstarifs. So wissen 67 Prozent der Privatversicherten, dass sie ihren Tarif wechseln können, wie eine der Deutschen Presse-Agentur vorliegende Umfrage der Verbraucherzentrale Hamburg zeigt.

77 Prozent der Befragten, die einen Tarifwechsel geplant oder durchgeführt haben, seien zufrieden mit dem Service ihres Krankenversicherers. 21 Prozent der Befragten haben demnach bereits einmal ihren PKV-Tarif gewechselt.

Hintergrund ist, dass der Versicherungsschutz in der privaten Krankenversicherung (PKV) in einem bestimmten Rahmen individuell zusammengestellt werden kann. Wer hier etwas ändern will, etwa aus Kostengründen, kann seinen Anbieter wechseln. Bei einem neuen Versicherer wird aber die Versicherungsprämie nach Alter und Gesundheitszustand neu berechnet, was den Wechsel wirtschaftlich womöglich wenig sinnvoll erscheinen lässt. Alternative: Ein Wechsel in einen günstigeren Tarif beim bisherigen Versicherer.

18 Prozent der Befragten denken, dass sie an den einmal gewählten Tarif gebunden sind. 14 Prozent machen keine Angabe oder geben an, dass sie es nicht wissen. Von den 82 Prozent der Befragten aber, die sich nicht an ihren Tarif gebunden sehen, haben 29 Prozent tatsächlich einmal einen Tarifwechsel in Erwägung gezogen.

Das Hauptmotiv der Tarifwechsler ist laut der Umfrage Ersparnis beim Beitrag, rund jeder Vierte strebt aber auch mehr Leistungen an. Konkret versucht haben einen Tarifwechsel vor allem Ältere, was die Verbraucherzentrale auf Beitragssteigerungen im Alter zurückführt.

Anke Puzicha, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale, sagte: «Ein strukturelles Problem haben wir beim Tarifwechsel in der privaten Krankenversicherung nicht entdeckt.» Erschreckend sei allerdings, dass nur zwei Drittel der Versicherten wüssten, dass sie ihren Tarif wechseln können, wenn er zu teuer wird oder aus anderen Gründen nicht mehr passt. «Da stehen auch die Anbieter in der Aufklärungspflicht.»

Von Beratern sei aber immer wieder zu hören, dass Versicherten nicht immer der günstigste Tarif angeboten werde. Puzicha kritisierte: «Eine Pflicht für den Versicherer, den günstigsten Tarif nach dem Bedarf des Versicherten vorzuschlagen, gibt es nicht.»

Insgesamt sind die Befragten zufrieden mit ihrer privaten Krankenversicherung: So geben 90 Prozent an, mit ihrer Versicherung sehr zufrieden oder eher zufrieden zu sein. Allerdings wollen laut der Umfrage nur zwei von drei Befragten auch in Zukunft in der PKV bleiben. 28 Prozent würden es dagegen vorziehen, in der gesetzlichen Krankenversicherung, teils mit privaten Zusatzversicherungen, versichert zu sein.

Wann beim Tarifwechsel eine Gesundheitsprüfung fällig wird

Wer privat krankenversichert ist, hat das Recht, innerhalb seiner Versicherungsgesellschaft in andere Tarife zu wechseln. Darauf weist der Bund der Versicherten hin. Bisher erworbene Rechte und Altersrückstellungen kann der Versicherte normalerweise in den neuen Tarif mitnehmen. Unter Umständen verlangt der Versicherer allerdings eine erneute Gesundheitsprüfung. Das sei zum Beispiel meist der Fall, wenn der Versicherte gerne mehr Leistungen hätte oder die Selbstbeteiligung reduzieren möchte.

Wer dagegen in einen Tarif mit weniger Leistungen wechseln möchte, um niedrigere Beiträge zu zahlen, muss sich in der Regel keiner neuen Gesundheitsprüfung unterziehen. Der Bund der Versicherten weist allerdings darauf hin, dass auch die Beiträge eines zunächst günstigeren Tarifs in den kommenden Jahren angehoben werden könnten.

Von einem Wechsel der Versicherungsgesellschaft rät der Bund der Versicherten ab. Dabei gehen nämlich meist zumindest große Teile der Altersrückstellungen verloren. Wer den Anbieter wechseln möchte, sollte daher genau prüfen, ob es sich lohnt.

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