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Verbraucher : Stromsparhelferin: Hohen Energiekosten auf der Spur

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Seit vier Jahren ist Bea Weber als Stromsparhelferin für die Caritas im Einsatz. Sie berät einkommensschwache Familien aus Hamburg, wie sie Energie sparen können. Rund 150 Euro pro Jahr können die Familien so mehr im Portemonnaie haben.

Alte Glühbirnen, stromfressende Kühlschränke und verkalkte Duschköpfe - mit detektivischem Eifer sucht Bea Weber in Hamburger Haushalten nach Energiesparmöglichkeiten. Die 57-Jährige ist Stromsparhelferin der Caritas. Bei einkommensschwachen Familien checkt sie den Strom- und Wasserverbrauch, berät, ob sich neue Haushaltsgeräte lohnen und bringt kostenlose Energiesparlampen, Duschköpfe oder Steckerleisten mit.

Wie etwa bei Terfla Kizil, die schon wartet, als Weber an der Tür klingelt. Über eine Nachbarin hat Kizil von dem Strom-Check erfahren und wollte, dass sich die Stromsparhelferin auch einmal bei ihr umschaut. Mit ihrem Mann und zwei Kleinkindern lebt sie in einer 80-Quadratmeter-Wohnung im Stadtteil Neuwiedenthal im Süden Hamburgs.

Ein Erstbesuch beginnt mit der Kontrolle von Wasser-,Strom-, und Heizungsrechnungen. Weber blättert durch einen vollbepackten Ordner, notiert den Verbrauch, Kizil sitzt daneben. Mit dem Datenblatt kann sie am Computer ausrechnen, wie viel ein Haushalt sparen kann. «Ihr Wasserverbrauch scheint ganz schön hoch zu sein», sagt Weber, die in ihren vier Jahren als Stromsparhelferin viele Erfahrungswerte gesammelt hat. Früher war sie Sekretärin, dann arbeitslos, bis sie von der Caritas umgeschult wurde.

Webers Kontrollgang beginnt in der Küche. Der Kühlschrank sei normalerweise beliebter Stromfresser. «Unser ist circa vier Jahre alt», sagt die aus der Türkei eingewanderte Kizil. Welche Effizienzklasse das Gerät hat, weiß sie leider nicht. Vier Jahre seien aber noch in Ordnung, sagt Weber und notiert die Details auf ihr Datenblatt. Wenn ein Kühlschrank älter als zehn Jahre ist, bieten die Stromsparhelfer Hilfe beim Ersetzen an. 100 Euro von der Hamburger Energieagentur bekommen einkommensschwache Familien, wenn sie einen neuen Kühlschrank mit der Effizienzklasse A++ kaufen. Auch das Alter von den anderen Küchengeräten notiert sie sich: Toaster, Mikrowelle, Fritteuse sind alles potenzielle Stromfresser, wenn sie zu alt sind.

Weiter geht es mit der Deckenbeleuchtung. Auf einen Blick weiß Weber, welche Birne mit welcher Fassung den Raum erhellt. «Hier schlage ich vor, dass wir sie mit einer Energiesparlampe austauschen. Die gibt es auch als Globus und sieht echt gut aus», sagt sie. Neben der Deckenlampe entdeckt Weber noch ein kleines Licht hinter der Abzugshaube. Mit zwei Griffen öffnet sie die Verkleidung und notiert sich wieder die Lampenfassung. «Hier bauen wir eine 11-Watt-Spirale ein, das reicht», sagt sie. Pro Haushalt kann Weber etwa 70 Euro ausgeben und damit beispielsweise Lampen und Duschköpfe ersetzen. Die Stadt Hamburg bezuschusst die Aktion.

Im Kinderzimmer entdeckt Weber eine Steckerleiste, in die ein kleiner Fernseher eingestöpselt ist. «Auch wenn das Gerät auf Stand-by oder ausgeschaltet ist, verbraucht es noch Strom. Es ist zwar nicht viel, aber hier kann man sparen», erklärt die 57-Jährige. Kizil steht daneben und nickt. Damit in Zukunft an das Ausschalten gedacht wird, notiert sie eine Steckleiste mit zentralem Schalter, die Weber das nächste Mal mitbringen will.

Auch für den Flur, das Schlafzimmer, das Wohnzimmer und das Bad schreibt sie neue Lampen auf. Insgesamt 100 Euro wird die Familie mit den neuen Lampen jährlich an Stromkosten sparen können, schätzt Weber. Als die beiden Frauen im Bad stehen, geht es an den Wasserverbrauch. Ein neuer Duschkopf soll her: Der alte sei sehr verkalkt und habe einen schlechten Wasserdurchfluss.

Etwas schockiert reagiert Weber als sie von Kizil hört, wie oft sie wäscht. Zwei- bis viermal am Tag sei sehr viel. Besonders weil die Waschmaschine fünf Jahre alt ist. «Kein Wunder, dass ihr Wasserverbrauch so hoch ist», sagt sie. Mit zwei kleinen Kindern im Haushalt müsse sie gerade im Sommer eben oft waschen, versucht Kizil sich zu verteidigen. Da kann Weber nicht viel machen, aber von den Wasserhähnen will die Helferin von der Caritas wenigstens noch die Strahlregler austauschen.

In zwei Wochen will sie wiederkommen. Die Energiesparlampen sollen dann eingesetzt werden und sie könne dann genau sagen, wie viel Geld die Familie Kizil in Zukunft einsparen werde, kündigt Weber an. Kizil ist begeistert vom Besuch der Stromsparhelferin: «Ich freue mich auf die neuen Lampen.»

Laut Caritas sparen die teilnehmenden Haushalte durchschnittlich rund 148 Euro an Energie- und Wasserkosten pro Jahr. Auch der Klimaschutzeffekt sei beachtlich: Langfristig führe der Stromspar-Check in rund 150 Orten dazu, dass deutschlandweit 180 000 Tonnen an CO2-Emissionen durch die Aktion reduziert werden können.

Informationen zum Stromspar-Check

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erstellt am 16.Aug.2013 | 15:29 Uhr

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