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Deutsche lernen Erben ohne Streit - Erbfälle besser geplant

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Bonn (dpa) - «Habt Ihr schon geerbt oder sprecht Ihr noch miteinander», lautet ein bekannter Kalauer zum Thema Erbschaft. In der «Generation Erbe» könnte das bald Vergangenheit sein. Die Deutschen sprechen sich besser und vor allem rechtzeitig ab, heißt es in einer Studie.

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erstellt am 23.Mai.2013 | 11:33 Uhr

Bonn (dpa) - «Habt Ihr schon geerbt oder sprecht Ihr noch miteinander», lautet ein bekannter Kalauer zum Thema Erbschaft. In der «Generation Erbe» könnte das bald Vergangenheit sein. Die Deutschen sprechen sich besser und vor allem rechtzeitig ab, heißt es in einer Studie.

Im reichen Deutschland wird das Vererben zunehmend zum Massenphänomen mit klaren Absprachen noch vor dem Todesfall. Nach einer am Donnerstag (16. Mai) veröffentlichten Allensbach-Studie im Auftrag der Postbank wollen aktuell drei Viertel der Erben und sogar vier Fünftel der Erblasser eine rechtzeitige klare Verteilung der Erbschaft, um späteren Streit zu vermeiden. Bisher gibt es solche klaren Regelungen vor dem Todesfall laut der Studie nur in gut jedem vierten Erbfall.

«Die Deutschen haben offenkundig aus Fehlern der Vergangenheit bei Erbschaften gelernt», kommentierte die Postbank-Generalbevollmächtigte Susanne Klöß die Ergebnisse. Befragt wurden 1573 Erwachsene, die geerbt haben, ein Erbe erwarten oder vergeben wollen.

Das Geld- und Sachvermögen der Haushalte in Deutschland hat sich zwischen 1991 und 2011 laut Statistischem Bundesamt mehr als verdoppelt. Entsprechend erlebt das Land bei der Weitergabe der Vermögen eine historische Erbschaftswelle. Nach Berechnungen der Postbank werden allein in diesem Jahr Vermögen im Wert von 254 Milliarden Euro weitergegeben. Bis 2020 steigt die Zahl auf 330 Milliarden Euro.

Bei den über 65-Jährigen planten aktuell rund drei Viertel - fast 13 Millionen Menschen - die Weitergabe eines Erbes, heißt es in der Studie. Zunehmend gehe es dabei auch um Immobilien: Derzeit seien in jeder zweiten Erbschaft Häuser und Grundstücke enthalten. Die Zahl steige bei den befragten künftigen Erben und Erblassern auf zwei Drittel. Das geerbte Eigenheim wollten die Erben aber seltener als bisher selbst beziehen. Mindestens verdoppeln wird sich nach der Studie die Zahl der Gold-Erbschaften in Form von Barren oder Münzen.

Die frühzeitigen Absprachen haben allerdings auch eine Kehrseite: Latenter Streit kommt so deutlich eher zutage. Immerhin fast jeder dritte Befragte (30 Prozent) sprach sich in der Studie für eine neue rechtliche Möglichkeit aus, Kinder oder Ehepartner komplett zu enterben. Dies ist in Deutschland bisher praktisch nicht möglich.

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