Partnerbörse mit Discofox: Die Generation 50 plus in der Tanzschule

Mit Musik klappt’ s besser: Tanzlehrerin Uta Densch (links) bringt Karl-Heinz Boysen und Lotte Badune (rechts) den Discofox bei.
Mit Musik klappt’ s besser: Tanzlehrerin Uta Densch (links) bringt Karl-Heinz Boysen und Lotte Badune (rechts) den Discofox bei.

shz.de von
05. Januar 2015, 09:54 Uhr

Für Karl-Heinz Boysen ist Tanzenlernen der beste Weg, um Kontakte zu Frauen zu knüpfen. Der 67-Jährige ist Witwer und überzeugt: „Frauen mögen Männer, die tanzen können – und Tanzen hat ja auch viel mit Erotik zu tun.“ Deshalb hat er vor ein paar Wochen seine Nachbarin Lotte Badune bezirzt, mit ihm einen Tanzkurs zu belegen. Jetzt kämpfen die beiden auf dem Parkett der Flensburger Tanzschule Waibl mit dem Discofox. „Rechts, rechts, tepp“, gibt Tanzlehrerin Uta Densch die Schrittfolge vor und läuft schnell zum nächsten Paar, als der Herr dort über die Füße seiner Dame zu stolpern droht. Uta Densch hat das Problem schnell erkannt: „Wenn der Herr das letzte Aufteppen mit dem Fuß vergisst, endet das katastrophal.“

Auch bei Boysen und seiner Partnerin läuft noch nicht alles rund – bis Uta Densch die Musik einschaltet. Zum schnellen Takt von „We are family“ läuft plötzlich alles wie geschmiert, sogar die Drehung klappt sofort. „Discofox können die meisten älteren Tanzschüler schon. Aber wenn wir die Schritte auseinandernehmen, geht plötzlich gar nichts mehr“, erklärt Uta Densch. „Die Lockerheit ist auf einmal weg, weil die Leute zu viel nachdenken.“

Alle fünf Paare beim Anfängerkurs gehören eher zu den älteren Semestern in der Tanzschule. Walzer, Cha-Cha-Cha und Co lernen sie nicht für eine Hochzeit oder einen Schulball: Ihnen geht es um den Spaß am Tanzen, darum, andere Leute kennenzulernen oder „einfach mal rauszukommen“. Dafür eignet sich besonders die öffentliche Tanzveranstaltung „50 plus“, die einmal im Monat angeboten wird. „Für Ältere gibt es ja sonst nicht viel – nur die Diskos, aber das ist ja nichts mehr für uns“, sagt Lotte Badune.

Bei den Tanzveranstaltungen oder Tanzkursen hätten sich auch schon viele Paare gefunden, weiß Uta Densch. Sie unterrichtet lieber die älteren Gruppen als die unter 18-Jährigen. „Hier ist es ruhiger, lustiger und viel geselliger“, sagt sie. Die Stimmung ist ausgelassen, die Kursteilnehmer scherzen über ihre Misserfolge im Kurs – und nehmen das auf die leichte Schulter. Keiner geht hier verbissen an die Sache heran, sie alle wollen einfach nur eine gute Zeit haben. Auch Thea Stein und Gerd Møller haben das Tanzen als neues Hobby für sich entdeckt. Møller liebt den Walzer. „Der bringt einfach viel Spaß – und ich kann ihn zu jeder Musik tanzen. Discofox kriege ich aber überhaupt nicht hin“, sagt der Däne.

Eine Aussage, die ihm zweifelnde Blicke der Tanzlehrerin einbringt: „Walzer kann man eigentlich nur zum Dreivierteltakt tanzen.“ Aber zum Lernen sind die fünf Flensburger ja auch schließlich im Tanzkurs. Bald wird auch Karl-Heinz Boysen im Takt der Musik über das Parkett schweben – und die Damenwelt beeindrucken.

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