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Ostern in Deutschland : Osterfeuer gefährden die Tierwelt

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Es reicht nicht, nur am Brennmaterial zu rütteln, da die meisten Tiere es dann nicht wagen, ihr Versteck zu verlassen. Wird das Osterfeuer entzündet, gibt es für die Tiere keine Möglichkeit mehr, den Flammen zu entkommen.

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erstellt am 07.Apr.2014 | 07:28 Uhr

Ganz Deutschland feiert in diesem Monat mit bemalten Ostereiern und Schokohasen das Osterfest. Auch die Osterfeuer gehören vielerorts zur Tradition – doch das wird vielen Wildtieren zum Verhängnis. Der Grund: Schon jetzt – 14 Tage vor Ostern – werden große Reisighaufen aufgeschichtet. Die Tiere nutzen die Stapel als Unterschlupf und sogar als Brutstätte. Doch der vermeintlich sichere Rückzugsort für Igel, Mäuse, Kröten, Vögel, Insekten und Spinnen wird dann schnell zum Scheiterhaufen für die Tierwelt, warnt Martin Schmidt vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Flintbek.

Da in diesem Jahr die Natur ohnehin deutlich weiter fortgeschritten als gewöhnlich, ist das Risiko größer, brütenden Vögeln wie dem Zaunkönig oder dem Rotkehlchen zu schaden. „Viele Vogelarten bauen ihre Nester eben nicht nur in Hecken und Bäumen, sondern auch in angelegten Reisighaufen.“ Ältere Haufen aus dem Vorjahr sollten daher möglichst gar nicht erst angerührt werden. Und die neu aufgeschichteten Stapel sollten am Tag des Anzündens vorsichtig umgeschichtet werden, mahnen die Tierschützer: „Ein komplettes Umsetzen ist notwendig, damit die Tiere auch wirklich flüchten und nicht als lebende Fackeln auf lodernden Holzstöße und Reisighäufen enden.“

Es reicht nicht, nur am Brennmaterial zu rütteln, da die meisten Tiere es dann nicht wagen, ihr Versteck zu verlassen. Wird das Osterfeuer entzündet, gibt es für die Tiere keine Möglichkeit mehr, den Flammen zu entkommen. Auf Dauer erfolglos versuchen sie nämlich, im Inneren des Reisighaufens Schutz zu suchen, warnt der Tierschutzverein Itzehoe und Kreis Steinburg e.V.. Viele Tierarten im Garten sind wichtige Helfer bei der Vertilgung unerwünschter Insekten und zugleich ein wichtiger Faktor zur Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts.

Ohnehin unterliegen Osterfeuer im eignen Garten wegen des Brandschutzes strengen Regelungen. „Gartenbesitzer dürfen nicht einfach ein Feuer entzünden und bei der Gelegenheit gleich noch ihren frischen Baumschnitt entsorgen“, warnt Brandoberinspektor Torge Brüning, Sicherheitsexperte beim Infocenter der R+V Versicherung. „In der Regel ist eine Genehmigung notwendig. Die bekommen Privatleute aber oft gar nicht.“ Wer trotzdem Feuer macht, muss damit rechnen, dass die Feuerwehr anrückt, und die Kosten für deren Einsatz tragen. Die Regelungen sind in den Städten und Gemeinden unterschiedlich ausgelegt. Deshalb sollten Gartenbesitzer im Vorfeld bei der Feuerwehr oder dem Ordnungsamt nachfragen.

Grundsätzlich gilt:

  • Die Feuer müssen ausreichenden Abstand zu Gebäuden und Straßen haben. Bei Wäldern und Autobahnen sind dies bis zu 100 Meter.
  • Es dürfen keine Verkehrsbehinderungen und keine erheblichen Belästigungen durch Rauchentwicklung entstehen.
  • Weder Abfälle noch Sperrmüll, Bauholz und frischer Baumschnitt gehören in die Flammen. Wer sich nicht an diese Vorgaben hält, kann mit hohen Bußgeldern bis zu 50 000 Euro belegt werden.

Außerdem gilt es, einige wichtige Ratschläge zu beachten. Sie können verhindern, dass die Feuerwehr ausrücken und außer Kontrolle geratene Osterfeuer löschen muss.

  • Bei starker Trockenheit und bei Wind kann sich ein Brand schneller ausweiten.
  • Keine Brandbeschleuniger oder Grillanzünder verwenden.
  • Kinder nicht alleine lassen: Ein Erwachsener sollte das Feuer beaufsichtigen, bis es vollständig erloschen ist.
  • Durch Funkenflug können weitere Brände entstehen; deshalb Feuerlöscher oder andere Löschmittel bereithalten.
  • Das Brennmaterial darf nicht länger als 14 Tage vor dem Verbrennen zusammengetragen werden.
  • Keine Strohballen als Sitzgelegenheiten in Feuernähe aufstellen; sie könnten allein durch die Hitze Feuer fangen.
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