Vorsicht Hautkrebs : Mit heiler Haut durch den Sommer

Nachcremen verlängert die Schutzwirkung des Sonnenschutzmittels nicht.
Nachcremen verlängert die Schutzwirkung des Sonnenschutzmittels nicht.

Gesund bräunen: Dermatologe Rainer Sempell klärt gängige Irrtümer rund um den Sonnenschutz auf.

shz.de von
02. Juni 2015, 14:43 Uhr

Itzehoe | Hautkrebs ist die häufigste Tumorart in Deutschland – und die Zahl der Erkrankungen steigt. Allein in Schleswig-Holstein wurden 2012 laut Techniker Krankenkasse mehr als 3100 Mal Patienten mit dieser Diagnose  im Krankenhaus  behandelt, 30 Prozent mehr als fünf Jahre zuvor. Jedes Jahr erkranken 250.000 Menschen in Deutschland neu. „Hauptrisikofaktor ist bekanntermaßen eine übermäßige Sonneneinstrahlung“, sagt Dr. Rainer Sempell, Hautarzt aus Itzehoe. „Trotzdem schätzen viele Menschen die Gefahren der UV-Strahlung immer noch falsch ein.“

Ein verbreiteter Irrglaube sei die Annahme, dass die Haut erst Schaden nimmt, wenn es schon zum Sonnenbrand gekommen ist. Sempell: „Gefährlich wird es auch, wenn sich die ultraviolette Strahlung über Jahre hinweg  auf eine hohe Gesamtdosis summiert.“ Dadurch werden freie Radikale aktiviert, die nach zehn bis 20 Jahren Hautkrebs verursachen können. Auch eingecremt sollte man deshalb nicht den ganzen Tag in der Sonne bleiben.

Auf UVA-Schutz achten

Ein weiterer Irrtum:  Beim Sonnenschutzmittel kommt es  allein auf den Lichtschutzfaktor (LSF) an.  Tatsächlich müsse  jedoch zwischen dem Schutz vor UVA- und UVB-Strahlung unterschieden werden. „Sonnenbrände werden nur durch das kurzwelligere UVB-Licht hervorgerufen. Aber auch das langwellige UVA führt langfristig zu vorzeitiger Hautalterung oder sogar Krebs“, sagt Sempell.  Der Lichtschutzfaktor bezieht sich  nur auf das UVB: Er gibt an, wie viel länger man  eingecremt in der Sonne bleiben kann als uneingecremt, ohne dass die Haut verbrennt. „Eine gute Sonnencreme schützt zusätzlich mit mindestens einem Drittel des  Lichtschutzfaktors auch vor langwelligen Strahlen. Erkennbar ist das am UVA-Logo auf der Tube.“

Aber nicht nur  auf die Qualität, sondern auch auf die Menge kommt es an: „Viele Leute sparen beim Eincremen“, weiß Sempell. Um den angebenen Schutz zu erreichen, müssen pro Quadratzentimeter Haut zwei Milligramm Sonnenmilch aufgetragen werden – bei einem Erwachsenen mit etwa zwei Quadratmetern Körperoberfläche  wären das 40 Gramm (drei bis vier Esslöffel). „Eine 100-Gramm-Tube würde also gerade mal  für zweieinhalb Anwendungen reichen. Nimmt man  die Hälfte, ist der tatsächliche Lichtschutzfaktor nur etwa die Wurzel aus dem angegebenen – bei LSF 50 also etwa sieben.“ Nachcremen verlängert den  Schutz dabei nicht: „Egal, wie oft man sich eincremt, der Lichtschutzfaktor bleibt immer derselbe“, sagt Sempell.  Trotzdem ist es wichtig „nachzulegen“, denn  durchs Schwitzen  und Baden  lässt die Wirkung nach – auch bei wasserfester Sonnenmilch. 

Bezeichnungen, die  einen absoluten Schutz vorgaukeln, wie „100 Prozent Sonnenschutz“ oder „Sunblocker“, sind heute nicht mehr erlaubt.  Präparate mit dem LSF 50+ absorbieren bis zu 98 Prozent der UV-Strahlen. Den totalen Schutz schafft aber nur spezielle Kleidung aus Hightech-Fasern, die das  Prüfsiegel „UV-Standard 801“ tragen sollten.  Für Textilien aus Baumwolle gilt: Helle Stoffe lassen mehr Licht durch als dunkle, nasse mehr als trockene.

Sensible Haut durch Medikamente

Achtung: Viele Medikamente können die Haut lichtempfindlicher machen. Dazu gehören  manche Antibiotika, Malaria- oder Rheumamittel, aber auch das pflanzliche Johanniskraut. „Wer solche Präparate nimmt, sollte  direkte Sonne besser weitgehend meiden“, rät Sempell. 

Dasselbe gilt für den Aufenthalt in der Sonne während der  Mittagszeit, in der die UV-Strahlung am stärksten ist. Generell sollte man sich zwischen 11 und 13 Uhr, am besten bis 15 Uhr von der Sonne fern halten. Entscheidend dafür ist nicht die am Urlaubsort geltende Zeit – also in Europa die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) – sondern die jeweilige Ortszeit, die sich nach dem Stand der Sonne richtet. Sempell: „Wer sich im Sommerhalbjahr an der spanischen Westküste um 15 Uhr MEZ an den Strand legt, erwischt die ‚Hochgrillzeit‘, weil die Sonne erst gegen 14.30 Uhr ihren höchsten Stand erreicht.“ Hilfreich auf Reisen sind  kostenlose Apps, die weltweit für jeden Ort über diese  Zeiten informieren (zum Beispiel LunaSolCal Mobile).

Sich im Solarium auf den Urlaub vorzubereiten, ist dagegen keine gute Idee. „Die Lampen dort arbeiten in erster Linie mit UVA-Strahlung –  weshalb man sich selten einen Sonnenbrand holt, aber Spätschädigungen der Haut riskiert“, warnt der Dermatologe.

Die Sonne aus Angst vor Hautkrebs komplett zu meiden, sei  jedoch auf keinen Fall ratsam. „Wir brauchen die UVB-Strahlen, damit der Körper Vitamin D für den Aufbau und die Stabilisierung der Knochen produzieren kann.“ Um eine ausreichende Dosis zu bekommen, sollte man zwischen April und Oktober Gesicht und  Hände täglich mindestens zehn Minuten der Sonne aussetzen.

Kinderhaut besonders schützen:
Kinderhaut ist sehr dünn und darum besonders empfindlich. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte empfiehlt  die „Fünf-H-Regel“: Hemd, Hut, Hose, hoher Lichtschutzfaktor (für extrem hellhäutige Kinder LSF 50, sonst 30, Sonnencreme ohne Duftstoffe),  heiße Mittagszeit meiden. Babys im ersten Lebensjahr gehören überhaupt nicht in die Sonne. Übermäßige UV-Strahlung und Sonnenbrände im Kindesalter erhöhen das Risiko deutlich, später an Hautkrebs zu erkranken.
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