Teure Patronen : Minister wollen Druckertinte günstiger machen

Eine für alle: Tintenpatronen sollen nach dem Willen der Verbraucherminister einheitlich sein, um künftig in jeden Drucker zu passen. Foto: dpa
Eine für alle: Tintenpatronen sollen nach dem Willen der Verbraucherminister einheitlich sein, um künftig in jeden Drucker zu passen. Foto: dpa

Jeder Druckerhersteller füllt seine Tinten in eigens für den Drucker passende Patronen. Das macht das Drucken teuer.

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18. September 2012, 08:30 Uhr

Hamburg/Kiel | Drucker sind zum echten Schnäppchenpreise zu haben: 35 Euro für ein Markenprodukt. Doch wenn die Tinte leer ist und die erste Patrone für das gute Stück gekauft werden muss, vergeht den Meisten das Lachen. Die Ersatzpatrone kostet fast so viel wie ein neuer Drucker. Wären da nicht die Fremdanbieter, hätte der Kunde keine andere Wahl als die Orginalkartuschen des Herstellers zu kaufen. Wettbewerb gibt es nämlich nicht: die Ersatzpratronen von HP passen nicht in den Brother-Drucker, die von Canon nicht in den von Epson. Selbst bei unterschiedlichen Modellen desselben Herstellers fehlt zum Teil die Kompatibilität, was für Verbraucher zu einem sehr unübersichtlichen Markt an Druckerpatronen mit marginalen Unterschieden führt.
Die Verbraucherminister der Länder setzen sich deshalb jetzt dafür ein, dass Patronen so standardisiert werden, dass sie in den Geräten verschiedener Hersteller passen. Auf ihrer Konferenz am Wochenende in Hamburg stimmten sie mehrheitlich einem Antrag Schleswig-Holsteins zu. "Die Bundesregierung ist jetzt gefordert darzustellen, wie die Kompatibilität von Druckerpatronen firmenintern und firmenübergreifend erhöht werden kann", sagte Staatssekretär Ralph Müller Beck (SPD). Das derzeitige Geschäftsgebaren der Hersteller benachteilige Verbraucher erheblich. Er forderte Wahlfreiheit.
Hochgerechnet 1000 Euro pro Liter
"Sicherlich müssen Unternehmen für ihre Innovationen und Produkte entsprechend bezahlt werden, aber Preise für Druckerpatronen die hochgerechnet 1000 Euro je Liter kosten, sind nicht zu rechtfertigen", so der Staatssekretär. Das sei nur möglich weil Verbraucher wegen der fehlenden Kompatibilität nicht auf Konkurrenzprodukte ausweichen können. Insbesondere durch technische Details wie verkapselte Patronen bis hin zu Patenten oder Sicherungs-Chips werde der Kauf von Originalpatronen erzwungen, bemängelt der Kieler. Gängig sei auch die Behauptung, dass das Nachfüllen der Patronen zu Schäden am Drucker führt. Teilweise würden Patronen mit einem Verfallsdatum ausgestattet und der Drucker stelle nach diesem Zeitpunkt seine Arbeit ein. Das kann zum Beispiel Benutzern passieren, die nur gelegentlich drucken oder regelmäßig die alte Originalpatrone mit billiger Fremdtinte auffüllen.
"Ich kann Verbrauchern deshalb nur raten, sich vor dem Kauf eines Druckers eingehend zu informieren. Wichtig ist nicht nur auf den Preis des Druckers zu schauen, sondern auch den Preis der Patronen zu bedenken", so der Staatssekretär.
Ein klassischer Fall von Mogelpackung
Verbraucherschützer begrüßten, dass sich die Minister endlich des leidigen Problems annehmen. Sie bemängeln zudem, dass viele Hersteller keine Mengenangabe auf die Verpackung drucken, sondern nur angeben, wie viele Seiten der Kunde mit der Patrone ungefähr drucken kann. Ob es sich dabei um "tintenfressende" Grafiken und Bilder oder nur einen kurzen Text handelt, bleibt ungewiss. Von außen kann der Kunde ohnehin die Menge nicht abschätzen. Die Tinte befindet sich in Schwämmen und die gibt es in diversen Größenvarianten in der immer gleichen Patronengröße. Ein klassischer Fall von Mogelpackung.
Gut zu wissen, dass die Fremdpatronen von Billiganbietern auch gute Dienste leisten. Mehrfach hat die Stiftung Warentest Original- und Fremdpatronen verglichen. Ergebnis: Mit fremden Patronen können bis zu 60 Prozent an Kosten gespart werden. Beispiel: Ein Farbfotoausdruck auf dem Drucker eines bekannten Markenherstellers kostet mit Originalpatrone rund 1,60 Euro. Nur 10 Cent zahlt man dagegen mit der Ersatz-Tinte. Zwar haben die Alternativpatronen nicht ganz die Qualität der Originale, dennoch könne man mit den meisten "gut" drucken, so die Tester.
Mancher Kunde glaubt übrigens, dass er die Gerätegarantie des Druckerherstellers verliert, wenn er günstige Tintenpatronen nutzt. Das stimmt nicht, sagt die Stiftung Warentest. Gewährleistung und Herstellergarantie hängen nicht von der verwendeten Druckertinte ab.

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