zur Navigation springen

Musikgeschichte : Wenn du glücklich bist: Sing!

vom

Das Glück ist vielfältig in der Welt der Musik. Wir haben uns auf einen Streifzug begeben.

In zahlreichen Liedern suchen Sängerinnen und Sänger weltweit nach dem Glück. Sie besingen Glückszustände, zum Beispiel, wenn sie verliebt sind, oder wünschen für sich oder ihre Zuhörer nicht nur ein kleines bisschen Frieden. Zwar wird auch oft das fehlende Glück beklagt. Die kölsche Frohnatur Willy Schneider kannte aber den Weg zum Glück auch in kummervollen Tagen.

Ausgerechnet in der Stadt, die sich wegen ihres Bieres Kölsch rühmt, sang der gebürtige Kölner Willy Schneider über Wein, und hatte damit auch noch seinen größten Hit. Anfang der Fünfzigerjahre intonierte er mit fester Stimme zu schmalzigen Geigen folgenden Text: „Schütt’ die Sorgen in ein Gläschen Wein. Deinen Kummer tu’ auch mit hinein. Und mit Köpfchen hoch und Mut genug, Leer das volle Glas in einem Zug! Das ist klug!“ Schließlich schlussfolgerte er: „Schließ die Augen einen Augenblick, denk an gar nichts mehr als nur an Glück.“ Wenn sich da beim Augenschließen mal nicht alles gedreht hat.

„Du bist mein Glück“ heißt ein Song von Matthias Reim.

„Du bist mein Glück“ heißt ein Song von Matthias Reim.

Foto: dpa
 

Überhaupt scheint das Glück (oder Unglück) der Sängerinnen und Sänger direkt mit dem jeweils anderen Geschlecht zu tun haben. „Du bist für mich der Mittelpunkt der Welt. Ein Magnet der mich fest an dir hält. Du bist für mich das schönste, was es gibt. Ich glaub ich hab‘ dich immer schon geliebt“, reimte Matthias Reim in dem Lied „Du bist mein Glück“. Damit war offensichtlich seine Herzensdame gemeint.

Dass „Das größte Glück der Welt“ der Lebensabschnittsgefährte oder die Lebensabschnittsgefährtin ist, davon ist auch das Duo Herzklang überzeugt. Etwas egoistischer ist sind die Volksmusikanten Die Mooskirchner. Die sechs Herren der Schöpfung singen in ihrem Lied „Männer haben Glück“ über den Körperbau einer gewissen Annett, den alle nett finden. Wer davon keine Ahnung haben will, hat Pech oder ist eine Frau: „Das sind Dinge, die nur Männer verstehen können“, heißt es bei den Mooskirchnern weiter.

Auch Herbert Grönemeyer hat dem Glück ein Musikstück gewidmet.

Auch Herbert Grönemeyer hat dem Glück ein Musikstück gewidmet.

Foto: dpa
 

Apropos Männer: Ein Spezialist auf diesem Gebiet ist Herbert Grönemeyer. Auch er hat ein Stück über das Glück geschrieben, das er einfach nur „Glück“ betitelt hat. Darin singt er: „Du bist ein Geschenk, seit ich Dich kenne, trag ich Glück im Blick.“ Er weiß es genau, denn „Männer brauchen viel Zärtlichkeit“, sang er schon in seinem Hit aus dem Jahr 1984.

Aber das Glück geht nicht immer nur von Frauen oder Männern aus. Es können auch Tiere sein, wie Nana Mouskouri in ihrem Chanson „Glück ist wie ein Schmetterling“ festgestellt hat. „Glück ist wie ein Schmetterling, es kommt zu dir und fliegt davon so wie ein bunter Luftballon, den man nicht halten kann“, heißt es darin.

Farin Urlaub: „Es ist egal, was du bist. Hauptsache es macht dich glücklich.“

Farin Urlaub: „Es ist egal, was du bist. Hauptsache es macht dich glücklich.“

Foto: dpa
 

Dass das Glück nicht von Menschen, Tieren oder Dingen abhängt, wird ebenfalls von philosophierenden Pop-Sängern propagiert. „Bist du Fleischermeister, studierst du Medizin. Bist du ein Zugereister oder kommst du aus Berlin. Bist du dominatrix oder doch eher devot. Bist du Pianistin oder Hubschrauberpilot“, beginnt Ärzte-Sänger Farin Urlaub in der ersten Strophe seines Lieds „Glücklich“, um dann im Refrain die Lebensweisheit kund zu tun: „Es ist egal, was du bist. Hauptsache es macht dich glücklich.“ Seinen Hörern gibt er noch den Rat mit: „Lass dir bloß keinen Scheiß andrehn. Das Leben ist schön.“

Wer glücklich sein möchte, der sollte begreifen, dass das Leben ist nicht nur schön, sondern auch humorvoll ist. Da kann man denn auf den Unbill, den der Alltag bereit hält, pfeifen. So wie die britischen Komiker von Monty Python, die gekreuzigt ihr Liedchen „Always look on the bright Side of Life“ trällern, oder Jürgen von der Lippe. Er sang 1987: „Guten Morgen, Liebe Sorgen, seid ihr auch schon alle da – Habt ihr auch so gut geschlafen? Na dann ist ja alles klar!“ Und auch wenn es ihn in dem Lied dahinrafft, so bleibt die positive Grundstimmung doch stets erhalten.

Das war anders bei der amerikanischen Pop-Gruppe Garbage, die 1995 textete: „I’m only happy when it rains. I feel good when things are going wrong.” (Deutsch: Ich bin nur glücklich, wenn es regnet. Ich fühle mich gut, wenn die Dinge falsch laufen.) Nun mag man annehmen, als US-Amerikaner hat man es nicht leicht. Doch die Schlussfolgerung ist nicht richtig. Der afroamerikanische Sänger Pharrell Williams landete vor vier Jahren einen Riesenhit mit „Happy“. Er war so dermaßen glücklich, dass er in dem Songtext Menschen auf der ganzen Welt aufforderte zu klatschen, wenn sie sich fühlten wie ein Raum ohne Dach, wie er es in dem Lied sang.

Was Glück für sie bedeutet, das ließ die Band Silbermond Menschen von der Straße in dem Video zu ihrem Stück „Himmel auf“ sagen. Damit gelang dem Quartett aus Bautzen ein Coup. Nicht die oft romantisierte Sicht der Liedtexter gibt wieder, was Glück ist, sondern diejenigen, an die diese Lieder sonst gerichtet sind. So empfindet ein alter Mann Glück, „wenn die Sonne scheint.“ „Wenn man frei ist“, meint dagegen eine junge Frau. „Wenn man sich wünscht, den Moment festhalten zu können“, sagt ein Feuerwehrmann poetisch.

„Sechs Richtige im Lotto“, sagt ein Mann. „Ganz bestimmt nicht Geld“, hält eine Frau an einem Strand dagegen. „Eine ordentliche Arbeitsstelle“, ist für eine junge Frau die Essenz des Glücks. Und ein Mann vor seinem Eigenheim sagt: „Wenn man seine Rechnungen bezahlen kann.“ Ein älterer Herr in einer Plattensiedlung meint, Glück sei, „wenn man sich mit der Frau nicht so viel zankt“. „Mut zum weiterleben“, sagt eine alte Frau. Und ein Wirt sagt mir rauer Stimme: „Wenn meine Tochter noch leben würde.“ Am Ende des Videos heißt es schließlich dann auch mehrere Male: „Glück ist Leben.“

Was glücklich macht, und was Glück ist, liegt also häufig im Auge des Betrachters. Beeinflussen kann man es nicht immer. So textete der Rapper Curse: „Und ich werf’ dir die Münze des Glücks, manchmal ist das Leben verrückt.“

 
zur Startseite

von
erstellt am 26.Feb.2017 | 01:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen