Wenn die Chemie stimmt : Was passiert eigentlich, wenn wir glücklich sind?

Wir spüren es im ganzen Körper, doch Glück findet vor allem im Gehirn statt. Welche Hormone dafür verantwortlich sind, was sie mit unserem Körper anstellen und warum wir nicht ununterbrochen glücklich sein können.

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07. März 2017, 00:00 Uhr

Ein Treffen mit dem Partner, ein gutes Essen, Erfolg im Job, der Sieg der Lieblingsmannschaft oder auch ein Stückchen Schokolade: Die Dinge, die uns glücklich machen, können ziemlich unterschiedlich sein – genau wie das, was wir dabei empfinden. Bei den einen kribbelt es im Bauch, das Herz klopft schneller, und sie fangen an zu lachen, andere werden von einer Hitzewelle überrollt, und ihnen steigen vor Freude die Tränen in die Augen. Was während dieser Glücksgefühle im Körper passiert, ist jedoch bei jedem von uns gleich.

Im Mittelhirn liegt bei jedem von uns das Belohnungszentrum, das aus einer Ansammlung von Neuronen besteht, die elektrische Signale aufnehmen und weiterleiten. Wenn etwas passiert, das besser ist als vorher erwartet, stößt unser Belohnungszentrum das Glückshormon Dopamin aus, das über Nervenzellen in das Vorder- und Frontalhirn weitergeleitet wird. Die Auswirkung: Unser Gehirn funktioniert besser, wir sind aufmerksamer, verarbeiten die Informationen des vorangegangenen Ereignisses und lernen so, was gut für uns ist. Dopamin ist somit hauptsächlich für Vorfreude verantwortlich. Es bringt uns dazu, immer wieder die Dinge zu tun, die uns erfreuen.

Neben dem Botenstoff Dopamin produziert unser Körper aber noch weitere Glückshormone. Serotonin beispielsweise wirkt sich positiv auf unser Schmerzempfinden und Schlafverhalten aus und hat außerdem eine erhellende Wirkung auf unsere Gemütslage. Ohne Serotonin sind wir schlecht drauf, vielleicht sogar ängstlich oder depressiv. Unsere Nervenzellen können Serotonin selbst produzieren. Dafür brauchen sie neben Tryptophan, das in vielen Lebens-mitteln (wie zum Beispiel in Kartoffeln und Nudeln) steckt, auch jede Menge Licht.

Außerdem wäre da noch das Noradrenalin, das unseren Aufmerksamkeitsgrad steuert und unsere Motivation steigern kann. Es wird vor allem in geistigen oder körperlichen Stresssituationen ausgeschüttet. Oxytocin hingegen stärkt das Vertrauen und fördert soziale Bindungen. Bekannter sind aber wohl Endorphine, die auch als körpereigene Opiate bezeichnet werden und den Körper in eine Art Rauschzustand versetzen können. Bei starken Verletzungen wirken sie als körpereigenes Schmerzmittel, beim Sport mindern sie die Erschöpfungssymptome. Außerdem regulieren Endorphine auch noch unser Hungergefühl und die Produktion von Sexualhormonen.

Unser Gehirn sorgt aber nicht nur für die Produktion verschiedener Glückshormone, sondern auch dafür, dass das Glücksgefühl nach einiger Zeit wieder abflaut. Es ist ganz einfach nicht dafür gemacht, andauernd glücklich zu sein. Schon Ende der 1950-er Jahre fand der Psychologe James Olds in einem Test mit Ratten heraus, dass die Tiere die Stimulation eines bestimmten Gehirnareals mögen. Sie konnten ihr Belohnungszentrum selbst via Knopfdruck stimulieren –und drückten besagten Knopf immer wieder, bis sie vor Erschöpfung beinahe gestorben wären. Für sie zählte nur noch der „Kick“. Essen, trinken, schlafen? Völlig uninteressant.

Es ist also gar nicht so schlecht, dass unser Freudentaumel auch wieder abflaut – sonst würde es uns vermutlich genauso ergehen wie den Ratten aus dem Experiment. Trotzdem suchen wir natürlich immer wieder nach Wegen, Glück zu erleben – und das so oft wie es geht. Dafür braucht es immer wieder auch neue Situationen und Umstände, Gewohnheit ruft nämlich keine großen Glücksgefühle in uns hervor. So hat es aber am Ende auch etwas gutes, dass uns das dauerhafte Glück verwehrt bleibt: Wir befinden uns ständig auf der Suche nach etwas Neuem, probieren was aus und lernen dazu!

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