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Horizont erweitern : Vom Glück, auf Reisen zu gehen

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Interessante Begegnungen, neue Erfahrungen, andere Perspektiven: sh:z-Reiseredakteurin Reinholde Christiansen sucht und findet das Glück in fernen Ländern.

shz.de von
erstellt am 09.Feb.2017 | 12:34 Uhr

Eines der schönsten Bücher für Viel- und Fernreisende ist „Mrs. Mortimers übellauniger Reiseführer“ über „Die scheußlichsten Länder der Welt“. Keine Hochglanzbilder, keine detaillierten Reisetipps, keine Hotelempfehlungen schmücken dieses kuriose Werk der englischen Autorin Favell Lee Mortimer, die um 1850 über fremde Länder schrieb, ohne jemals dort gewesen zu sein. Ihr Wissen hatte sie einzig aus Nachschlagewerken. Und so schrieb sie zum Beispiel über Deutschland: „Die Deutschen trinken nicht oft Tee und wissen auch nicht, wie man ihn zubereitet“. Und über Island: „Ich glaube, es würde Ihnen bald übel werden, gingen Sie in Island in die Kirche“.

Wie so ganz anders wir uns heute doch durch die ganze Welt bewegen können, um eigene Erfahrungen zu machen und fremden Menschen in ihrer Heimat zu begegnen. Dafür muss man vor Ort allerdings die Hotelanlage und den Pool verlassen.

<p>Strandidylle auf La Digue, der viertgrößten Insel der Seychellen. </p>

Strandidylle auf La Digue, der viertgrößten Insel der Seychellen.

Foto: Reinholde Christiansen
 

Für mich ist das Reisen auch Beruf, und so denke ich nicht nur an traumhafte Landschaften, sondern vor allem an persönliche Begegnungen: In Oslo treffe ich den Direktor des Nobel-Instituts, der nicht nur durch sein Haus führt, sondern auch Hintergründiges zur Auswahl der Friedensnobelpreisträger erzählt. Auf Island ist es die Hebamme, die aus Deutschland stammt und von ihrem aufregenden, manchmal beschwerlichen Leben auf der Lava-Insel spricht. Auf den Seychellen grillen wir im Garten eines Malers den frischesten Fisch mit seiner Familie und Freunden, dazu wird Musik gemacht. In Irland geht es zu wundervollen Gartenanlagen, deren Besitzer mangels Personal und manchmal auch Geld selbst das Unkraut jäten und durch ihre Schlösser und Herrenhäuser führen. In Frankreich lässt uns ein Ziegenzüchter leckeres Eis probieren, das er aus der Milch seiner Tiere herstellt. Oder der kreative Winzer auf der dänischen Insel Bornholm. Und, und, und...

All diese besonderen Begegnungen mit Menschen, die ich nie getroffen hätte, wäre ich wie Mrs. Mortimer nur zu Hause geblieben, empfinde ich nicht nur als großes Glück, sondern bin dankbar, dass alle mir – wenn auch nur einen kurzen – Einblick in ihr Leben gewährt haben.

 

 

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