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Eine Yoga-Lehrerin und ihr Weg zum Glück : Körper und Geist im Einklang

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In ihren Kursen versucht Marita Hamann, den Teilnehmern zu zeigen, wie sich gesunde, positive Energien freisetzen lassen. Ihr selbst hilft Yoga dabei, immer wieder die eigene Mitte zu finden.

shz.de von
erstellt am 08.Feb.2017 | 11:42 Uhr

Die junge Mutter kommt zu spät. Ihr Baby, ein vier Monate altes Mädchen, legt sie ganz lässig auf eine Decke, dann rollt sie ihre Yoga-Matte aus und steigt sofort in die Aufwärmphase ein. Es geht ums Dehnen, Atemübungen, Zentrieren. Arme und Beine werden gestreckt, der Oberkörper gebeugt. Meditative Töne perlen aus einem Player, Marita Hamann stimmt die Teilnehmerinnen ihres Kieler Yogakurses auf die kommende Stunde ein. „Stell dir vor, du atmest Ruhe und Gelassenheit ein“, sagt die Leiterin, und weiter: „Verbrauchte Energie verlässt den Körper mit dem Ausatmen.“ Es geht darum, positive Energie freizusetzen.

Die Frauen, das bestätigt auch Teilnehmerin Mirja (29) später, sind hier, weil sie die einzigartigen Effekte dieses Sports auf Körper und Geist schätzen: „Ich werde ruhiger, aber gleichzeitig fühle ich mich vital“, beschreibt Mirja. Man könnte auch sagen: In der Ruhe liegt die Kraft. Und wie zum Beweis klinkt sich die junge Mutter mitten in einer Übung kurz aus, als die Tochter quengelt. Sie stillt sie, ganz ruhig, während die anderen weitermachen. „Ach, ist das schön“, sagt Marita Hamann zu ihr und lächelt. „Du bist ja so entspannt.“ 

Schnell geht’s wieder weiter im Programm. Mal korrigiert sie die Beckenhaltung, mal die Atmung. Mit Yoga-Übungen, Pilates-Elementen und dem derzeit so angesagten Faszien-Training mit speziellen Rollen – es soll Verklebungen und Entzündungen im Gewebe vorbeugen – mixt Marita Hamann für ihre Teilnehmerinnen ein sanftes, aber intensives Fitness-Workout.  Die Yoga-Lehrerin kennt die Frauen beim Namen, nicht selten erfährt sie im Austausch auch von deren Herausforderungen im Leben – oder gibt Lebens-Weisheiten weiter. Eine wie diese: „Man sollte Fröhlichkeit nicht mit Zufriedenheit verwechseln.“

Mit dem Unterricht in Kiel oder auch Eckernförde, wo sie seit kurzem lebt, bringt sie ihren Teilnehmerinnen bei, sich selbst körperlich zu fordern, aber immer auf Signale der Überforderung wie Schmerz zu achten. Wichtig ist für Hamann, die eigene Mitte zu finden. Die  Kraftquelle, die man auch mit Hilfe der Übungen entdecken könne. Authentisch zu sein. „Das muss aber jeder für sich selbst finden“, sagt Marita Hamann. Dazu gehöre es auch, eigene (körperliche) Grenzen zu akzeptieren.

Die innere Ruhe ist so etwas wie der Ausgleich zu Marita Hamanns bewegtem Leben.  Die 59-Jährige hat beruflich immer wieder unterschiedliche Wege eingeschlagen, oft spontan und nach ihrem Bauchgefühl entschieden und immer wieder Veränderungen gesucht („Dahinplätschern geht nicht“). Auch im Privatleben hat sie nicht nur Höhen, sondern auch Tiefen erlebt. Ein schwerer Autounfall. Der Verlust ihrer großen Liebe, die nach zwei Jahren Beziehung verstarb. Sie hat allein einen Sohn großgezogen, der heute  in der Ausbildung zum Augenarzt ist. Stolz ist sie auf ihn, besonders, weil sie selbst ihr Ziel, Ärztin zu werden, nicht erreicht hat. Marita Hamann wurde Kinderkrankenschwester. Doch sie entdeckte auch das Reisen durch einen längeren Aufenthalt in Australien. Sie schlug den Weg der Touristik-Fachfrau ein, lebt heute davon Reisen zu verkaufen. Ihr Weg zum Glück war es auch, die Chancen für Veränderungen zu erkennen.

Yoga ist dabei für sie zum langjährigen Begleiter geworden. „Es macht mich unabhängig,  ist eine Kraftquelle, auf die ich jederzeit zugreifen kann“, sagt Marita Hamann. Ob bei ihrer Arbeit in der Karibik auf einem Schiff vor vielen Jahren oder bei einer Reise nach Hawaii. Der Unterricht zu Hause wiederum erfüllt Marita Hamann auch auf andere Weise: „Weil ich anderen etwas Gutes tun kann“, sagt die zierliche, aber muskulöse Frau, die sich auch für Flüchtlinge engagiert.

Ist sie also glücklich? Marita Hamann denkt nach. Aber nur kurz: „Ja, ich bin glücklich.“ Manchmal seien es die kleinen Glücksmomente, wie am Morgen die rote Sonne zu sehen. Doch mit ihrer Haltung kann es mit dem Glücklichsein auch mehr als eine Momentaufnahme werden. Ihr Credo: „Ich nehme mir heute vor, glücklich zu sein. Ich akzeptiere, wenn nicht alles so läuft. Aber es verändert meinen Zustand nicht.“

 
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