Ausgezeichnet : Glücklich ohne Grenzen in den Köpfen

<p>Machen einen Film zum Thema Glück: Navid, Kemiab, Behzad, Samir, Afsaneh mit Filmemacher Claus Oppermann.<strong /></p>
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Machen einen Film zum Thema Glück: Navid, Kemiab, Behzad, Samir, Afsaneh mit Filmemacher Claus Oppermann.

Filmprojekt in Neumünster führt jugendliche Flüchtlinge zusammen.

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01. März 2017, 01:00 Uhr

Ein Junge sitzt im Klassenraum. Dunkle Haare, kariertes Hemd, in sich gekehrt. Er spielt Gitarre, summt dazu eine Melodie aus seiner Heimat Afghanistan. Ein Mädchen betritt den Raum. Lange Haare, Jeans, etwas schüchtern. Sie lauscht, erkennt die Melodie, lächelt, setzt sich neben ihn und summt mit. Ein Augenblick des Glücks. So empfinden es die Jugendlichen, die den aktuellen Filmkursus mit Filmemacher Claus Oppermann an der Walter-Lehmkuhl-Schule (WLS) in Neumünster besuchen. Es ist eine Szene aus dem Film, den sie zum Thema Glück machen.

Jeden Dienstagnachmittag treffen sich dafür acht, neun junge Menschen aus Syrien, Afghanistan, Iran, Irak, Türkei und Eritrea. Der Filmkursus ist einer von verschiedenen Kursen, die die WLS seit dem vergangenen Jahr in Zusammenarbeit mit dem Kulturbüro Neumünster, gefördert vom Bildungsministerium, für DaZ-Schüler beziehungsweise jugendliche Flüchtlinge anbietet. Andere Kurse sind Theater, Musik, HipHop oder Radio. Claus Oppermann leitet die Filmkurse. Der erste während des vorangegangenen Kurses entstandene Film mit dem Titel „Der 32. Tag“ hat sogar zwei Preise gewonnen. „Aber es geht nicht in erster Linie um Wettbewerbe und Preise“, stellt Claus Oppermann klar. „Sondern um die Vermittlung von Kultur, Partizipation, Teamarbeit und die Vertiefung der deutschen Sprache.“ Es sei toll zu sehen, wie die Jugendlichen miteinander interagieren, miteinander sprechen und miteinander arbeiten, findet er. „Wenn man sich auf der Weltkarte ansieht, wie die Länder miteinander umgehen. Hier läuft es ohne Grenzen in den Köpfen ab.“

 Die Aufgabe, Filme mit geflüchteten Jugendlichen zu machen, empfindet Claus Oppermann als echten Glücksfall. „Man sieht, wie sehr sich diese Schüler aufgehoben fühlen, wie sehr sie sich die deutsche Sprache aneignen und wie wichtig es ist, diesen jungen Menschen eine Perspektive, Hoffnung und einen Platz zu geben. Wir hoffen sehr, dass dieses Programm fortgesetzt wird.“

Heute sind sie zu fünft: Navid und Kemiab, beide 17, kommen aus dem Iran, Behzad (17), Samir (18) und Afsaneh (19) aus Afghanistan. Sie alle leben bereits über ein Jahr lang in Deutschland, sprechen schon recht gut Deutsch. Über das, was hinter ihnen liegt, spricht kaum einer von ihnen. Doch wenn sie Geschichten erzählen und in bewegte Bilder umsetzen, entdecken sie großes Potential, um Ideen, Erlebnisse, Alltag, Träume und persönliche Geschichten an andere zu vermitteln. Der Film wird eine Mixtur aus zwei Genres sein. Kleine szenische Episoden wechseln sich ab mit Interviews zum Thema Glück. Dafür sind sie herumgelaufen in der Schule und haben den Hausmeister, den Direktor und Schüler befragt, was ihnen Glück bedeutet.

Der zehnminütige Kurzfilm wird im März fertig sein und in der Schule gezeigt werden. Die Jugendlichen sind stolz. „Wir arbeiten alle zusammen, jeder bringt seine Ideen ein“, erzählt Navid begeistert. „Und wir lernen, wie Kamera, Ton und Klappe funktionieren“, fügt Afsaneh hinzu. Wenn man die Jugendlichen fragt, was für sie Glück ist, nennen sie Freundschaft, Arbeit, Liebe, Gesundheit, ein deutscher Pass, Gemeinschaft, Musik, Mensch sein, Geduld, Lachen, Zukunft, Helfen, Spaß und Warmherzigkeit. „Vor allem gute Bedingungen“, merkt Afsaneh an. „Frieden, Freunde und Dinge einfach machen zu können. Wenn man gute Bedingungen hat, kann man alles machen.“ Wo bei ihrer Ankunft in Deutschland noch Ängste, schlimme Träume, Niedergeschlagenheit und Einsamkeit überwogen, scheinen sie heute angekommen. Navid und Kemiab bestätigen das: „Wir haben das Gefühl, hier in Deutschland glücklich werden zu können.“

 
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