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Neues Glücks-Magazin : Glücklich ohne Auto: Slow Motion für die Seele

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Ohne Auto geht es besser voran, finden Eveline und Boje Maaßen aus Flensburg.

Flensburg | Der erste war ein rostiger alter Käfer mit Loch im Bodenblech, der letzte ein neuer schwarzer Polo. Dazwischen ein jahrzehntelanger Reifungsprozess. Genau weiß er’s nicht mehr, aber irgendwann im Jahr 2009  stellte Boje Maaßen sein nagelneues Auto bei einem benachbarten Speditionsbetrieb in der Absicht ab, es nie wieder zu benutzen. Dabei ist es geblieben. Ohne Auto, finden Boje Maaßen (77) und Frau Eveline (77), kommen sie einfach besser voran.

Ganz überraschend kam das nicht. Boje Maaßen war Ende der 70er Jahre Mitbegründer, Anführer und Spitzenkandidat der Grünen Liste Schleswig-Holstein, eine der Stammzellen der heutigen Bündnisgrünen. Später, als Erziehungswissenschaftler an der Universität Flensburg und als Fachautor, hatte sich Maaßen intensiv mit dem Thema „Eigenbewegung und Sinnlichkeit“ beschäftigt. Seine Arbeit zu diesem Thema gilt in der deutschen Pädagogik als grundlegend.

Wie der theoretische Überbau auf der Spielstraße nebenan in der Praxis  funktioniert,  können die Nachbarn des Ehepaares im ländlich geprägten Flensburger Ortsteil Tarup täglich vor der Haustür betrachten.

Unterwegs zur Bushaltestelle, mit dem Trolley auf  dem Weg zum drei  Kilometer entfernten Supermarkt, auf Radtour in die ländliche Umgebung. Was sie nicht sehen, sind die beiden als Europareisende. Boje und Eveline Maaßen sind gerne unterwegs und zwar mit der Bahn. „Auch als wir ein Auto hatten, wurden es im Jahr nie mehr als 3000 Kilometer“, sagt der Dozent im ständigen Unruhestand.

Eine Beschränkung? Nein, meint Maaßen. Der  Verzicht auf motorgetriebene Auto-Mobilität hat neue Momente erschaffen, und auf die wollen beide Eheleute nicht verzichten. „Bewegtwerden durch eigene Bewegung ersetzen erschließt neue Welten“, behauptet er. Ganz kleine, manchmal. Etwa die Rückmeldung des Untergrunds an den Körper beim Gehen, optisch die  Umwelt entlang des Weges, soziale Momente, Sinneserfahrungen,  Gespräche mit Fremden, Erfahrungen,  die so völlig isoliert im Automobil unmöglich sind. „Da flüchtet die Welt vorbei, ist das Auto ein Kontaktvernichter. Nur über Eigenbewegung können wir uns ins Leben weben“, das ist seine Überzeugung.

Ein Begrenzung ist der selbstgewählte Lebenszuschnitt nicht. „Slow Motion“ für die Seele eröffnet vielmehr ungewöhnliche Horizonte, davon sind beide überzeugt. Ob’s als Glücksgarant taugt – da ist Maaßen eher skeptisch. „Glückstheorien halte ich für Unsinn. Glück ist wie Quecksilber. Das kann man nicht erzwingen. Es ist besser, wach zu sein für das Schöne.“

 
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erstellt am 24.Feb.2017 | 01:00 Uhr

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