Einladung zum Umdenken : Glück ist für alle da

Gina Schöler möchte das Glück unter die Menschen bringen.
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Gina Schöler möchte das Glück unter die Menschen bringen.

Wie das Ministerium für Glück und Wohlbefinden das „Bruttosozialglück“ steigern möchte.

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02. März 2017, 01:00 Uhr

Ministerien gibt es einige in Deutschland. Sigmar Gabriel leitet das Auswärtige Amt. Ist gerade neu, daher bekannt. Dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) steht Dr. Wolfgang Schäuble vor. Wer ist Bundesminister für Gesundheit? Schon schwieriger - Hermann Gröhe. Aber wer leitet das Ministerium für Glück und Wohlbefinden, kurz MfG? Und: Gibt‘s das überhaupt?

Klar – und das schon seit Ende 2012. Ministerin ist heute Gina Schöler. Selbsternannt – wohl gemerkt. Aber zu Recht in Amt und Würde. War sie doch eine von neun Studenten an der Hochschule Mannheim, die zusammen in einem Team im November 2012 die Kampagnenidee des „Ministeriums für Glück und Wohlbefinden“ an der Fakultät für Gestaltung, Masterstudiengang Kommunikationsdesign, mitentwickelte. „Es sollte eine Kampagne sein, die im weitesten Sinne in den Köpfen der Menschen etwas ins Rollen bringt und einen Wertewandel in der Gesellschaft anstößt“, erinnert sie sich. „Es ging dabei um folgende Fragen: Wie wollen wir als Gesellschaft leben? Wie wollen wir als Individuum leben? Welche Werte haben wir als Gesellschaft? Was macht uns im weitesten Sinne glücklich?“

Im Laufe des Brainstormings stieß man auf den kleinen Himalaya-Staat Bhutan, in dem das Konzept des „Bruttonationalglücks“ die Politik des Landes bestimmt. Alle zwei Jahre führt eine staatliche Kommission eine ausführliche landesweite Glücksumfrage durch und stellt dann das „Bruttonationalglück“ dem Bruttosozialprodukt gegenüber. Nicht das wirtschaftliche Wachstum steht über allem - der Wohlstand wird am Wohlbefinden der Bevölkerung gemessen. So kam das Studententeam auf die Idee, in Deutschland ein Ministerium für Glück und Wohlstand zu initiieren, auch als eine bewusst provozierende Metapher für die Glücksdebatte, die man lostreten wollte.

Heute zieren ein leicht veränderter „Bundesadler“, die Farben schwarz, rot, gold sowie ein seriöser Schriftzug das Logo des „Ministeriums für Glück und Wohlbefinden“. Was als Studienprojekt begann, stellt sich 2017 als ein multimediales, interaktives und vielfältiges Kunstprojekt dar, „um Menschen kreativ und spielerisch dazu zu animieren, sich mit den wichtigen und nachhaltigen Themen wie Glück und Lebensqualität auseinanderzusetzen“, so Gina Schöler, die von dem Thema so gepackt und tief berührt wurde, dass sie nicht nur ihre Masterarbeit dazu verfasste, sondern daraus auch ihren Beruf machte.

Seit Anfang 2014 ist sie hauptberuflich als Glücksministerin aktiv – und unterwegs. „Spannende Kooperationen mit Experten und Glückswissenschaftler, freche Street-Art-Aktionen, Picknickflashmob, Kinoabende, Impulsvorträge, Diskussionsrunden, Straßenumfragen, bundesweite und interaktive Aktionen, Glücksworkshops an Schulen, offene Workshops“ (Schöler) und vieles mehr prägen ihren abwechslungsreichen Arbeitsalltag als Ministerin. Alles, um das „Bruttosozialglück“ in Deutschland zu steigern.

Dabei ist stets das Ziel, in den Köpfen und Herzen der Menschen etwas spielerisch-kreativ zu bewegen, etwas mitreißend-locker loszutreten, etwas wohltuend-ehrlich anzustoßen. Was macht einen glücklich? Doch nicht nur das „darüber Nachdenken“ ist wichtig, sondern vor allem auch das daraus sich entwickelnde „aktiv Werden“.

„Das Glück kommt nicht an und klopft an deine Tür, während Du im stillen Kämmerlein sitzt und darauf wartest“, sagt Gina Schöler. „Manchmal muss man aus der oft gemütlichen Komfortzone heraus und etwas wagen, ja, auch sogar etwas riskieren, um etwas gewinnen zu können.“ Das MfG versteht sich also eher als Impulsgeber, der über verschiedene Kanäle und Aktionen Inspirationen in den Alltag der Menschen bringt. „Anhand von spielerischen, alltagsnahen Beispielen und Aktionen möchten wir gemeinsam Konzepte und Ideen entwickeln, wie diese wichtigen Themen und Fragen medial und vor allem in der Bevölkerung – online und offline – verankert werden können und somit aufgezeigt werden kann, dass Umdenken Spaß macht und jeder dazu eingeladen ist, mitzumachen“, heißt es in der Selbstdarstellung des MfG.

Was macht uns glücklich? Was muss sich ändern? Und was können wir dafür tun?  - das sind die drei wesentlichen Fragen, die im Mittelpunkt der verschiedenen Workshops stehen, die Gina Schöler für Unternehmen, deren Mitarbeiter und Führungskräfte sowie für Schulen und Privatleute anbietet. Aber auch Impulsvorträge, kreative Werkstätten, Umfragen, Aktionstage, „Happynings“ oder regelmäßige Seminare können Veranstalter, (Bildungs-)Einrichtungen oder Städten und Gemeinden bei ihr buchen.

In Schulen arbeitet die Glücksministerin mit einer Schulpsychologin unter dem Motto „Creactivity – Das Leben gestalten“ zusammen und veranstaltet deutschlandweit Projekttage oder Tagesworkshops zum Thema „Glück und Lebensfreude“. Für Privatleute gibt es darüber hinaus das offene Workshopformat „redesigned YOU – Das eigene Glück finden und gestalten“, in dem ihr ein Design Thinking Coach zur Seite steht und in dem mit kreativen Herangehensweisen versucht wird, das persönliche Glück der Teilnehmer greifbar und erlebbar zu machen.

„Glück ist für mich Bewegung – im Sinne von Veränderung“, sagt Gina Schöler. „Alles ist im Wandel, alles verändert sich gefühlt immer schneller um uns herum, und die Kunst liegt darin, dies anzunehmen und im Guten für sich zu nutzen, Chancen zu erkennen und wahrzunehmen. Alles ist im Fluss – und das macht es spannend.“

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