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Wo man die Stille hören kann : Die Frau, die die Hallig lebt

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Katja Just hat die Großstadt München hinter sich gelassen und ihre neue Heimat auf Hooge gefunden. Hier gibt sie ihr Glück an ihre Feriengäste weiter, die sich am Landsende in die Hallig-Entschleunigung begeben.

Hooge ist eine der zehn „Perlen der Nordsee“ oder „schwimmende Träume“, wie Theodor Storm die Halligen einst nannte. Echte Urlaubsparadiese für geplagte Großstadtseelen. Manche bleiben sogar für immer. So wie Katja Just. Das Münchner Kindl ist seit 16 Jahren eine Hallig Deern und hat auf Hooge ihre Heimat gefunden. Zwölf Monate im Jahr, winters wie sommers. Es ist die Erfüllung eines Herzenswunsches gegen alle Vernunft. Auf der Ockenswarft, unter dem Reetdach einer denkmalgeschützten rund 300 Jahre alten Kate, steht ihr „Haus am Landsende“, in dem sie zwei Ferienwohnungen betreibt. Ihre Gäste kommen zu jeder Jahreszeit. „Ich kann das verstehen“, sagt die 41-Jährige. „Ich bin auch gerne im Winter hier. Alles wird ruhiger, so schön entschleunigt.“  Lange Spaziergänge, stundenlang aufs Wasser schauen, die Wintervögel beobachten – das suchen die Gäste jetzt auf der Hallig. Dinge, die auch Katja Just genießt. „Hier kann man die Stille noch hören. Herrlich!“, sagt sie und strahlt. „Ich werde mir das nie überhören, das holt mich immer wieder runter.“

Ihre Eltern hatten das alte Reetdachhaus entdeckt, damals noch mit nur einer Ferienwohnung ausgestattet. Katja Just ist Anfang 20, als es heißt: Du, wir können auf Hooge ein Haus kaufen. Wollen wir? Ja, klar! Alles geht jetzt ganz schnell. Ende 1995 kaufen die Eltern die Kate, ziehen endgültig gen Norden. Sie bauen ein zweites Appartement aus, sorgen für neue Gauben im Dach, renovieren, wo es nötig und machbar ist und legen einen traumhaften Bauerngarten an. Katja Just folgt ihnen dann im Jahr 2000. In der bayerischen Hauptstadt hinterlässt sie den guten Job bei der Lufthansa und – ihr Motorrad. „Das ist mir am schwersten gefallen“, gesteht sie. „Motorradfahren war für mich einfach der Inbegriff von Freiheit.“ Aber mit einer 1000er BMW kann man auf Hallig Hooge nun wirklich nichts anfangen. Und der Herzenswunsch, auf der Hallig zu leben, war stärker. Für die große Freiheit des Motorradfahrens hat sie eine neue Freiheit gewonnen. Mitten in der Nordsee, fern jeder Großstadt.

Seit 2004 ist sie alleine auf der Hallig. Alleine mit dem alten Haus am Landsende, mit neuen oder auch immer wiederkehrenden Gästen. „Ich kann nur feststellen: Die Welt kommt nach Hooge. Ich lerne hier so viele neue Menschen kennen.“ Wie schafft sie selbst es zu entschleunigen? „Ich setze mich auf den höchsten Punkt meiner Auffahrt, trinke meinen Milchkaffee und schaue manchmal ein oder zwei Stunden nur aufs Meer, höre den Vögeln zu, denke einfach mal an gar nichts. Eine kostbare Zeit, die ich mir, wann immer es geht, versuche zu nehmen.“

In einigen Momenten ist sie auf der Hallig auch nach 15 Jahren noch die Zugereiste, dann wieder die Hoogerin. Das wechselt. Das schönste Kompliment hat Katja Just von einem Halligbewohner bekommen. „Du lebst die Hallig!“, sagte er zu ihr. Weil sie das ganze Jahr bleibt und nicht im Winter geht, wie so viele. Würde sie die Entscheidung, auf die Hallig zu gehen, wieder treffen? „Ja! Auf jeden Fall“, sagt Katja Just. „Hooge ist im Dornröschenschlaf und es erwacht so langsam, hat mal ein Gast von mir gesagt. Und ich bin dabei. Das finde ich ganz toll.“

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erstellt am 28.Feb.2017 | 01:00 Uhr

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