zur Navigation springen

Zuhause am Meer : Der Zauber einer Insel

vom

Von der Hauptstadt an die Nordsee – die Berliner Großstadt-Göre Julia Nieß findet Job, Mann und ihr Glück auf Sylt.

shz.de von
erstellt am 08.Feb.2017 | 11:42 Uhr

<p>Der feinsandige Strand - hier der Dünensteg bei Wenningstedt - zählt zweifellos zu Sylts zahlreichen Glücksfaktoren.</p>

Der feinsandige Strand - hier der Dünensteg bei Wenningstedt - zählt zweifellos zu Sylts zahlreichen Glücksfaktoren.

Foto: Sylt Marketing
 

Niemals hätte ich erwartet, dass gerade ich auf einer Insel wie Sylt mein Glück finden würde. Ich surfe nicht, habe sogar eher ein bisschen Angst vor dem Meer, habe mit der Schickeria, die sich auf dieser Insel angeblich so wohl fühlt, nix am Hut, lange Strandspaziergänge finde ich eher erschöpfend als erholend, und in der Anonymität einer Großstadt habe ich mich immer wohler gefühlt als in einem engen Dorfverbund.

Vor drei Jahren verschlug es mich dennoch hierher. Vier Monate waren geplant – für einen Studentenjob in der Gastronomie. Heute sage ich, es ist für immer – für die Liebe. „Bist Du sicher, dass es der Mann ist und nicht die Insel, weswegen Du bleiben willst?“, fragte mich eine Freundin mit ernster Miene, nachdem ich meinen permanenten Umzug aus der Großstadt angekündigt hatte.

Die Frage war berechtigt: Die Insel hatte mich Berliner Großstadt-Göre vom ersten Moment an, als ich mit einem Koffer aus dem Zug in Westerland stieg, verzaubert. „Hier könnte ich gut leben“, schoss es mir sofort durch den Kopf, als der frische Nordseewind am Bahnhof meine Haare zerzauste und mein Kleid zum Wehen brachte. Und da hatte ich noch nicht einmal das Meer und den langen Strand gesehen, hatte noch nicht in ein frisches Fischbrötchen gebissen oder meine neuen, tollen Freunde kennen gelernt. Alleine das Rauschen des salzigen Windes sagte mir: Hier könntest du glücklich werden.

Seitdem ist viel passiert: Ich habe mich verliebt, viele neue Menschen kennen gelernt, habe einen neuen Beruf gefunden und ein Zuhause. Ich lebe in einem Dorf und habe die Vorteile, die diese Gemeinschaft mit sich bringt, kennen und schätzen gelernt. Ich gehe im Sommer viel ins Meer – auch wenn ich nicht weit hinaus schwimme und wenn andere zum großen Strandspaziergang aufbrechen, setze ich mich mit einem Buch ans Meer und spiele mit den Füßen im Sand.

Mit der Schickeria habe ich übrigens immer noch nix am Hut – denn wie ich gemerkt habe, bildet sie nur einen kleinen Teil auf dieser sonst sehr normalen und doch so besonderen Insel, die für mich nie ihren Zauber verloren hat: Manchmal, wenn ich länger nicht am Strand war, stockt mir beim ersten Blick auf das Meer immer noch der Atem. „Das ist jetzt real, hier lebst du“, muss ich mir dann manchmal laut sagen, damit ich es begreife.

Dass dieser Zauber nicht alle in seinen Bann zieht, merkte ich schnell an den teilweise heftigen Reaktionen, die ich auf meinen Umzug erhielt: „Sylt? Da könnte ich nicht leben“, hörte ich nicht nur einmal, vor allem von Menschen, die noch nie hier waren. Aber vielleicht hätte ich das früher auch gesagt, bevor der Wind mir am Bahnhof meine Zukunft flüsterte. Meine Antwort ist heute übrigens immer die gleiche: „Das Schöne ist ja, dass ich hier glücklich werden wollte, und das bin ich aus ganzem Herzen.“

<p>Julia Nieß</p>

Julia Nieß

Foto: Stefan Gatzke
 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen