Omen, Plage oder Willkür : Zeichen der Natur deuten: Weshalb Gewittertierchen bei Unwetter auftauchen

<p>In schwüler Gewitterluft sind sie plötzlich überall: Gewittertierchen.</p>

In schwüler Gewitterluft sind sie plötzlich überall: Gewittertierchen.

Der Himmel ist tiefschwarz und bevor man von Regentropfen getroffen wird, landet noch etwas anderes in Schwärmen auf einem: Gewittertierchen. Warum dies so ist.

Karen Bartel von
03. September 2018, 04:12 Uhr

Man sieht sie nur, wenn es zuzieht, schwül wird und Gewitter in der Luft liegt. Dann fühlen sich Gewittertierchen (biologischer Fachbegriff: Thripse) von der Erdnähe scheinbar magisch angezogen. Doch warum ist das so?

Eigentlich sind Thripse Schönwetterflieger, denn ohne Wärme können sie eigentlich kaum fliegen. Und das geht so: Bei sonnigen Temperaturen über 20 Grad Celcius lassen die durch sommerliche Thermik ausgelösten Aufwinde die Leichtgewichte aufsteigen und fliegen. Daher sind sie bei schönem Wetter meist weit oben außerhalb der menschlichen Sichtweite mehrere Kilometer hoch in der Luft unterwegs.

Entwickelt sich dann allerdings ein Gewitter, sinken die Tierchen in die unteren Luftschichten ab. Propheten sind sie deshalb aber nicht, denn wenn sie sich in Menschennähe aufhalten, ist auch das Unwetter nicht mehr fern. Dass sie dann tiefer fliegen und landen, hat physikalische Gründe: Bei Gewitter verändert sich die elektrische Feldstärke. Diese beträgt bei Schönwetter etwa 100 bis 300 Volt/Meter, in der sich die Thripse wohlfühlen und von der Thermik entspannt treiben lassen. Bei Gewitter steigt diese allerdings drastisch auf bis zu 50.000 Volt/Meter an, wodurch Blitze und Donner drohen.

Thripse reagieren sensibel auf diese Veränderung und stellen ihren Flugbetrieb bereits ab 8.000 Volt/Meter vollkommen ein. Das heißt: Flügel anlegen und in den Sturzflug begeben. Da sie dabei vom Wind getragen werden und nur minimal selbst ihre Flugrichtung bestimmen können, landen die Gewittertierchen meist vollkommen zufällig auf Menschen. Warum genau sie dieses Verhalten an den Tag legen, ist jedoch bis heute nicht wissenschaftlich geklärt worden.

(mit Material von WetterOnline)

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