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Sieben Wochen Ohne : Warum fasten? Worauf verzichten? Die wichtigsten Antworten zur Fastenzeit 2016

vom
Aus der Onlineredaktion

Mit dem Aschermittwoch hat die Fastenzeit im Christentum begonnen. 40 Tage lang sollen die Menschen Buße tun und sich so auf Ostern vorbereiten. Die wichtigsten Infos zur Fastenzeit haben wir für Sie zusammengestellt.

shz.de von
erstellt am 10.Feb.2016 | 05:15 Uhr

Ob auf Alkohol, Süßigkeiten oder Fernsehen - seit Aschermittwoch verzichten wieder Millionen Deutsche knapp sieben Wochen lang auf ein bestimmtes Genussmittel oder Konsumgut. Der Aschermittwoch läutet im Christentum traditionell das Ende der Karnevalszeit und umgekehrt den Beginn der 40-tätigen Fastenzeit als Vorbereitung auf Ostern ein.

Doch nicht nur Christen üben bis zum Karsamstag (26. März) Verzicht, sondern auch zahllose Nicht-Gläubige. Einer repräsentativen Forsa-Umfrage für die DAK-Gesundheit ergab, dass jeder zweite Deutsche die Fastenzeit für sinnvoll hält.

Aber welchen Hintergrund hat die Fastenzeit eigentlich? Wieso dauert sie ausgerechnet 40 Tage? Und worauf verzichten die Deutschen während dieser Zeit? Wir haben die wichtigsten Infos für Sie zusammengefasst:

Wo hat die Fastenzeit ihren Ursprung?

Die 40-tägige Fastenzeit wurde von der Kirche im 4. Jahrhundert eingeführt. Während der rund sechswöchigen Bußzeit sollen sich Christen auf das Osterfest vorbereiten, das wichtigste Fest des Christentums.

Doch schon im 2. Jahrhundert haben sich Christen durch ein zweitägiges Fasten auf die Feier der Osternacht vobereitet. „Altchristlich bedeutete Fasten die Beschränkung auf eine tägliche Mahlzeit und Verzicht auf Fleisch und Wein - außer am Sonntag“, sagt Manfred Nielen vom Erzbistum Hamburg. „Die Fastengebote wurden im Lauf der Jahrhunderte immer mehr gelockert und heute sind in der katholischen Kirche nur noch Aschermittwoch und Karfreitag strenge Fast- und Abstinenztage.“

Warum dauert die Fastenzeit 40 Tage?

Die Zahl „40“ hat in der Bibel mehrfach symbolische Wirkung, vergleichbar mit der „7“ in Märchen: So soll Jesus laut dem Neuen Testament nach seiner Taufe 40 Tage allein in einer Wüste gefastet haben und widerstand dabei den Versuchungen des Teufels. Ebenfalls 40 Tage soll Mose auf dem Berg Sinai gefastet haben, genauso lange wie der Prophet Elija auf seinem Weg zum Berg Horeb.

Das Volk Israel soll 40 Jahre durch die Wüste gezogen sein auf dem Weg ins Gelobte Land. Und 40 Tage nach der Auferstehung an Ostern feiert die Kirche Christi Himmelfahrt.

Die Sonntage sind als kirchliche Festtage von der Fastenzeit ausgenommen, ansonsten würde die Fastenzeit 46 Tage dauern.

Welchen Zweck hat die Fastenzeit?

Die knapp siebenwöchige Vorbereitung auf Ostern umfasst mehr als nur das Fasten. „Gebet, Zeichen der Nächstenliebe und Versöhnung sind weitere wesentliche Elemente“, sagt Manfred Nielen vom Erzbistum Hamburg. An Aschermittwoch und Karfreitag gilt das Fastengebot, kein Fleisch zu essen.

Heute steht beim Fasten bei vielen Menschen auch die individuelle Gesundheit im Vordergrund.

Worauf verzichten die Deutschen am häufigsten?

Bei einer repräsentativen Forsa-Umfrage für die DAK-Gesundheit gaben 67 Prozent an, am ehesten auf Alkohol und 66 Prozent auf Süßigkeiten verzichten zu können.

Kein Fleisch zu essen, kommt für 38 Prozent in Frage. Den Fernseher abschalten oder das Rauchen vorübergehend sein lassen würde jeder Dritte (33 bzw. 32 Prozent). Ein Verzicht auf Computer und Internet ist nur für 21 Prozent vorstellbar. Das Auto würden lediglich 15 Prozent stehen lassen.

„Auch wenn das Fasten nicht aus religiösen Gründen geschieht, kann es trotzdem sinnvoll sein“, sagt Manfred Nielen vom Erzbistum Hamburg. Die evangelische Kirche sieht dies genauso und animiert mit ihrer Aktion „Sieben Wochen Ohne“ jährlich Millionen Menschen zum Fasten.

Wie fasten die Christen?

Ursprünglich sahen die Fastenregeln nur eine volle Mahlzeit täglich vor, in der Regel am Abend. Fleisch, Milchprodukte, Eier und Genussmittel wie Süßigkeiten waren während der Fastenzeit streng verboten. Erst im 15. Jahrhundert wurde diese Regel von der Kirche gelockert, sodass Milchprodukte, aber auch Öl und Eier fortan verzehrt werden durften.

Heute werden die Fastenregeln von Gläubigen eher so ausgelegt, dass auf liebgewonnene Dinge und Gewohnheiten verzichtet werden soll. Ob es der Fleisch-, Alkohol- oder Süßigkeitenkonsum oder das Fernsehen ist, bleibt jedem selbst überlassen.

Beim Fasten geht es darum, sich zu besinnen. Die Menschen sollen sich in der Fastenzeit auf das Wesentliche beschränken. Sie sollen nachdenken, ob sie richtig handeln und planen und versuchen, Gottes Willen zu erkennen.
 

In der evangelischen Kirche kommt der Fastenzeit eine geringere Bedeutung zu. Martin Luther stand dem Fasten kritisch gegenüber und betonte, dass nicht Gott die Fastenzeit vorschrieb. Dennoch empfahl er den Protestanten, sich in der Zeit vor Ostern mehr ihrem Glauben zuwenden und gute Taten zu vollbringen.

Wieso wechselt jährlich das Osterdatum und damit auch der Zeitraum der Fastenzeit?

„Ostern wird im Westen am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert“, sagt Manfred Nielen vom Erzbistum Hamburg.

Der Grund: Laut dem Neuen Testament war die Auferstehung Christi in den Tagen des vom Frühlingsvollmond abhängigen jüdischen Pessachfestes. Daher wurde im Jahr 325 festgelegt, dass Ostern am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling ist. Der früheste Ostersonntagstermin fällt damit auf den 22. März, der späteste auf den 25. April. 

Gibt es auch in anderen Religionen eine Fastenzeit?

Alle Religionen kennen Fastenzeiten. Im Islam gibt es den Fastenmonat Ramadan. Juden haben den Fastentag Jom Kippur.

 
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