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Trend aus den USA : Setzen Sie ein Zeichen gegen Herzkrankheiten - ziehen Sie etwas Rotes an

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Aus der Onlineredaktion

Die Zahl der Herzerkrankungen, die tödlich enden, steigt in Deutschland. Schleswig-Holstein nimmt dabei einen Platz im Mittelfeld ein. Mit dem Zieh-etwas-Rotes-an-Tag soll mehr Bewusstsein geschaffen werden.

Mit Karneval hat es nichts zu tun, wenn morgen vermehrt in rot gekleidete Personen unterwegs sind. Der Hintergrund der Aktion ist ein ernster, denn am ersten Freitag im Februar findet in den USA jährlich der „National Wear Red Day" statt. An dem Tag tragen Menschen rote Kleidung, um auf Herzkrankheiten aufmerksam zu machen, da dort nach Angaben der American Heart Association alle 80 Sekunden eine Frau an einer Herzkrankheit stirbt. Die Farbe Rot wurde gewählt, da sie auffällt.

Der „Zieh-etwas-Rotes-an-Tag“ schwappt als Trend nun auch auf Deutschland über - und das aus gutem Grund, denn hierzulande sterben wieder mehr Menschen an Herzerkrankungen. Das geht aus dem jüngst veröffentlichten Herzbericht 2015 der Deutschen Herzstiftung hervor. In dem Bericht werden die statistischen Herzinfarkt-Daten aus dem Jahr 2013 regional aufgeschlüsselt.

Mehr Tote durch Herzkrankheiten in Deutschland

So starben 2013 bundesweit 15.889 Menschen wegen Herzklappenkrankheiten. Das sind 15,3 Prozent mehr als zwei Jahre zuvor, damals waren es 13.964 Menschen. Ebenfalls ansteigend ist die Zahl der an Herzrhythmusstörungen Verstorbenen. Sie stieg um 12,2 Prozent von 23.677 (2011) auf 26.208 (2013). An der koronaren Herzkrankheit starben im Jahr 2013 mit 128.808 Patienten 2,7 Prozent mehr als im Jahr 2011. Damals starben 127.101 Menschen.

Die Entwicklung sollte ernst genommen werden, übertriebene Sorge oder Panikmache sind jedoch völlig übertrieben, findet Professor Karl-Heinz Kuck von der Hamburger Asklepios Klinik St. Georg und zugleich Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. „Über die Zahlen wären viele andere Länder froh“, sagte er. So sei die Zahl der an einem Herzinfarkt gestorbenen Menschen in Deutschland zwischen 1990 und 2013 um 40 Prozent zurückgegangen. Einen nicht unerheblichen Anteil daran hat Schleswig-Holstein, denn in keinem anderen Bundesland starben 2013 weniger Menschen an einem Herzinfarkt (43 von 100.000 Einwohnern). Unrühmlicher Spitzenreiter in dieser Statistik ist Sachsen-Anhalt, wo die Zahl mit 99 Herzinfarkt-Toten auf 100.000 Einwohner mehr als doppelt so hoch war.

Ostdeutschland: Höheres Sterberisiko durch Herzprobleme

Das Land führt auch die Rangliste mit der Zahl der Toten an, die im Jahr 2013 an einer Herzerkrankung gestorben sind (389 von 100.000 Einwohnern). Hier belegt Schleswig-Holstein mit Rang 10 einen Platz im Mittelfeld. Auf 100.000 Einwohner kamen 288 durch eine Herzerkrankung gestorbene Personen, während es in Hamburg nur 214 sind. Die wenigsten durch Herzerkrankungen verursachten Sterbefälle kann Berlin mit 193 pro 100.000 Einwohnern verzeichnen.

Überhaupt ist auffällig, dass die Wahrscheinlichkeit, wegen einer Herzerkrankung zu sterben, in den ostdeutschen Bundesländern erheblich höher liegen als in den westdeutschen Ländern. Die Ursachen für die Unterschiede sind ganz verschieden. Zum einen treten die wesentlichen Risikofaktoren, die Herzerkrankungen begünstigen - etwa Raucher, Diabetiker oder Bluthochdruckpatienten - dort viel häufiger auf.

„Zugleich zeigt unsere Analyse ganz deutlich, dass auch sozial ungünstige Aspekte wie hohe Arbeitslosigkeit und ein hoher Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss in diesen Regionen stärker vertreten sind und für die Erklärung der überdurchschnittlichen Infarktsterblichkeit eine wichtige Rolle spielen“, erklärt Andreas Stang, Leiter des Zentrums für Klinische Epidemiologie (ZKE) am Universitätsklinikum Essen.

Viele Todesfälle wären vermeidbar

Darüber hinaus ist die Dichte an Kardiologen gerade in den ostdeutschen Bundesländern erheblich geringer als im Rest der Rebublik. Ein Kardiologe muss in Thüringen ist durchschnittlich für fast doppelt so viele Patienten verantwortlich wie ein Kardiologe in Bremen.

Aber völlig unabhängig davon könnte die Zahl der Todesfälle in Folge von Herzerkrankungen - über 338.000 jährlich - durch entsprechendes Wissen in der Bevölkerung gesenkt werden, sagt Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. „Viele Sterbefälle könnten durch verbessertes Wissen über Notfallverhalten, durch konsequentere Behandlung, durch Vorsorgemaßnahmen wie frühzeitige Blutdruckmessung sowie einen gesunden Lebensstil vermieden werden.“ Auch für diese Art der Sensibilisierung soll der „Zieh-etwas-Rotes-Tag“ sorgen.

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erstellt am 04.Feb.2016 | 08:45 Uhr

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