zur Navigation springen

Karneval und Fasching im Sturm : Rosenmontagszüge in Mainz und Düsseldorf abgesagt

vom

Keine Terrorangst, sondern Sturm stoppt die Narren. Die Kölner schränken sich ein, wollen aber nicht absagen.

Mainz/Düsseldorf | Die großen Rosenmontagsumzüge in Mainz und Düsseldorf sind aufgrund des zu erwartenden Sturms abgesagt worden. Das teilten die jeweiligen Karnevalsclubs mit. Nach Angaben der Feuerwehr ist am Montag mit Sturmböen von bis zu 100 Stundenkilometern zu rechnen. Die ersten Ausläufer des Karnevals-Sturmtiefs „Ruzica“ haben den Westen Nordrhein-Westfalens bereits erreicht. Im Münsterland seien die ersten Böen mit Windstärke 8 gemessen worden, sagte eine Sprecherin des Deutschen Wetterdiensts am Montagmorgen. Bei Aachen an der belgischen Grenze sei der Wind zum Teil sogar noch stärker. Der Wetterdienst warnte für den Morgen vor Windgeschwindigkeiten zwischen 75 und 80 Kilometern pro Stunde. Später seien Böen mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde zu erwarten. Für das Sauerland besteht eine Unwetterwarnung für Böen von bis zu 120 Stundenkilometern.

Karneval steht 2016 nach den Übergriffen in Köln in der Silvesternacht unter besonderer Beobachtung. Nun wird allerdings nicht wegen Terror abgesagt, sondern wegen Sturm.

Das Comitee Düsseldorfer Carneval (CC) wartete bis zum Montagmorgen mit einer Entscheidung. Das Sicherheitskonzept des Düsseldorfer Rosenmontagszugs sah vor, dass der Zug ab Windstärke 8 abgesagt werden muss.

Es seien bis in den Nachmittag hinein permanent unberechenbare Böen zu erwarten. „Die Entscheidung ist ganz klar, die Sicherheit geht vor“, sagte der Präsident des Mainzer Carneval Vereins (MCV), Richard Wagner, am Sonntagabend. Der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) sagte: „Das ist mehr als schade, aber es ist nicht das Ende der Fröhlichkeit in Mainz.“ Es seien einfach zu viele potenzielle Gefahren.

Am Rosenmontag waren Hunderttausende Menschen in Mainz erwartet worden. Losrollen sollte der närrische Tross auf seine mehr als sieben Kilometer lange Strecke um 11.11 Uhr. Der Mainzer Zug zählt neben denen in Köln und Düsseldorf zu den größten bundesweit. In diesem Jahr sollte er 148 Zugnummern zählen, rund 9500 Zugteilnehmer, darunter über 200 Musiker.

Aus Essen hieß es: „Wir haben uns schweren Herzens dazu entschieden“. Der Erste Vorsitzende des Festkomitees Essener Karneval, Volker Sassen, sagte, bei Windstärke 6 müsse diese Entscheidung in Essen getroffen werden. Die Prognosen gingen aber von Stärke 10 aus. Unklar sei, ob der Zug komplett abgesagt oder zum Beispiel in den Sommer verschoben werde. „Aber ein Rosenmontagszug, der kann eigentlich auch nur an einem Rosenmontag stattfinden“, sagte Sassen. Es waren 80.000 Zuschauer erwartet worden. Zuvor war in Essen bereits der Traditionszug im Stadtteil Kupferdreh abgesagt worden.

Auch die Organisatoren in Duisburg, Hagen, Münster, Recklinghausen und in Wenden im Sauerland zogen schon Konsequenzen: Sie haben den Rosenmontagszug abgesagt. „Die Wetterlage ist uns zu heikel. Das ist uns viel zu gefährlich“, sagte der Duisburger Karnevalspräsident Michael Jansen. In Recklinghausen hatte die Stadt den Umzug abgesagt. Im vergangenen Jahr waren rund 100.000 Menschen in die Ruhrgebietsstadt gekommen.

Einige Züge sollen im Frühjahr nachgeholt werden - nach karnevalistischer Tradition eigentlich ein No-go, heißt es doch in einem berühmten Karnevalsschlager: „Am Aschermittwoch ist alles vorbei.“

Der Kölner Rosenmontagszug soll trotz Sturmwarnung ab 10 Uhr stattfinden - allerdings ohne die sonst üblichen 500 Pferde. „Der Zug in Köln geht, er geht mit allen Teilnehmern“, stellte Zugleiter Christoph Kuckelkorn am Sonntag klar. „Wir lassen uns das Feiern auch vom Wetter nicht vermiesen.“

Die Prunkwagen samt Figuren sollen wie geplant rollen. Nur Großfiguren in den Fußgruppen sind nicht zugelassen, ebenso wie Fahnen und Trageschilder. Außerdem werden an den Zuschauertribünen Dächer und Rückwände entfernt, damit sich diese nicht lösen und umherfliegen können. Sollte der Sturm noch stärker werden als bisher prognostiziert, würden die Tribünen geschlossen.

Eine völlige Absage des Kölner Zuges bei noch extremerer Wetterlage wollte Kuckelkorn nicht völlig ausschließen. Die Lage werde ständig beobachtet, betonte er. Nach den derzeitigen Vorhersagen des Wetteramtes könne der Zug aber stattfinden, nur eben ohne Pferde, da diese zum Beispiel bei umherfliegenden Jacken oder Schirmen plötzlich scheuen könnten.

zur Startseite

von
erstellt am 08.Feb.2016 | 08:43 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen