Anzeige : Rösten, kühlen, mahlen, verpacken - zu Besuch in einer Kaffeemanufaktur

In der Familienrösterei „Holstein Kaffee“ wird bereits in der dritten Generation Kaffee hergestellt und verschickt.

shz.de von
05. Januar 2018, 04:12 Uhr

Mit einem Kugelröster und einem alten Fahrrad fing alles an. Johannes Suhren gründete vor fast neun Jahrzehnten, im Jahr 1931, die Firma „Holsteinische Kaffee-Großrösterei“. Mit gerade einmal 20 Jahren startete er mit einem Kugelröster im Keller: Vormittags röstete er die Bohnen, am Nachmittag machte er sich mit dem Fahrrad auf und fuhr auf Verkaufstour durch Neumünster und das Umland.

Nach fünf erfolgreichen Jahren zog das Unternehmen in die Kieler Straße 81. Im Hinterhaus baute Johannes seine Firma über drei Etagen auf, wo bis heute der Kaffee geröstet wird. Dabei erlebte der Unternehmer nicht nur einmal schwere Tage. In der Kriegszeit musste die Produktion auf Kaffeeersatz umgestellt werden und ein Bombentreffer legte den ganzen Betrieb lahm. Nach dem Wiederaufbau 1948 starte die Rösterei erneut, bis Johannes Suhren 1968 in den Ruhestand ging. Für einige Jahre wurde es still im Hinterhaus, bis 1978 Tochter Frauke mit ihrem Ehemann Ronald Leopold Röse, ein von der Krise der Textilindustrie getroffener Textilingenieur, die Rösterei wieder zum Leben erweckte. Das Familiengeschäft war zurück.

<p>Eine Menge Handarbeit steckt in dem Kaffee, den das Familienunternehmen herstellt.</p>
Holstein-Kaffee

Eine Menge Handarbeit steckt in dem Kaffee, den das Familienunternehmen herstellt.

 

In einem Altenheim entdeckte Leopold Röse den ehemaligen Röstmeister Jens Jessen. Der damals 94-Jährige lehrte Röse das Handwerk des Kaffeeröstens. 2006 stieg seine Tochter Svenja Thomas in das Unternehmen mit ein und übernahm die Geschäftsführung. Unter ihrer Leitung firmierte das Unternehmen um in „Holstein Kaffee Kaffeerösterei Neumünster GmbH“. Ehemann Matthias Thomas ist inzwischen im Nebenberuf ebenfalls Röstmeister und unterstützt seine Frau und den Schwiegervater.

So wird der Kaffee in der Familienrösterei gemahlen

Kaffeerösten ist körperlich anstrengend und erfordert volle Aufmerksamkeit. Zuerst werden die bis 60 Kilo schweren Säcke mit einem Kran, der außen am Gebäude sitzt, bis in das zweite Obergeschoss hochgezogen. Dort steht die große Rösttrommel. Sie wird von Hand gefüllt. Der Röstprozess erfordert viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung. Das Wetter, die aktuelle Luftfeuchtigkeit und die Außentemperatur beeinflussen den Vorgang. Dazu erfordert jede Bohnensorte ein eigenes Röstverfahren.

<p>Durchschnittlich 162 Liter Kaffee trinkt jeder Deutsche im Jahr.</p>
Holstein-Kaffee

Durchschnittlich 162 Liter Kaffee trinkt jeder Deutsche im Jahr.

 

Eine Gasflamme erhitzt die drehende Trommel von unten. Hört der Röstmeister das erste Knacken der Bohnen, geht es ganz schnell. Über ein Schubfach kontrolliert er die Bräunung, bis der richtige Röstgrad erreicht ist. Dann entleert sich der Inhalt zum Kühlen in eine große Pfanne mit Rührwerk. Durch Bodenöffnungen fallen die Bohnen in verschiedene kleine Silos in der Etage tiefer. Hier wird der Kaffee gemahlen oder als ganze Bohne verpackt und versandfertig gemacht. Das Erdgeschoss dient als Lager.

Svenja Thomas, die Enkelin des Unternehmensgründers, genießt es, sich an ruhigen Sonntagen den Kaffee des Familienunternehmens in aller Ruhe aufzubrühen. In dem Ehemaligen Kontor und Verkaufsraum zeigt Svenja Thomas, wie sie vorgeht.

<p>Svenja Thomas nimmt sich für die Zubereitung des Kaffees gern Zeit.</p>
Holstein-Kaffee

Svenja Thomas nimmt sich für die Zubereitung des Kaffees gern Zeit.

 
  1. Zunächst stellt sie dazu die Kaffeekanne mit Filter auf eine Haushaltswaage. Der Wasserkocher muss das Wasser auf 97 Grad erhitzen.
  2. Über den langen, dünnen Ausgießer schüttet Svenja Thomas Wasser über den Papierfilter, damit er schon mal Wasser zieht.
  3. Danach füllt sie zwölf Gramm Kaffeepulver in den Filter.
  4. In Kreisbewegung ergießen sich 50 Gramm Wasser über das Pulver. Es bildet sich die Kaffee-Blume mit ihren großen Blasen.
  5. Wenn es fast abgeflossen ist, werden weiter 150 Gramm Wasser langsam mit Unterbrechungen nachgegossen. Das reicht für genau zwei Tassen puren Genuss.

Der Geschmack ändert sich mit der Zubereitung. Ob mit einem Vollautomaten, Kaffeemaschine oder mit der Espressomaschine gebrüht, schmeckt er jedes Mal anders. Entscheidend ist auch die Frische. Deshalb röstet die Familie den Kaffee immer erst kurz vor der Auslieferung. Neben dem Geschmack legt Svenja Thomas auch großen Wert auf Nachhaltigkeit: Aluminium als Verpackung hat sie verbannt. Die kleinen Gebinde kommen in Papiertüten mit einer dünnen Folie, damit das Aroma erhalten bleibt. Großabnehmer bekommen ihre Lieferungen in Pfandgebinden. Auch die Herkunft ist wichtig. Mit den „Fairen Projektkaffees“ werden Aktionen in den Herkunftsländern unterstützt. Mit dem „Gelehrten Kaffee“ gehen Gelder in den Aufbau von Schulen in Chiapas, Mexiko. Die „Starke Bohne“ unterstützt nicaraguanische Frauen mit kleinen Plantagen.

<p>Papier statt Plastik: Das Familienunternehmen setzt auf alternative Verpackungen.</p>
Holstein-Kaffee

Papier statt Plastik: Das Familienunternehmen setzt auf alternative Verpackungen.

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