Im Trend : Regional statt exotisch: Superfood-Alternativen aus Deutschland

<p>Regional statt exotisch: Der Bowl-Trend mit Superfoods kann auch mit Erdbeeren statt Goji-Beeren und Lein- statt Chiasamen zusammen mit Blaubeeren, Äpfeln und heimischen Nüssen farbenfroh und nährstoffreich gestaltet werden.</p>

Regional statt exotisch: Der Bowl-Trend mit Superfoods kann auch mit Erdbeeren statt Goji-Beeren und Lein- statt Chiasamen zusammen mit Blaubeeren, Äpfeln und heimischen Nüssen farbenfroh und nährstoffreich gestaltet werden.

Açaí, Chia, Spirulina: Kriterien für ein Superfood scheinen ein exotischer Namen und ein fernes Herkunftsland zu sein. Doch auch in so manchen deutschen Lebensmitteln stecken Superkräfte.

Karen Bartel von
12. Oktober 2018, 14:53 Uhr

Supergesund, supernährreich, aber auch superteuer und oft superunökologisch: Nicht alles ist super bei den sogenannten Superfoods, deren Trend die aktuelle Food- und Lifestyleszene fest im Griff hat und in jeder Smoothie Bowl zu finden ist. Sie nehmen meist einen weiten Weg aus Asien oder Südamerika auf sich und werden dann beim Verkauf in lokalen Supermärkten als Schlankmacher, Vitaminbomben oder Anti-Aging-Wundermittel angepriesen. „Keine Frage, diese exotischen Blätter, Beeren, Wurzeln und Samen sind tatsächlich reich an wertvollen Inhaltsstoffen“, sagt Anita Zilliken, Ernährungswissenschaftlerin bei der AOK. „Doch sie sind keine Wundermittel und nicht gesünder als heimisches Obst und Gemüse.“

Die Schattenseite von exotischen Superfoods

Exotik hat ihren Preis - und bei Superfoods kann der schnell mal bei 15 bis 20 Euro pro 100 Gramm liegen. Ein Grund beim Kauf zwei Mal zu überlegen, ob man zu den teuren Lebensmitteln greift, oder aber, ob es nicht günstigere Alternativen gibt. Ein anderer liegt in ihrer kritischen Ökobilanz, denn auch wenn Superfoods den Ruf haben, gesund für den Menschen zu sein, so sind sie es nicht für die Umwelt. Durch ihre langen Transportwege hinterlassen sie einen problematischen CO2-Abdruck. Einher geht damit auch die Verarbeitungsweise: „Weil sich frische Produkte aus Übersee nicht unbedingt solange halten, sind sie hier oft nur stark verarbeitet erhältlich“, sagt Zilliken.

Deshalb werden die Früchte getrocknet, gemahlen, mit Zusatzstoffen konserviert oder aus ihren Extrakten Kapseln und Pillen hergestellt. Dies kann sich negativ auf die beworbenen, gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe auswirken: Eine Untersuchung des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts (CVUA) Stuttgart ergab beispielsweise, dass das beworbene Vitamin C von Moringa-Blättern in den Produkten nicht mehr nachweisbar war. Zudem können die konventionell angebauten Produkte auch oft mit Schadstoffen, wie Pestiziden, belastet sein. Ein weiteres Risiko: Unbekannte exotische Lebensmittel können allergische Reaktionen oder Überempfindlichkeiten hervorrufen. Zudem sind laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte etwa bei Goji-Beeren Wechselwirkungen mit Medikamenten nicht auszuschließen.

Superfood von Oma aus dem heimischen Garten

Zugegeben, die deutschen Alternativen können nicht mit außergewöhnlichen Namen aufwarten und scheinen auf den ersten Blick vielleicht weniger attraktiv, doch hinsichtlich der Inhaltsstoffe kann das heimische Obst und Gemüse mit den exotischen Superfoods durchaus mithalten. Besonders die Norddeutschen können sich freuen und liegen mit ihrer Vorliebe voll im Ernährungstrend: „Kohlgemüse ist kalorienarm und dabei reich an Vitaminen und Mineralstoffen“, so Zilliken. „Insbesondere Grünkohl gehört zu den vitaminreichsten Gemüsesorten überhaupt und hat besonders viel von dem lebenswichtigen Mineralstoff Kalium.“

Exotisches Superfood Regionale Alternativen Das ist drin
Acerola-Kirsche, Goji-Beere Erdbeeren von hiesigen Feldern Vitamin C
Açaí, Maqu Heidel-, Holunder- oder schwarze Johannisbeeren Antioxidantien
Chia-Samen Nüsse, Leinsaat sowie Raps- oder Walnussöl Omega-3-Fettsäuren und Ballaststoffe
Blätter des Moringa-Baumes Petersilie oder Kresse Eisen, Kalzium und Kalium
Quinoa Hirse glutenfrei; Eisen, Eiweiß und Magnesium

Im Endeffekt sollte man sich von dem werblichen Schlagwort Superfood nicht zu sehr verleiten lassen: „Letztlich kann ein einzelnes Lebensmittel keine Superwirkung entfalten“, sagt AOK-Ernährungsexpertin Zilliken. Nur eine insgesamt ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, aber auch Hülsenfrüchten, Nüssen, Samen, Kartoffeln und Vollkornprodukten liefert die Vitamine, Mineral-, Ballast- und sekundären Pflanzenstoffe, die die Gesundheitfördern.“

(Mit Material von AOK-Mediendienst)

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