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Kochen Kurios : Verwaschen: Lachs aus der Spülmaschine

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Sie erzeugt heißen Wasserdampf, die Spülmaschine. Kann man darin also kochen? Beispielsweise ein Fischgericht? Wir haben es ausprobiert. KochenKurios - Folge drei.

shz.de von
erstellt am 30.Nov.2010 | 08:28 Uhr

Seit einiger Zeit kursiert in verschiedenen Kochforen im Netz das Gerücht, dass sich in der Spülmaschine hervorragend Lachs zubereiten lässt. Auch in dem mittlerweile nicht mehr aufgelegten Kochbuch "Lecker, lecker Metalküche" von Sheree Hesse ist davon die Rede. Bisher ließ sich bloß niemand finden, der dem Mythos ernsthaft auf den Grund gegangen ist.
Wir haben es deshalb einfach ausprobiert. Nur Lachs war uns aber nicht genug: Wir hatten den Ehrgeiz, ein vollständiges Hauptgericht zuzubereiten. Also haben wir neben Lachsfilet aus der Tiefkühltruhe auch Dosenbohnen, Kartoffeln und Sauce Hollandaise im Tetra Pack besorgt.
Die Idee, Lachs in der Spülmaschine zu garen, ist gar nicht so abwegig, wie sie beim ersten Hinhören erscheint: Der heiße Wasserdampf der Maschine - natürlich abhängig von Modell und Baujahr - hat in der Regel die ganze Spülzeit hinweg eine gleichbleibende Temperatur von etwa 60 bis 80 Grad. Nahezu perfekt, um Fisch zu dünsten.
Auf gehts: die Zubereitung
Wir reiben die aufgetauten Lachsscheiben mit Dill, rotem Pfeffer, Limettenscheiben, Salz und etwas Olivenöl ein. Die einzelnen Filets mit Alufolie mehrfach dicht einschlagen!
Kartoffeln sehr fein würfeln, mit Salz, Pfeffer, Paprika, etwas Olivenöl würzen, ebenfalls portionsweise gut verpacken. Das gleiche gilt für die Dosenbohnen, die lediglich gesalzen werden.
Die Pakete legen wir in das oberste Fach der Spülmaschine und wählen das normale Spülprogramm. Wir empfehlen nicht, gleichzeitig schmutziges Geschirr und Spülmittel in diesem 90-minütigen Waschgang mitlaufen zu lassen...
Experiment misslungen - Fisch gewaschen

Über 90 Minuten stieg die Spannung – und als sich nach dem Öffnen der Spülmaschine der Nebel aus Wasserdampf gelegt hatte, präsentierte sich uns folgendes Bild: Der Wasserstrahl der Maschine hatte von unten kleine Löcher in die Alufolie gebohrt, obwohl wir den Fisch sehr dick eingewickelt hatten.
Sowohl der Lachs, die Kartoffeln als auch die Bohnen sahen nicht nur verwaschen aus, sondern rochen und schmeckten auch so. Darüber hinaus war der Fisch zäh und die Kartoffeln noch fast roh. Lediglich die Bohnen hatten die gewünschte Konsistenz – was bei Dosenbohnen aber auch keine Kunst ist.
Genießbar war unser Menü am Ende zwar - aber lecker ist etwas anderes. Auch der Aufwand war nicht unbedingt geringer als bei der herkömmlichen Zubereitung – vom Wasser- und Energieverbrauch ganz zu schweigen.
Vielleicht wäre es ratsam gewesen, den Fisch neben der Alufolie auch in einem Bratschlauch zu deponieren, der im Gegensatz zu Gefrierbeuteln hitzebeständig und schlecht zu durchlöchern ist. Es ist nicht auszuschließen, dass das Experiment dann geglückt wäre.
Frei von Farbe und Geschmack
Im Grunde genommen hat die Maschine nur ihren Job gemacht und mit dem Lachs das gleiche getan, was sie mit schmutzigen Tellern und Gläsern tut: Sie hat ihn gewaschen, sodass er am Ende sogar frei von Farbe und Geschmack war.
Aber wäre es nicht auch unheimlich, wenn man sich mit einer Spülmaschine den Herd sparen könnte?
Positiv konnte sich übrigens die Sauce Hollandaise hervortun. Nach zwei Minuten in der Mikrowelle schmeckte sie recht lecker (den Chemikern sei Dank). Und besonders gut eignete sie sich später auf einer Hühnchen-Brokkoli-Pizza vom Lieferservice!

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