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Küchenlust : Süß oder herzhaft? Kandidaten experimentieren beim Dessert

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Beatrix Jacobsen und Alfred Bruno Gabriel sind die beiden letzten Küchenlust-Kandidaten. Ihr Dessert-Geschmack geht auseinander.

shz.de von
erstellt am 01.Nov.2014 | 05:00 Uhr

Er gibt gerne den Ton an – nicht nur in der Küche. Als Solo-Hornist spielte Alfred Bruno Gabriel schon in namhaften Orchestern. Noch immer täglich probt der Bau-Unternehmer in seinem Haus in Altenholz bei Kiel mit dem blank geputzten Blasinstrument, zum Beispiel für seine Auftritte im Deutschen Führungskräfte-Orchester, in dem er mit den Chefs einiger namhafter deutscher Konzerne musiziert.

Auch in seiner kleinen, mit hochwertigen Geräten ausgestatteten Küche, beweist der 66-Jährige Führungsqualitäten. Jeder Griff sitzt schnell und sicher, jeder Quadratzentimeter der begrenzt großen Arbeitsfläche wird optimal ausgenutzt, die Reste jedes Arbeitsschrittes sorgfältig entsorgt, bevor die nächsten Produkte verarbeitet werden. „Höchste Qualität und Frische – darauf kommt es an“, sagt der Stammgast namhafter Restaurants in Hamburg und auf Sylt.

 

Dort genießt er bevorzugt Fisch. „Viele trauen sich an Fisch nicht heran, dabei ist die Zubereitung gar nicht kompliziert und immer fix“, sagt Alfred Gabriel – und packt ein 400 Gramm schweres Stück Thunfisch in Sushi-Qualität aus dem Papier, vor wenigen Stunden erworben „bei dem Fischhändler meines Vertrauens“.

Mit einem scharfen, japanischen Küchenmesser wird der Thunfisch in feine Würfel zerteilt, mit Limettensaft, Olivenöl, Salz und Pfeffer mariniert. Frühlingszwiebeln, Avocado, Knoblauch, Ingwer und feingehackte Petersilie machen das Thunfischtatar zu einem gelungen, frisch delikaten Auftakt des fleischlosen Menüs, mit dem sich der gebürtige Kieler beworben hat. Dazu reibt er fix frische Kartoffeln zu knusprigen Rösti in die Pfanne.

Mit Salat und Salzkartoffeln wird der Fisch-Gulasch serviert.
Mit Salat und Salzkartoffeln wird der Fisch-Gulasch serviert. Foto: Ruff

Es folgt ein edler Fisch-Gulasch mit reichlich Sahne und Suchtpotenzial. Für diesen häutet Alfred Gabriel fachmännisch ein gut ein Kilogramm schweres Filet vom Seeteufel, ebenfalls am frühen Morgen frisch vom Händler geholt. „Ich bin ein leidenschaftlicher Morgenmensch, stehe fast immer um 4 Uhr auf“, sagt der Unternehmer, der die Hüllen und Dächer großer Komplexe wie Einkaufszentren oder Behörden baut oder erneuert. In verschiedenen Arbeitsschritten zubereitet, landen mit dem gewürfelten Edelfisch schließlich Champignons, Tomaten, Erbsen, Paprika, Zwiebeln und Gewürze in einem Topf. Zu dem Gulasch aus herrlich festem Fischfleisch serviert der Hobbykoch schlichte Salzkartoffeln. „Ich weiß gar nicht mehr warum, aber ich habe schon immer gerne gekocht, wohl, weil ich auch so gerne esse“, sagt Alfred Gabriel, bevor er sich an sein süßes Dessert macht: Sahnige Bayerische Creme, zu der der Gastgeber mit 700 Flaschen Wein im Keller wahlweise Rumtopf-Früchte oder Frucht-Saucen anbietet.

Beatrix Jacobsen setzt auf ein herzhaftes Dessert

Beatrix Jacobsen kocht für die Küchenlust-Jury ein Lammkarree mit Tomaten-Oliven-Kruste.
Beatrix Jacobsen kocht für die Küchenlust-Jury ein Lammkarree mit Tomaten-Oliven-Kruste. Foto: Ruff
 

Schon drei Mal ist Beatrix Jacobsen mit ihrer 31 Jahre alten Küche umgezogen. „Ich finde das tapfer“, sagt die selbstständige Rechtsanwältin. Und das völlig zurecht, denn in dieser langen Zeit wurde die Küche auch arg strapaziert – fürs tägliche Kochen für die inzwischen erwachsenen vier Kinder und für viele Freunde. „Ich koche einfach leidenschaftlich gerne, am liebsten mit regionalen Produkten, probiere immer wieder neue Rezepte aus“, sagt die 59-Jährige, die seit vielen Jahren in Halstenbek wohnt. So auch beim Besuch des Küchenlust-Teams, für das Beatrix Jacobsen sich an ein Lammkarree mit Tomaten-Oliven-Kruste wagt.

Kürbis-Brulée mit Auster hat Beatrix Jacobsen als Vorspeise gewählt.
Kürbis-Brulée mit Auster hat Beatrix Jacobsen als Vorspeise gewählt. Foto: Ruff
 

Anspruchsvoll sowie reich an Produkten und Zubereitungsschritten ist bereits die Vorspeise der gebürtigen Hannoveranerin: Eine Kürbis-Crème-Brulée mit Wildaustern im Knuspermantel und Schwarzwurzelchips. In der heißen Zubereitungsphase hantiert die Hobbyköchin parallel an mehreren Töpfen. Während die Kürbis-Brulée flambiert wird, wendet Beatrix Jacobsen die ausgelösten, von Ei und Pankomehl umhüllten Sylter Austern in der Pfanne und lässt die Sahnesauce für die gehobelten Schwarzwurzeln nochmal aufkochen – das Ergebnis ist köstlich.

 

Mit Paprikaschoten, Zwiebeln, Bohnen und Rosmarinkartoffeln kommt auch das Karree vom Salzwiesenlamm reich an Beilagen auf den Teller. Im Ganzen wird das gute Stück Fleisch scharf angebraten, bevor es in den Ofen kommt, die letzen Minuten davon mit der Tomaten-Oliven-Kruste bedeckt. Das Zerteilen gestaltet sich danach trotz eines scharfen Messers schwieriger als gedacht, wird aber schließlich auch gemeistert. So ist es halt, wenn man sich an neue Rezepte wagt. Erstmals zubereitet und schon richtig lecker schmeckt die Tomatenmarmelade fürs Dessert. „Bewusst habe ich keine Süße, sondern eine herzhafte Nachspeise ausgesucht“, sagt die Juristin. Auf die Marmelade kommen überbackene Taler aus Ziegenfrischkäse. Für ein wenig Süße sorgt etwas Honig, für eine angenehme Schärfe die Chiliflocken. Auch der experimentierfreudigen Hobby-Köchin schmeckt es. Die in die Jahre gekommene Küche wird danach sorgsam gereinigt und aufgeräumt – wie jeden Tag seit mehr als 30 Jahren. „Mit dem Haus hier sind wir sehr glücklich, dafür noch eine neue Küche wäre einfach wunderbar“, sagt Beatrix Jacobsen.

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