Aktion „Küchenlust“ : Fleisch folgt Fisch

Noch ein wenig Chili streut Marcus Path über seinen hauchzarten Matjes.
Foto:
1 von 4
Noch ein wenig Chili streut Marcus Path über seinen hauchzarten Matjes.

Die letzten beiden der acht Hobbyköche, die es in die Zwischenrunde geschafft haben, starten ihr Menü mit Fisch. Bei Marcus Path folgt auf Matjes Sylter Galloway, bei Monika Samways auf Lachs die Hähnchen-Involtini.

shz.de von
09. November 2013, 06:30 Uhr

Sein berufliches Revier sind die Weltmeere, doch sein im Sommer geborener Sohn hält Marcus Path für ein Babyjahr an Land, das heißt auf der Insel, in einer Wohnung mitten im Westerländer Stadtzentrum. „Dennoch ist es schön ruhig bei uns“, sagt der 48-Jährige. Das gilt auch für die kleine, in Schwarz möblierte Küche, die relativ wenig Arbeitsfläche für ein Menü bietet, in dem ziemlich viel Handarbeit steckt.

„Die Idee dazu ist mir auf einer langweiligen Zugfahrt von Hamburg nach Sylt eingefallen“, sagt der gelernte Konditor, der seit vielen Jahren Hotelmanager auf Kreuzfahrtschiffen ist. „Ein toller Job, ich bin zwar immer längere Zeit ganz weg, dafür aber auch Wochen oder Monate ganz da“, so Marcus Path. Dann kocht der junge Vater fast jeden Tag – mit Genuss. „Schon als kleiner Junge habe ich meiner Mutter fasziniert beim Kochen über die Schulter geschaut“, erinnert sich der gebürtige Holsteiner.

In den drei Gängen, mit denen Marcus Path bei dem Kochwettbewerb antritt, den das Unternehmen Förde-Küchen und unser Schleswig-Holstein-Journal ausrichten, stecken viele gute Zutaten von der Insel. Zum Beispiel im saftigen Sylter Walnussbrot, das der Hobbykoch natürlich selbst gebacken hat. Dazu kommt allerdings Glückstädter Matjes, der in hauchdünne Scheiben geschnitten wird, die auf den Tellern in Form einer Rosette angerichtet werden. Olivenöl, Limettensaft, Ingwer, Pfeffer, Zucker, Knoblauch und roter Chili als fruchtig scharfes Dressing machen die Vorspeise perfekt. Während diese zubereitet wird, schmoren schon lange die Backen vom Sylter Galloway mit Gemüse, Kräutern, Rotwein, Brühe und Tomatenmark bei 160 Grad im Backofen butterzart. Dazu serviert der Wahl-Sylter eine delikate, herbstliche Lasagne aus Steckrüben und Steinpilzen – mit selbst hergestellter Béchamelsoße. Zur Dekoration werden noch Streifen von Roter Bete zu Nestern geformt – optisch und geschmacklich ein Genuss!

Das Dessert kommt schon vorweihnachtlich daher. „Ich selbst mag gar keine warmen Äpfel, aber dieser Nachtisch wird immer sehr gelobt“, sagt Marcus Path. Gemeint sind die fruchtig saftigen Äpfel, die der 48-Jährige mit selbst zubereitetem Mandelpudding füllt und zu Bratäpfeln backt. Die Krönung ist die Vanille-Gewürz-Soße, für die Milch, Zimtstangen, Nelken, Sternanis, eine ausgekratzte Vanillestange und Zitronenschale aufgekocht und durch ein Sieb passiert werden. Mit sechs, mit Zucker verrührten, Eigelben wird die Milch, die herrlich nach Weihnachten schmeckt, nochmal aufgekocht. Über Soße und Bratäpfel streut Marcus Path dann noch Mandelkrokant. Eine neue Küche wäre für die junge Familie der Hit. Denn: „Bei der Einrichtung dieser Küche haben wir schon sehr auf den Preis geachtet.“

Schon seit Jahren verfolgt Monika Samways unseren Koch-Wettbewerb. „Mit Begeisterung, denn es sind tolle Menüs, die dort in den vergangenen Jahren präsentiert wurden“, sagt die 55-Jährige, die im schönen Malente lebt. In diesem Jahr hat sich die Mutter zweier erwachsener Kinder ein Herz gefasst – und selbst eine Bewerbung verfasst und abgeschickt. „Wir wohnen zwar in einem schönen Haus, aber zur Miete. Deshalb haben wir ein eigenes Haus gekauft, für das wir eine neue Küche sehr gut gebrauchen könnten“, sagt Monika Samways. Die leidenschaftliche Hobbyköchin hatte Zweifel, ob ihre Rezepte mit denen ihrer Mitbewerber um eine Traumküche mithalten können. Nach dem Besuch des Küchenlust-Teams steht fest – diese Bedenken waren vollkommen überflüssig.

Fix legt die Lehrerin nach einer herzlichen Begrüßung in ihrer geräumigen Küche los – parallel hantiert sie für alle drei Gänge. Fast nebenbei füllt Monika Samways die flach geklopften Hähnchenbrustfilets mit Mozzarella, Basilikumblättern und eingelegten Tomaten, formt sie zu Rollen, die mit Parmaschinken ummantelt werden. Während Fett in der Pfanne heiß wird, dünstet sie für die Vorspeise in dünne Scheiben geschnittene Möhren mit einer fein gewürfelten Schalotte an und lässt beides in gezuckertem Wasser weich dünsten. Die Hähnchen-Involtini werden heiß angebraten, daneben Wasser zum Kochen gebracht, in dem die feinen Spalten für den süßen Kürbis zum Dessert demnächst weich gekocht werden.

„Frische Zutaten, eine schnelle Zubereitung und ein besonderer Kniff – darauf kommt es mir beim Kochen an“, sagt Monika Samways. Und natürlich auf das gesellige, gemeinsame Verspeisen der Köstlichkeiten, die die Hundemutter eines Dalmatiners in der Küche zaubert. „In vielen Familien wird leider fast gar nicht mehr gemeinsam gegessen und über die Ereignisse des Tages gesprochen. Dabei tut das gerade Kindern so gut“, sagt die engagierte Lehrerin. „Ich gehe jeden Tag gerne in die Schule“, sagt die 55-Jährige, die in ihrer Freizeit auch jenseits der Küche kreativ ist, dann Skulpturen fertigt oder Bilder mit intensiven Farben malt.

Nun aber zurück zu den kulinarischen Kniffen. Für den in gebutterten Förmchen, mit Sahne und Eiern gestockten Möhrenflan ist der Clou die frische Kressesahne, die den fluffigen, mit Lachs gefüllten Flan auf dem Teller umfließt. Zu den Hähnchenrollen kommt leckeres, mit Thymianzweigen angeschmortes und mit Weißwein abgelöschtes Gemüse, dazu noch knusprig angebratene rote Kartoffeln. „Die haben ein intensiveres Aroma“, sagt Monika Samways. Die Spalten vom Hokkaido-Kürbis erhalten durch das Aufkochen mit Zimt, Zitrone, braunem Zucker und Rosinen ein ganz besonderes, süßlich-fruchtiges Aroma. Die frische Note fürs Dessert bietet eine Creme aus Schmand, Naturjoghurt, Zucker und Walnüssen aus dem eigenen Garten, die wie der gekochte Kürbis auf der Zunge zergeht.

Auch der fixen Hobbyköchin schmeckt das selbst zubereitete Menü. Käme sie ins Finale, dürfte sie eine Kochhilfe mitnehmen. „Ich glaube, allein wäre ich schneller“, sagt Monika Samways – und damit hat sie wohl recht.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen