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Perfluorierte Chemikalien : Greenpeace-Test: Outdoorbekleidung ist giftig

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Glasklare Flüsse, saftige Bergwiesen, wilde Landschaften: Mit diesen Bildern werben die Hersteller von Outdoor-Kleidung für ihre Kleidung. Dabei tragen ausgerechnet diese Firmen dazu bei, die Natur zu belasten.

shz.de von
erstellt am 25.Jan.2016 | 10:15 Uhr

München | In wetterfester Outdoor-Kleidung, Schlafsäcken oder Zelten setzen viele Hersteller nach einer Untersuchung von Greenpeace immer noch giftige Chemikalien ein. Bei einem Test von 40 Produkten fand die Umweltschutzorganisation fast überall per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC). „Nur in 4 von 40 Artikeln wurden keine PFC festgestellt“, teilte Greenpeace am Montag auf der weltgrößten Sportmesse ispo in München mit.

Greenpeace prangert seit Jahren den Einsatz gefährlicher Chemikalien in wasserdichten Jacken, Hosen oder Rucksäcken an. Die sogenannten PFC sorgen dafür, dass Wasser und Schmutz von der Kleidung abperlen und diese sich auch bei anhaltender Nässe trocken und leicht anfühlt. Für die Umwelt sind die Stoffe aber eine Belastung und stehen zudem im Verdacht, krebserregend zu sein.

Fragen und Antworten:

Welche Folgen hat die giftige Outdoor-Kleidung?

Die perfluorierten Chemikalien verbreiten sich rund um den Globus: „Sie reisen mit der Atmosphäre und den Meeresströmungen auch in abgeschiedene Gebiete.“ Bei einer Expedition in entlegene Gebirgsregionen - etwa im chinesischen Shangri-La-Gebiet, im russischen Altai-Gebirge oder im Torres-del-Paine-Nationalpark in Chile - fanden Umweltaktivisten im vergangenen Jahr Spuren von PFC in Wasser- und Schneeproben.

Sind die Chemikalien auch für den Menschen gefährlich?

Perfluorierte Chemikalien gelangen in die Nahrungskette und darüber in den Körper. Einige stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. „Die Chemikalien bleiben über viele Jahrzehnte in der Natur und reichern sich durch Trinkwasser und Nahrung im Körper an“, erklärt Greenpeace.

In der Leber von Eisbären seien sie genauso zu finden wie in Muttermilch und menschlichem Blut. Die Organisation fordert deshalb seit Jahren einen vollständigen Verzicht auf die Stoffe.

Warum werden die Chemikalien immer noch verwendet?

Die meisten Hersteller nehmen das Thema ernst und suchen nach neuen Materialien. Dass die Umstellung nicht schneller geht, begründen die Firmen mit der schwierigen Suche nach Alternativen zum PFC. „Zur Wasserabweisung gibt es mittlerweile auch gute umweltverträgliche Alternativen“, sagt Benedikt Tröster vom Outdoor-Bekleidungshersteller Vaude. Allerdings seien diese nicht so funktional wie die PFC-Produkte: Schmutz oder Öl perlten nicht so gut ab, und auch die Wäsche sei ein Problem: „Nach zwei bis drei Wäschen muss man unter Umständen nachimprägnieren.“

Welche Alternativen sind möglich?

Das Unternehmen Gore hat vor kurzem erstmals Kleidung vorgestellt, bei der die wasserdichte Membran außen ist - und nicht wie sonst üblich unter einer weiteren Textillage. „Indem die Membran nach außen gekehrt wird, kann deren natürliche wasserabweisende Eigenschaft genutzt werden“, erklärt Firmensprecherin Anja Herberg. Normalerweise wird die wasserdichte Membran in Outdoor-Kleidung von einer weiteren Textilschicht geschützt, damit sie bei mechanischen Belastungen keine Löcher bekommt. Diese obere Schicht umweltfreundlich zu produzieren, ist derzeit das größte Problem für die Hersteller: Die Kleidung bleibt zwar wasserdicht, fühlt sich aber an der Oberfläche klamm und schwer an. Vaude hatte nach eigenen Angaben schon eine PFC-freie Ausrüstung erfolgreich getestet. „Die fertig produzierten Muster fielen dann jedoch im Test durch: Der Oberstoff saugte das Wasser auf.“ Bis 2020 will das Unternehmen aber komplett auf PFC verzichten.

 

Für den aktuellen Test hatte Greenpeace vor allem Produkte namhafter ausländischer Hersteller untersucht, die auch auf der ispo ausstellen. „Dies sind enttäuschende Ergebnisse für Outdoor-Liebhaber, die sich ihre Ausrüstung sauber und umweltfreundlich wünschen“, sagte Manfred Santen, Chemie-Experte bei Greenpeace, und forderte die Hersteller erneut auf, Risiko-Chemikalien durch umweltfreundliche Alternativen zu ersetzen.

 

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