Anzeige: Flensburger Fahr Rad Sommer : Städte für Menschen – Städtedenker und Architekt Prof. Dr. Jan Gehl im Interview

Prof Dr. Jan Gehl, dänischer Architekt, Stadtentwickler, Sozialforscher und Berater

Prof Dr. Jan Gehl, dänischer Architekt, Stadtentwickler, Sozialforscher und Berater

Prof. Dr. Jan Gehl – einer der bekanntesten Architekten und Städtedenker weltweit – kommt an die Flensburger Förde

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09. Juni 2021, 16:56 Uhr

Flensburg | Er gehört zu den absoluten Stargästen des ersten Flensburger Fahr Rad Sommers: Prof. Dr. Jan Gehl. Fast sein ganzes Leben lang beschäftigt sich der heute 84-jährige dänische Architekt, Stadtentwickler, Sozialforscher und Berater damit, Städte humaner, liebenswerter und damit besser zu machen. Als Vater des Umbaus von Kopenhagen zu einer der lebenswertesten Städte der Welt gehört Gehl zu den maßgeblichen Initiatoren, die hinter dem Umbau Moskaus und der Wiederbelebung Manhattans und vieler anderer Städte stehen. Es gibt nur wenige so erfahrene und gleichzeitig feinfühlige Experten in der Welt, die Probleme in der Gestaltung großer und kleiner Städte so präzise analysieren und gleichzeitig stadtspezifische Lösungen entwickeln können, um sie zu beheben. Noch besser als Bücher über ihn oder von ihm zu lesen ist es nur, ihm persönlich zu begegnen. Oliver Berking, Hauptorganisator des Fahr Rad Sommer, hat sich mit Jan Gehl über Perspektiven und Visionen unterhalten.

Oliver Berking: Eigentlich weiß heute jeder, dass sich die Gestaltung der Innenstädte und die Formen der Mobilität in ihnen deutlich verändern und humaner werden müssen. Aber noch immer werden diese Themen von vielen hitzig und manchmal wütend diskutiert. Du hast in vielen Ländern und Städten gearbeitet. Gibt es einen einfachen ersten Schritt, den Du jeder Stadt empfehlen würdest, um Kritiker von den notwendigen Veränderungsprozessen zu überzeugen?

Jan Gehl: Informationen und Fakten, Informationen und Fakten, Informationen und Fakten! Ich sage eigentlich immer: Verändert erst die Denkweise und dann Eure Stadt. Viele meiner Stadtprojekte haben tatsächlich mit einem Vortrag von mir begonnen, in dem ich gezeigt und erzählt habe, wie man in anderen Städten vorgegangen ist und was damit erreicht werden konnte.

Oliver Berking: Was war die größte Herausforderung in Kopenhagen und wann hast Du das erste Mal gedacht, jetzt ist die Stadt überzeugt und die Dinge gehen in die richtige Richtung? Kannst Du ein Beispiel für einen besonders großen Zweifler am Anfang nennen, der ein paar Jahre später seine damaligen Bedenken nicht mehr nachvollziehen konnte?

Jan Gehl: Die Strøget zwischen dem Rathausplatz und Kongens Nytorv wurde 1962 verkehrsberuhigt, eigentlich für den Autoverkehr geschlossen – drei Jahre bevor ich mit meinen Stadtstudien begann. Man entschloss sich dazu, um bessere Bedingungen für die vielen Geschäfte und für deren Kunden zu schaffen. Ich habe damals untersucht, wie die Strøget genutzt wurde und dokumentierte über viele Jahre, wie gut die Humanisierung dieses so wichtigen Innenstadtbereichs sowohl für das Geschäft der vielen Shops, als auch für die Menschen war. Diese Erkenntnisse veränderten allmählich die Grundeinstellung der Kopenhagener, und die so veränderte Denkweise beschleunigte dann die Veränderung der ganzen Stadt. Wir haben damals auch das ganze Leben der Stadt (als erste Stadt der Welt überhaupt) untersucht und dokumentiert. Auch das veränderte die bis dahin herrschenden Einstellungen vieler enorm. Der damalige Bürgermeister sagte einmal zu mir:“ Wenn Sie an der Architekturschule nicht alle diese Dokumentationen über das LEBEN geliefert hätten, dann hätten wir es im Stadtrat niemals gewagt, Kopenhagen zur „lebenswertesten“ Stadt der Welt zu machen.

Oliver Berking: Wie werden Städte in 40 Jahren aussehen, und was muss Dein Traumfahrzeug können?

Jan Gehl: Dieselbe Frage könnte ich Dir stellen.

Oliver Berking: Ein Bestandteil des „Flensburger Fahr Rad Sommers“ ist die Ausstellung des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt, die den Namen trägt: „Fahr Rad – Die Rückeroberung der Stadt“. Was hältst Du von diesem Titel?

Jan Gehl: Das ist ein Zitat aus einer Ausstellung in Barcelona, in der es um die „Rückeroberung der europäischen Stadt“ ging. Eine Rückeroberung für die Menschen. Es gibt viele Arten von Menschen. Fahrradfahrer sind eine davon.

Flensburger Fahr Rad Sommer: Sonderausstellung vom 12. Juni bis 22. September im Yachting Heritage Centre Robbe & Berking Museum, Am Industriehafen 5 in Flensburg. Eintritt 4 Euro, für Kinder bis 10 Jahren frei.
Weitere Informationen und noch mehr Programm: www.shz.de/fahrradsommer
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