Anzeige: Flensburger Fahr Rad Sommer : Städte für Menschen – Städtedenker und Architekt Prof. Dr. Jan Gehl im Interview

Prof Dr. Jan Gehl, dänischer Architekt, Stadtentwickler, Sozialforscher und Berater

Prof Dr. Jan Gehl, dänischer Architekt, Stadtentwickler, Sozialforscher und Berater

Prof. Dr. Jan Gehl, einer der bekanntesten Architekten und Städtedenker weltweit, im Interview

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21. Juli 2021, 00:00 Uhr

Flensburg | Er gehört zu den absoluten Stargästen des ersten Flensburger Fahr Rad Sommers und kommt im September an die Flensburger Förde: Prof. Dr. Jan Gehl. Fast sein ganzes Leben lang beschäftigt sich der heute 84-jährige dänische Architekt, Stadtentwickler, Sozialforscher und Berater damit, Städte humaner, liebenswerter und damit besser zu machen. Als Vater des Umbaus von Kopenhagen zu einer der lebenswertesten Städte der Welt gehört Gehl zu den maßgeblichen Initiatoren, die hinter dem Umbau Moskaus und der Wiederbelebung Manhattans und vieler anderer Städte stehen. Es gibt nur wenige so erfahrene und gleichzeitig feinfühlige Experten in der Welt, die Probleme in der Gestaltung großer und kleiner Städte so präzise analysieren und gleichzeitig stadtspezifische Lösungen entwickeln können, um sie zu beheben. Noch besser als Bücher über ihn oder von ihm zu lesen ist es nur, ihm persönlich zu begegnen. Oliver Berking, Hauptorganisator des Fahr Rad Sommer, hat sich mit Jan Gehl über Perspektiven und Visionen unterhalten.

Save the dates: Urbane Mobilität im Umbruch, 2.09.-05.09. im Robbe & Berking Museum – Harniskai 13, 24937 Flensburg: Expertengespräche und Vorträge, u.a. mit den Stadtentwicklern Jan Gehl und Christoph Stroschein. Die genauen Termine und Uhrzeiten finden Sie unten.

Oliver Berking: Eigentlich weiß heute jeder, dass sich die Gestaltung der Innenstädte und die Formen der Mobilität in ihnen deutlich verändern und humaner werden müssen. Aber noch immer werden diese Themen von vielen hitzig und manchmal wütend diskutiert. Du hast in vielen Ländern und Städten gearbeitet. Gibt es einen einfachen ersten Schritt, den Du jeder Stadt empfehlen würdest, um Kritiker von den notwendigen Veränderungsprozessen zu überzeugen?

Jan Gehl: Informationen und Fakten, Informationen und Fakten, Informationen und Fakten! Ich sage eigentlich immer: Verändert erst die Denkweise und dann Eure Stadt. Viele meiner Stadtprojekte haben tatsächlich mit einem Vortrag von mir begonnen, in dem ich gezeigt und erzählt habe, wie man in anderen Städten vorgegangen ist und was damit erreicht werden konnte.

Oliver Berking: Was war die größte Herausforderung in Kopenhagen und wann hast Du das erste Mal gedacht, jetzt ist die Stadt überzeugt und die Dinge gehen in die richtige Richtung? Kannst Du ein Beispiel für einen besonders großen Zweifler am Anfang nennen, der ein paar Jahre später seine damaligen Bedenken nicht mehr nachvollziehen konnte?

Jan Gehl: Die Strøget zwischen dem Rathausplatz und Kongens Nytorv wurde 1962 verkehrsberuhigt, eigentlich für den Autoverkehr geschlossen – drei Jahre bevor ich mit meinen Stadtstudien begann. Man entschloss sich dazu, um bessere Bedingungen für die vielen Geschäfte und für deren Kunden zu schaffen. Ich habe damals untersucht, wie die Strøget genutzt wurde und dokumentierte über viele Jahre, wie gut die Humanisierung dieses so wichtigen Innenstadtbereichs sowohl für das Geschäft der vielen Shops, als auch für die Menschen war. Diese Erkenntnisse veränderten allmählich die Grundeinstellung der Kopenhagener, und die so veränderte Denkweise beschleunigte dann die Veränderung der ganzen Stadt. Wir haben damals auch das ganze Leben der Stadt (als erste Stadt der Welt überhaupt) untersucht und dokumentiert. Auch das veränderte die bis dahin herrschenden Einstellungen vieler enorm. Der damalige Bürgermeister sagte einmal zu mir:“ Wenn Sie an der Architekturschule nicht alle diese Dokumentationen über das LEBEN geliefert hätten, dann hätten wir es im Stadtrat niemals gewagt, Kopenhagen zur „lebenswertesten“ Stadt der Welt zu machen.

Oliver Berking: Wie werden Städte in 40 Jahren aussehen, und was muss Dein Traumfahrzeug können?

Jan Gehl: Dieselbe Frage könnte ich Dir stellen.

Oliver Berking: Ein Bestandteil des „Flensburger Fahr Rad Sommers“ ist die Ausstellung des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt, die den Namen trägt: „Fahr Rad – Die Rückeroberung der Stadt“. Was hältst Du von diesem Titel?

Jan Gehl: Das ist ein Zitat aus einer Ausstellung in Barcelona, in der es um die „Rückeroberung der europäischen Stadt“ ging. Eine Rückeroberung für die Menschen. Es gibt viele Arten von Menschen. Fahrradfahrer sind eine davon.

Programmübersicht

  • Donnerstag, 2. September, 19 bis 20.30 Uhr: Gesprächsabend mit und über Flensburg: „Reden über Flensburg“, unter der Moderation von Carsten Kock reden Flensburger über Flensburg. Nach einem Impulsvortrag von Christoph Stroschein unter dem Titel „Nach Corona: Die Renaissance der kleinen Städte“ werden einzelne Gesprächspartner interviewt. Es soll die Frage geklärt werden: Wie kann Flensburg von diesem Trend profitieren?
     
  • Freitag, 3. September, 14 bis 16.30 Uhr: „Wie das Fahrrad die Stadt verändern kann“. Im Rahmen von Expertenvorträgen erfahrenGäste, wie das Fahrrad die Stadt verändern kann an Beispielen von Bremen, Mannheim, Berlin und Dänemark. Ab 17 Uhr wird Jan Gehl in einem Fachvortrag über die Transformationsprozesse von Städten, unter anderem am Beispiel von New York, sprechen.
     
  • Samstag, 4. September, „Flensburg, wo nur ist deine Mitte?“ Vormittags bis 15 Uhr: Öffnung des Karstadtparkhauses und Einladung auf das Dach des ehemaligen Karstadtgebäudes. Interessierte können sich von dort aus einen Überblick über die Mitte Flensburgs verschaffen. Im Anschluss findet von 15 bis 17 Uhr im Robbe & Berking Museum ein Vortrag über die Geschichte Flensburgs und über die Bestandteile der Flensburger Mitte und seine Gestaltungsmöglichkeiten statt. Von 17.30 Uhr bis 18.30 erfahren Gäste mehr von Jan Gehl und seinem Vortrag „Die menschenfreundliche Stadt“.
     
  • Sonntag, 5. September, 12 bis 14 Uhr: Hier gibt es die Möglichkeit, an der Hafenspitze mit Jan Gehl ins Gespräch zu kommen.

Anmeldungen sind erwünscht unter yhc@robbeberking.de oder Facebook: Flensburger Fahrradsommer.

Flensburger Fahr Rad Sommer: Sonderausstellung vom 12. Juni bis 22. September im Yachting Heritage Centre Robbe & Berking Museum, Am Industriehafen 5 in Flensburg. Eintritt 4 Euro, für Kinder bis 10 Jahren frei.
Weitere Informationen und noch mehr Programm: www.shz.de/fahrradsommer
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