Anzeige : Flensburger Fahr Rad Sommer: Ein Plädoyer fürs Radfahren

Visualisierung nahe Oberbaumbrücke: Radfahren im Schutz der Hochbahn – auch bei Regen attraktiv.

Visualisierung nahe Oberbaumbrücke: Radfahren im Schutz der Hochbahn von Berlin – auch bei Regen attraktiv.

Sonderausstellung vom 12. Juni bis 22. September im Yachting Heritage Centre Robbe & Berking Museum

julia voigt.JPG von
11. Juni 2021, 00:00 Uhr

Flensburg | „Fahr Rad! – Die Rückeroberung der Stadt“ Der Name dieser im Robbe & Berking Museum präsentierten Ausstellung des Deutschen Architekturmuseums Frankfurt ist Pogramm. Mit dem Ziel, den öffentlichen Raum in Städten neu und lebenswerter zu ordnen, setzt sich das Projekt für eine Entwicklung unserer Städte in der Zukunft ein: Weg vom Auto, hin zum Fahrrad! Zu sehen ist die Ausstellung im Rahmen des Flensburger Fahr Rad Sommers vom 12. Juni bis 22. September zu den gewohnten Öffnungszeiten des Museums. Im September kommt er ins Yachting Heritage Centre Robbe & Berking Museum nach Flensburg.

Die Ausstellung entstand ursprünglich im Auftrag des Dezernats für Kultur und Wissenschaft vom Kulturamt der Stadt Frankfurt. Ziel war der Austausch und die Zusammenarbeit der verantwortlichen Städtebauer, Landschaftsarchitekten und Verkehrsplaner unter Einbezug der Öffentlichkeit und Wissenschaft. Zu sehen war sie bereits 2018 im Frankfurter Architekturmuseum und wird nun in den hohen Norden direkt an die Förde geholt.

Gelungene Vorzeigeprojekte

Wie kann eine Stadtentwicklung aussehen, die zukünftig noch mehr Menschen auf das Rad lockt? Die Kernfrage beschäftigt seit Monaten die Macher des Flensburger Fahr Rad Sommers. Mehr als 80% der Deutschen besitzen ein Fahrrad, so der nationale Radverkehrsplan 2020. Bereits heute werden etwa 11% aller Strecken mit dem Rad zurückgelegt und auf kurze Distanz ist das Fahrrad sogar die schnellste Möglichkeit der Fortbewegung. Zudem ist es als Transportmittel jeder Bevölkerungsgruppe zugänglich und äußerst umweltfreundlich – ganz im Gegensatz zu Autos. Fahrräder fördern eine leisere Stadt, die gesunde Fortbewegung der Bürger und sparen außerdem Platz. Sie nehmen nur einen Bruchteil des Platzes weg, den Kraftfahrzeuge für sich in Anspruch nehmen. So entsteht letztendlich mehr Raum für Grün- und Freiflächen für eine lebenswertere Stadt.

Wie eine Entwicklung zu solchen „Fahrradstädten“ in Zukunft aussehen könnte, zeigt die Ausstellung „FAHR RAD!“ am Beispiel von acht Großstädten und Regionen. Sie gelten als gelungene Vorzeigeprojekte, aus deren Erfolgen und Erfahrungen zu lernen ist. Denn für mehr sozialen, grünen und lebenswerten Raum durch fahrradgerechte Infrastrukturen, müssen Städtebau, Landschaftsarchitektur und Verkehrsplanung zusammenkommen. Unterschiedliche Schwerpunkte ergeben sich bei der Fahrradfreundlichkeit durch geografische, klimatische und größenbezogene Unterschiede. Hinzu kommen die Herausforderungen der städtischen Ballungsräume.

Auf den immer dichter werdenden Verkehrsflächen bewegen sich unterschiedliche Fortbewegungsmittel – vom Kinderwagen über Radfahrer bis hin zum Lieferverkehr. Das erfordert eine durchdachte Neuverteilung des öffentlichen Raums, bei der das Fahrrad als Verkehrsmittel einen förderlichen Beitrag zur Lebensqualität in einer Stadt leisten kann.

Um nun auf lange Sicht Autos durch Fahrräder zu ersetzen, dazu muss in den Städten die Infrastruktur für das Radfahren weiter ausgebaut werden. Nach einer Radfahrer-Typologie des Radverkehrsbeauftragten Roger Geller von Portland, zeigen etwa 60% der Portländer prinzipiell Interesse am Radfahren. Allerdings fühlen sie sich nicht sicher genug. Es gilt also, die Verkehrssicherheit insoweit zu verbessern, dass die Menschen das Fahrrad auch nutzen.

Erfolgreiche Fahrradstädte als Vorbild

Die Paradebeispiele der Ausstellung zeigen unterschiedliche Ansätze, wie eine fahrradgerechte Mobilität in Städten und im Umland trotz der bekannten Herausforderungen erreicht werden kann. Es handelt sich dabei um die Präsentation der folgenden acht Städte/ Regionen:

  • Kopenhagen
  • New York
  • Karlsruhe
  • Oslo
  • Portland
  • Barcelona
  • Gröningen
  • Das Ruhrgebiet

In einzelne Stationen aufgeteilt, präsentiert das Museum jedes Beispiel mit ansprechenden Informationstafeln. Zahlen und Fakten werden durch viel Bildmaterial, haptische Eindrücke und bewegte Bilder aufgelockert.

Neben den Informationsständen, finden sich 26 internationale Einzelprojekte in den einzelnen Gängen der Ausstellung. Sie alle verbindet, dass sie die Fahrradmobilität in ihre Architektur- und Stadtplanung mit einbezogen haben. Als Beispiel ist hier der Radweg „Lightpath Te Ara I Whiti“ in Neuseeland zu nennen. Früher war die Rampe eine Autobahnausfahrt, die jedoch durch Veränderungen des Verkehrsnetzes überflüssig wurde. Heute ist sie eine wichtige Verbindung für Fußgänger und Radfahrer zum innerstädtischen Radwegenetz von Auckland. Lichtsäulen entlang des Radwegs ermöglichen auch nachts eine gute Sicht und setzen die Farbe des Untergrunds in Szene.

Der unmittelbare Aufschwung – mehr als 200.000 zusätzliche Fahrradfahrten im ersten Jahr – bewies den Wert des Weges in Auckland, Neuseeland.
Monk Mackenzie Architects

Der unmittelbare Aufschwung – mehr als 200.000 zusätzliche Fahrradfahrten im ersten Jahr – bewies den Wert des Weges in Auckland, Neuseeland.

 

Besondere Architekturprojekte sind vereinzelt auch als Miniaturmodell ausgestellt, wie das Fahrradparkhaus am Utrechter Bahnhof. Es ist das größte Fahrradparkhaus der Welt und bietet 13.000 Stellplätze. Die Stadt vereinfacht Pendlern somit die Anreise mit dem Fahrrad. Ein anderes Projekt ist der Mainzer Fahrradpavillon auf dem Hindenburgplatz. Das Karussellsystem bietet auf jeweils vier Quadratmetern Stellplätze für 12 Fahrräder. Der Prototyp wird von der Stadt, der Stiftung für Klimaschutz und dem MVGmeinRad zur Verfügung gestellt, um dem Platzproblem in den Mainzer Wohngebieten entgegen zu kommen. Viele Radbesitzer haben in ihrer Wohnung nicht genügend Platz, um die Fahrräder sicher zu deponieren. Der Fahrradpavillon soll die Fahrräder auf den städtischen Straßen vor Witterung, Vandalismus und Diebstahl schützen.

Also: Steig auf’s Rad!

Die genannten Beispiele, aber auch die weiteren vorgestellten Städte und Projekte auf der Ausstellung, zeigen auf beeindruckende Weise, was hinter dem Begriff „Fahrradstadt“ steckt. Es ist mehr als nur eine Marketing-Strategie. Es ist die Überzeugung, dass es wichtig für Städte ist, das Fahrrad heute und in Zukunft stark zu machen.

Was hängen bleibt, ist ein Appell an die Besucher der Ausstellung, an die Politik und die Bewohner in Städten im Allgemeinen. Der Appell lautet: Steig auf’s Rad! Das bedeutet auch, dass der Blick von Radlern und Fußgängern eingenommen werden muss, um die Verkehrswege umzubauen. Wenn diese dann auch von Kindern und Senioren unbesorgt befahren werden, ist die Radverkehrsinfrastruktur gut und damit das Ziel erreicht. Es bleibt abzuwarten, wie weit sich das immer beliebter werdende Fahrrad in den Großstädten der Welt wird durchsetzen können und inwieweit es auch seine Konkurrenten zu verdrängen vermag. Die Ausstellung stimmt diesbezüglich zuversichtlich und zeigt, dass die Rückeroberung der Stadt in zahlreichen Fällen bereits Realität geworden ist und viele weitere Städte das Potenzial dafür bieten.

Die Ausstellung ist nur ein kleiner Teil eines mit vielen Highlights gespickten Flensburger Fahr Rad Sommers. Weitere Informationen finden Sie unter www.shz.de/fahrradsommer

Yachting Heritage Centre Robbe & Berking Museum
Harniskai 13, 24937 Flensburg
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr
Eintritt 4 Euro, für Kinder bis 10 Jahren frei.

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