Wellness-Trend Waldbaden : Entspannen und Kraft tanken in freier Natur

Waldbaden bringt Entspannung und die Seele wieder in Balance.
Waldbaden bringt Entspannung und die Seele wieder in Balance.

Fast ein Drittel der Fläche Deutschlands besteht aus Wald. Doch wissen wir das auch für unsere Gesundheit zu nutzen?

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29. März 2021, 06:32 Uhr

Gerade in Zeiten des Lockdowns kann ein Trend aus Japan die freie Natur zum immer offenen Fitness-, Therapie- und Gesundheitszentrum machen: Das sogenannte Waldbaden. Einfach in den Wald zu gehen, um gesunde, frische Luft zu schnappen und sich dabei zu bewegen, ist schon einmal eine gute Idee – gerade, wenn einem in Zeiten des Lockdowns zuhause die Decke auf den Kopf fällt. Dass im Wald aber noch sehr viel mehr möglich ist als einfach nur Spazierengehen, haben japanische Forscher bereits in den 80er-Jahren herausgefunden. Und meinen dabei nicht nur Joggen, Trimmpfade, Leistungswandern oder Pilze sammeln. Klar, all das kann man in das „Shinrin-Yoku“, wie Waldbaden auf Japanisch heißt, integrieren. Aber über die reine körperliche Ertüchtigung hinaus geht es bei dem neuen Gesundheitstrend um Entspannung und darum, die Seele wieder in Balance bringen.

Dabei kann gerade langsames, gemütliches Gehen, das nicht mit körperlicher Anstrengung verbunden ist, dabei helfen, wieder so etwas wie seelische Ausgeglichenheit wiederherzustellen. Denn der Wald bietet zahlreiche Möglichkeiten dafür, Dinge mit allen Sinnen bewusst wahrzunehmen. Dazu gehört es, zwischendurch auch mal stehenzubleiben, innezuhalten und eine Pause zu machen, um tief und nachhaltig zu empfinden, was man sieht, hört, riecht und spürt. Der Geruchssinn wird insbesondere durch das vergleichsweise feuchte Klima des Waldes angesprochen. Der Hörsinn durch das Rauschen der Blätter, das Raschen im Gebälk oder das Gezwitscher der Vögel. Und nicht zuletzt gibt es sehenden Auges Einiges zu entdecken. Und der Blick in die Ferne oder in die Höhe zu den Baumwipfeln entspannt und entlastet die vom Monitor im Homeoffice ermüdeten Augen.

In Japan ist Waldbaden von der Krankenkasse anerkannt

Seit acht Jahren gilt an japanischen Hochschulen auf der Grundlage der naturnahen Gesundheits- und Entspannungsmethode Waldbaden die sogenannte „Waldmedizin“ sogar als eigenständiger Forschungszweig. Spezielle Waldgebiete wurden zu Wald-Therapiezentren ernannt, in denen insbesondere Menschen aus den Großstädten ein reinigender Aufenthalt unter fachkundlicher Anleitung eines „Waldbademeisters“ sogar per Rezept verordnet werden kann. Auch japanische Krankenkassen erkennen das Waldbaden inzwischen als effektive Therapieform und Gesundheitsmethode an. Soweit ist es zwar anderswo noch nicht, aber in Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel ist es seit diesem Jahr Beschäftigten aus medizinischen Berufen möglich, eine Fortbildung zum „Waldtherapeuten“ zu absolvieren.

Im Wald lassen sich eine Vielzahl an Farben, Gerüchen und Geräuschen wahrnehmen.
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Im Wald lassen sich eine Vielzahl an Farben, Gerüchen und Geräuschen wahrnehmen.

Seit jeher auch in Kunst und Literatur ein Sehnsuchtsort der Deutschen, wird der Wald also gerade auch hierzulande als Therapie- und Gesundheitsraum in freier Natur entdeckt, der an keinerlei Öffnungszeiten gebunden ist. Im Vordergrund steht dabei das kräftige Durchatmen und das bewusste Wahrnehmen der Vielzahl an Farben, Formen, Gerüchen und Geräuschen, die es im Wald zu entdecken gibt. Bereits im Rahmen der niedersächsischen Landesgartenschau in Bad Iburg 2019 wurden Besucher bewusst dazu eingeladen, auf Liegen, Schaukeln und in trockenen „Wald“-Badewannen zwischen den Bäumen oder auf Lichtungen Kraft zu tanken. Andernorts werden mitunter spezielle „Gesundheitswälder“ ausgerufen. Es hat sich also inzwischen herumgesprochen, dass Wald geradezu prädestiniert dafür ist, ein Ort der Besinnung, Entspannung, Meditation, Inspiration und reinen Naturerfahrung gleichermaßen zu sein, an dem sich nachhaltig Stress abbauen lässt.Stärkung.Stärkung

Gut für Körper und Seele

Neben dem seelischen Wohlbefinden ist das Waldbaden aber auch der körperlichen Gesundheit ausgesprochen zuträglich. Schulmedizinische Erkenntnisse aus Japan weisen darauf hin, dass feuchte Erde, vermodernde Vegetation und insbesondere die in der Waldluft enthaltenen Terpene und ätherischen Öle nicht nur das Immunsystem insgesamt, sondern auch die Killerzellen gegen Viren und Bakterien stärken. Auch eine blutdrucksenkende Wirkung durch Waldbaden konnte nachgewiesen werden. Es spricht also wenig dagegen, sich und seiner körperlichen und seelischen Gesundheit mit einem bewussten, achtsamen Aufenthalt im facettenreichen Ökosystem Wald etwas Gutes zu tun. Nicht einmal ein Lockdown. Denn geöffnet ist immer.

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