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Ostern 2016 : Ostereier, Osterfeuer, Osterhase - die wichtigsten Osterbräuche im Überblick

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Aus der Onlineredaktion

Warum stehen ausgerechnet Hase und Lamm symbolisch für Ostern? Was hat es mit dem Osterwasser auf sich? Und warum gibt es Ostereier und Osterfeuer? shz.de erklärt die wichtigsten deutschen Osterbräuche.

shz.de von
erstellt am 11.Mär.2016 | 00:00 Uhr

Die Schokohasen stehen als Vorboten schon lange in den Verkaufsregalen der Supermärkte, doch bald ist es tatsächlich soweit: Am letzten März-Wochenende ist Ostern. Der Termin wechselt von Jahr zu Jahr und richtet sich nach dem ersten Vollmond nach dem Frühlingsanfang. Dann gedenken die Christen der Kreuzigung und Auferstehung Jesu - seit rund 1800 Jahren. So haben sich im Laufe der Zeit zahlreiche Osterbräuche entwickelt. Das sind die wichtigsten:

Der Osterhase

Die Verbindung des Hasen mit dem Osterfest hat verschiedene Ursachen: Da Hasenweibchen bis zu 20 Junge pro Jahr bekommen können, gilt der Hase als Symbol der Fruchtbarkeit und der Zeugungskraft - das wiederum passt zum Fest der Auferstehung und des Lebens. Zusätzlich gilt der Hase als Mondtier, was Ähnlichkeit zum Ostertermin - dem ersten Wochenende des Frühlingsvollmondes - aufweist. Da Hasen keine Augenlider haben, schlafen sie mit “offenen Augen“ und galten im alten Byzanz als Symbol für Jesu, der im Tod das Leben gebracht hat.

Heute ist der Hase als Eierbringer bekannt. Ein Hasenbild war dem Osterbrot aufgeprägt, in das ein Ei eingebacken war. Daher entstand die Legende des eierlegenden Hasen. Bis diese sich durchgesetzt hatte in der Bevölkerung, verging jedoch einige Zeit: Die ersten Belege, wonach der Hase die Eier bringt, stammen aus dem Jahre 1678 und tauchten in der Pfalz, dem Elsass und am Oberrhein auf. Je nach Region brachten bis dato der Fuchs, der Kuckuck oder - wie in Schleswig-Holstein - der Hahn die Eier. Erst im 19. Jahrhundert setzte sich der Glaube an den Osterhasen flächendeckend durch.

 

Das Osterei

Ähnlich wie der Hase hat auch das Ei verschiedene Bedeutungen, die sich zumindest teilweise auf das Osterfest übertragen lassen: Schon früh in der Kulturgeschichte galt das Ei als Ursprungsort des Menschen. Bereits in der Urchristenzeit war es Sinnbild des Lebens und der Auferstehung. Der Grund: Es hält etwas verborgen und ist wie ein verschlossenen Grab - aus dem dann aber neues Leben hervorgeht. Damit wird die Beziehung zur Auferstehung Christi deutlich. Früher war es üblich, dem Grab von Toten ein Ei mitzugeben.

Bunt geht es bei Viktor Leinekker auf dem Frühstückstisch zu. Tipp: Ein paar Eier können auch einfach weiß bleiben. Sieht klasse aus!
  Foto: Leinekker

Daneben war das Ei im Mittelalter eine Berechnungseinheit für Pacht und Zins. Da Ostern feststehender Zahlungstermin war, wurden den Grundherren Eier als Gegenleistung für gepachtetes Land überreicht.

Zudem wurde während des Mittelalters die 40-tägige Fastenzeit als Vorbereitung auf Ostern sehr ernst genommen. Während dieser knapp sechs Wochen war auch der Verzehr von Eiern untersagt. Bis zum Osterfest, das die Fastenzeit beendet, sammelten sich somit viele Eier an. Sie wegzuwerfen, kam im Mittelalter nicht infrage, dafür waren die Eier zu kostbar. Und so hat man die Eier einfach gekocht, damit sie nicht so schnell verderben und länger haltbar sind. Da der angestaute Vorrat an Eiern von einem Haushalt in der Regel nicht zu verzehren war, wurden Eier auch an Freunde, Bekannte und Verwandte verschenkt.

 

Ostereier bemalen

Das Färben von Ostereiern ist bereits seit vielen Jahrhunderten üblich: Die ersten Berichte von farbigen Ostereiern liegen bereits rund 800 Jahre zurück. Da Eier während der Fastenzeit nicht gegessen werden durften, sollten gerade die in der letzten Woche vor Ostern gelegten Eier etwas Besonderes sein. Daher wurden sie geweiht und bemalt. Zudem ließen sie sich so besser von den älteren Eiern unterscheiden.

imago/Westend61
imago/Westend61

Doch die Eier wurden nicht mit willkürlichen Farben versehen, sie hatten bestimmte Bedeutungen: Rot war die Farbe des Blutes von Jesus Christus, orange sollte Kraft, Ehrgeiz und Ausdauer symbolisieren, während weiß als Farbe der Reinheit gilt und gelb als Farbe von Erleuchtung und Weisheit.

In Osteuropa hingegen lassen sich eher goldfarbene Eier finden, als Zeichen der Kostbarkeit. Bis heute gibt es regional viele verschiedene Grundfarben für das Osterei, die aus verschiedenen Bedeutungen heraus erwachsen sind.

 

Die Ostereier-Suche

Für Kinder ist es der Höhepunkt des Osterfestes: Die Suche nach dem Ostereier-Nest am Ostersonntag. Dieser Osterbrauch ist noch nicht so alt und wurde im 17. Jahrhundert das erste Mal in Deutschland schriftlich erwähnt. Allerdings ist bis heute nicht geklärt, welchen Ursprung die Ostereiersuche hat. Dies liegt auch daran, dass die Entstehung dieses Brauchs in die Zeit des Übergangs vom Heidentum zum Christentum gesetzt wird. Damals machte sich die Kirche einige heidnische Bräuche zu eigen.

Ostereier suchen: Am besten bewahrt jedes Kind seine Schätze im eigenen Osternest auf, damit es keinen Streit gibt.
  Foto: Tobias Hase

Historiker vermuten jedoch, dass die Tradition rund um das gefärbte Ei mit der Symbolik von Fruchtbarkeit und der kirchlichen Lehre von der Auferstehung Jesu Christi zusammenhängt.

 

Osterlamm

Als zweites Tier neben dem Hasen kommt auch dem Lamm beim Osterfest eine besondere Bedeutung zu. Entstanden ist die Osterlamm-Tradition aus dem jüdischen Passahfest, bei dem der Auszug aus Ägypten und somit die Befreiung der Israeliten aus der Gefangenschaft gefeiert wird. Rituell wird daher beim Pessahfest zum Gedenken an Gott ein Lamm geschlachtet und verspeist.

Foto: imago/epd

Im Christentum wurde das Lamm symbolisch zum Lamm Gottes und wird als Symbol des Lebens verstanden. In vielen Kirchen weist an Ostern eine Fahne auf den Sieg des Lamms hin, das den Tod überwunden hat. Zusätzlich gilt das Lamm aufgrund seines weißen Fells als ein Symbol für Reinheit und Frieden und soll zu einer friedlichen Lebensweise anmahnen.

Ähnlich wie beim jüdischen Pessahfest findet sich das Lamm auch hierzulande an Ostern meistens auf der Speisekarte: Neben Lammbraten gibt es in vielen Haushalten auch ein aus Rührteig gebackenes Osterlamm.  

 

Das Osterfeuer

Am Karsamstag oder am Ostersonntag versammeln sich zum Sonnenuntergang hin Jahr für Jahr hunderttausende Menschen an den zahllosen Osterfeuern in Deutschland. Daran hat sich in den vergangenen Jahrtausenden nicht viel geändert - abgesehen davon, dass das Osterfeuer mittlerweile vielerorts zum Massenereignis geworden ist.

Die Tradition des Osterfeuers reicht sogar in die vorchristliche Zeit zurück. Das Feuer an sich war schon den Menschen im Altertum und deren Göttern heilig. Mit Frühlingsfeuern wurde in heidnischer Zeit die Sonne begrüßt, die als Mittelpunkt des Lebens galt. So sollte nach dem kalten Winter im Frühling die Sonne durch das Feuer wieder auf die Erde gezogen werden, damit es warm wird und die Natur zu gedeihen beginnt. Durch diesen Kult sollten demnach Fruchtbarkeit, Wachstum und die Ernte des Jahres gesichert werden.

Zugleich steht das Osterfeuer als Symbol für die Sonne, die wiederum Mittelpunkt unseres Lebens ist. Diese Bedeutung wurde auch auf Gott übertragen, da der Glaube für die Christen Ausgangspunkt ihres Lebens ist. So kam es, dass im 8. Jahrhundert in Frankreich die heidnischen Frühlingsfeuer auf den christlichen Glauben übertragen wurden. Für die Christen wurde das Osterfeuer als Sieg über den Winter und die Auferstehung Jesu umgedeutet, der als Licht der Welt die Finsternis erhellt.


Die Osterkerze

Im Brauch der Osterkerze vereinigen sich die griechische, jüdische, römische und christliche Lichttradition, da das Licht als Zeichen des Lebens gilt. Im Christentum ist die Osterkerze seit dem 4. Jahrhundert ein festes Ritual des Festes, da Jesus als Ursprung des Lebens gesehen wird, der Licht in die Dunkelheit bringt und über Tod und Sterben gesiegt hat durch seine Auferstehung.

imago/chromorange
imago/chromorange

In der Osternacht von Karsamstag auf Ostersonntag wird die Kerze am geweihten Osterfeuer entzündet und in die dunkle Kirche getragen. Anschließend können die Kirchenbesucher ihre eigenen, mitgebrachten oder in der Kirche verteilten Kerzen an der Osterkerze entzünden. Diesen Brauch gab es bereits im alten Jerusalem. An Pfingsten, also 50 Tage nach dem Osterfest wenn die Entsendung des Heiligen Geistes gefeiert wird, erlischt die Osterkerze wieder.

 

Das Osterwasser

Wie das Osterfeuer geht auch das Osterwasser auf eine vorchristliche Tradition zurück: Das Wasser gilt als Ursymbol des Lebens und der Fruchtbarkeit und wurde daher bei den Germanen zum Gedenken an die Frühlings- und Fruchtbarkeitsgöttin Ostera verehrt. Erst im Laufe der Jahrhunderte nach Christus entwickelte sich daraus auch christliche Tradition.

Wer sich am Ostermorgen im fließenden Bach wäscht, bleibe ewig jung und schön, glaubte man früher. Zudem sollte das Osterwasser Augenleiden, Ausschlag und andere Krankheiten heilen, wenn es auch der Quelle geschöpft wurde. Um das Vieh vor Krankheiten zu schützen, wurde es früher am Ostermorgen in die Bäche getrieben.

Zusätzlich machten sich in der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag viele junge Frauen auf den Weg zum Bach, um schweigend Wasser gegen den fließenden Strom zu schöpfen. Das heilige Wasser wurde dann schweigend nach Hause geschleppt, um ein Jahr lang vor Krankheiten, Unglücken oder ähnlich negativen Ereignissen zu schützen.

Repro: Roßmann
Repro: Roßmann

Dieses Ritual gibt es heute so nicht mehr, doch in verschiedenen Regionen Deutschlands wird aus Dankbarkeit zum lebensspendenden Wasser der Brunnen im Dorf geschmückt und mit Osterschmuck verziert. Darüber hinaus wird im Christentum das in der Osternacht gesegnete Taufwasser als Osterwasser verstanden.

 

Osterspaziergang

Dieser Osterbrauch ist nicht christlichen Ursprungs und hat sich erst in der Moderne herausgebildet: Beim Osterspaziergang geht die ganze Familie entweder am Ostersonntag oder am Ostermontag spazieren, um den Frühling willkommen zu heißen, die Natur zu erleben und gemeinsame Zeit miteinander zu verbringen. Einige Familien nutzen den Osterspaziergang, um Ostereier für ihre Kinder zu verstecken.

imago/Westend61
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