zur Navigation springen

Neujahrsvorsätze : Den Schweinehund an die Kette legen

vom

Alle Jahre wieder fallen unsere Neujahrsvorsätze irgendwann dem inneren Schweinehund zum Opfer. So bleiben Sie dran

shz.de von
erstellt am 02.Jan.2016 | 07:15 Uhr

Abnehmen, endlich mal Sport treiben, nicht mehr so viel mit den Kindern meckern – gute Vorsätze fürs neue Jahr gibt es viele. Doch so unterschiedlich die Vorhaben sind, eins haben sie doch gemeinsam: Sie auf Dauer umzusetzen, gelingt nur selten. Die psychologische Psychotherapeutin Susanne Helmig (Foto) gibt Tipps, wie Sie es diesmal schaffen.

Frau Helmig, ist der Jahreswechsel ein besonders guter Termin für Vorsätze?
Prinzipiell ist jeder Tag dafür geeignet. Neujahr kann aber ein guter Termin sein, weil das Jahresende für viele Menschen bedeutet, Bilanz zu ziehen. Und damit auch sich klarzumachen, was man künftig anders machen möchte. Entscheidend ist allerdings die Zielformulierung und der Prozess dorthin. Ein schnell vor Mitternacht gefasster Entschluss hat wenig Aussicht auf Erfolg.

Warum nicht?
Wer sich ein Ziel setzt, muss sich über die Motive dafür und den Weg dorthin im klaren sein: Warum möchte ich zum Beispiel schlanker werden, was bedeutet es für mich und wie schaffe ich das? Die Zielformulierung ist ganz entscheidend. Und natürlich, dass ich selbst diese Veränderung möchte. Sich das Abnehmen vorzunehmen, weil jemand anders mir sagt, „du bist aber dick“, hat wenig Aussicht auf Erfolg.

Wie sollten Ziele denn formuliert werden, damit ich sie auch erreiche?
Sie sollten positiv und konkret gefasst werden. Es bringt nichts zu sagen, „ich will nicht mehr so faul sein und darum mache ich jetzt Sport“. Besser nimmt man sich vor, zweimal die Woche joggen zu gehen. Und anstatt zu sagen, „ich will nicht mehr dick sein“, hält man sich das Zielgewicht vor Augen und sagt: „Ich wiege 60 Kilo.“

Worauf kommt es noch an?
Die Ziele sollten realistisch und nicht zu rigide, zu starr formuliert sein. Und man sollte es langsam angehen. Wer nie Sport gemacht hat, aber in drei Monaten einen Marathon laufen will, wird sicher scheitern. Realistischer ist es dann, dass man in drei Monaten beispielsweise 40 Minuten am Stück laufen kann. Solche messbaren Teilerfolge sind wichtig, weil sie motivieren und beim Durchhalten helfen. Nimmt man sich zu viel vor, gibt es zwangsläufig frustrierende Rückschläge – und das ist der Punkt, an dem der innere Schweinehund zubeißt und viele aufgeben.

Gerade beim Abnehmen schmeißen aber viele hin – wie halte ich bis zum Wunschgewicht durch?
Das Problem ist ja generell, dass solche Veränderungen oft erst langfristig zum Erfolg führen, davor steht eine Phase des Verzichts. Menschen sind aber meist von kurzfristigen Zielen gesteuert. Durch Teilerfolge – etwa wenn die Waage alle zwei Wochen ein Kilo weniger anzeigt – habe ich dann schon ein Erfolgserlebnis, eine Belohnung. Das Thema Abnehmen ist aber sehr komplex. Dass Diäten langfristig nichts bringen, zeigen viele Studien. Sie stellen nur einen Ausnahmezustand dar, die Lebensgewohnheiten bleiben aber unangetastet. Die zu ändern – also den Lebensstil schrittweise auf mehr Bewegung und gesünderes Essen umzustellen, bis es irgendwann „normal“ ist – darauf kommt es an. Das ist ein großes Projekt.

Und was heißt das zum Beispiel für einen zukünftigen Nichtraucher?
Für sie gibt es Trainingsprogramme der Krankenkassen oder durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Dabei wird darauf geachtet, dass die Dosierung nur so stark reduziert wird, dass der innere Schweinehund nicht erwacht. Dies kann zum Beispiel bedeuten, dass man zunächst nur die eine Zigarette am Tag weglässt, die einem am wenigsten wichtig ist. Anderen Menschen liegt es mehr, von jetzt auf gleich ganz aufzuhören, das ist ganz unterschiedlich. Wichtig ist auch dabei aber immer, dass man sich sein Ziel und das, was man sich verspricht, vor Augen hält: Also wieder besser Luft zu kriegen, nicht mehr nach Rauch zu riechen und natürlich seine Gesundheit zu schützen.

Wie gehe ich mit Rückschlägen um?
Rückschläge sind normal, die muss man einplanen. Auf keinen Fall sind sie ein Grund zum Aufgeben nach dem Motto „jetzt ist sowieso alles egal!“. Aber vielleicht sind sie ein Anreiz, die Zwischenziele zu überdenken und eventuell auf ein realistischeres Maß herunterzuschrauben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen