Polarlichter, Sterne & Co. : Das zeigt uns der Winterhimmel

<p>Wachbleiben lohnt sich: Den Sternenhimmel am Strand genießen.</p>
Foto:

Wachbleiben lohnt sich: Den Sternenhimmel am Strand genießen.

Planetariumsleiter Rainer Christiansen erklärt im Interview, warum es sich besonders in Schleswig-Holstein auch im Winter lohnt, lange wachzubleiben, um die Himmelsphänomene zu beobachten.

shz.de von
12. Februar 2018, 04:12 Uhr

Jedes Jahr im August gibt es diese magischen Nächte, an denen bis zu 140 Sternschnuppen pro Stunde am Himmelszelt aufleuchten. Die Rede ist von den berühmten Perseiden, die den Himmel erhellen und somit viele, viele Wünsche möglich machen. Aber auch jetzt, im Winter, lohnt es sich, in der Nacht aufzustehen und die Augen gen Himmel offen zu halten.

Menke-Planetarium und Menke-Sternwarte

Wer keine Lust hat, sich im Kalten unter dem freien Abendhimmel aufzuhalten, kann die Menke-Sternwarte in Glücksburg besuchen und den Sternenhimmel unter der Fulldome-Projektionsanlage des Planetariums genießen. Dort werden über eine hochmoderne Projektionsanlage die Sterne und Planeten auf eine sechs Meter durchmessende Kuppel abgebildet, sodass man sich virtuell in Echtzeit frei durchs Universum bewegen kann. Das Menke-Planetarium informiert ebenso wie die Sternfreunde Flensburg-Glücksburg auch über anstehende Sichtungen.

Rainer Christiansen, Leiter des Menke-Planetariums der Hochschule in Glücksburg, kennt die winterlichen Himmelsphänomene – und verrät, warum es sich besonders in Nordfriesland, Angeln, Ostholstein und Dithmarschen lohnt, im Winter lange wachzubleiben.

Herr Christiansen, lohnt es sich überhaupt, im Winter zum Sternegucken aufzustehen oder kann ich getrost bis zum Sommer durchschlafen?

Rainer Christiansen: Das kann man so nicht genau sagen, beide Jahreszeiten haben ihre Vor- und Nachteile. Im Winter wird es natürlich sehr früh dunkel und bleibt auch lange dunkel, daher kann man in Winternächten recht viel am Himmel beobachten – einfach, weil der Zeitraum dafür länger ist. Viele prominente Sternbilder sind jetzt sichtbar, davon viele helle Sterne. Im Sommer ist es dagegen spät dunkel und früh wieder hell. Je weiter man in den Norden geht, desto heller bleibt es. Auch wenn die Milchstraße und das sogenannte Sommerdreieck dann sehr präsent sind, macht es die fehlende Dunkelheit schwerer, sie zu erkennen. Im Winter ist die Sichtbarkeit in den dunklen Nächten einfach besser.

Welche Sterne kann ich jetzt im Winter und im Frühjahr besonders gut sehen?

Rainer Christiansen: Dieses Jahr im Februar stehen Jupiter und Mars in den frühen Morgenstunden relativ nah beieinander, wenn man gen Süden schaut. Die Sicht wird dadurch begünstigt, dass die Planeten nicht sehr hoch über dem Horizont stehen. Als weiterer Planet kommt aktuell Saturn in der Morgendämmerung im Südosten zur Sichtbarkeit. Merkur und Venus sind von uns aus gesehen zu dicht an der Sonne, um sie mit bloßem Auge zu erkennen. Uranus und Neptun sind für eine Sichtung mit bloßem Auge zu weit entfernt. Der hellste Stern am Himmel überhaupt, der Sirius, ist einer der Nachbarsterne der Sonne – für Fahrradfahrer ist das allerdings nichts und auch nicht für die Raumschiffe, die wir bauen. Ein Raumschiff heutiger Bauart bräuchte in etwa 150000 Jahre, um die acht Lichtjahre bis dorthin zu überwinden.

Im Winter wird es früher dunkel und bleibt es auch länger, so sind Sterne besser sichtbar.
Foto: imago/photothek

Im Winter wird es früher dunkel und bleibt es auch länger, so sind Sterne besser sichtbar.

 

Wie sieht es mit den Sternbildern aus?

Rainer Christiansen: Orion, der Jäger aus der griechischen Mythologie, ist ein typisches Wintersternbild, das im Moment gen Süden gut erkennbar ist. Ganz in der Nähe befindet sich der Fuhrmann, dann die Zwillinge, Stier, Pegasus und auch die Andromeda-Galaxie ist als verschwommener Lichtfleck zu erkennen.

Welche Gegebenheiten müssen erfüllt sein, damit ich diese Sterne beobachten kann?

Rainer Christiansen: Zuallererst muss es sehr dunkel sein, weil dann ein guter Kontrast herrscht. Ein klarer Himmel ohne Wolken begünstigt eine Sichtung. Es ist heutzutage aufgrund von „Lichtverschmutzung“ kaum noch möglich, einen ganz dunklen Ort aufzusuchen. Für die Schleswig-Holsteiner im Süden des Landes gilt: Viele Sternbilder, die im Süden zu sehen sind, werden von der Lichterflut in Hamburg überstrahlt. Die größte Dunkelheit in Schleswig-Holstein gibt es in den ländlichen Gebieten, wie zum Beispiel in Nordfriesland, Angeln, Ostholstein oder Dithmarschen. Aber auch dort nur außerhalb der Ortschaften. Dort kann man auch gut Sternschnuppen erkennen. Die nächsten Sternschnuppenströme erwarten wir allerdings erst wieder im April.

Wo kann ich mich über das Auftreten von Polarlichtern informieren?

Rainer Christiansen: Polarlichter entstehen dadurch, dass geladene Partikelströme von der Sonne kommend im Erdmagnetfeld in Richtung der Magnet-Pole abgelenkt werden und dort die Gase der Atmosphäre zum Leuchten anregen – ähnlich wie bei einer Leuchtstoffröhre. Die Sonne durchläuft Aktivitätszyklen, die elf Jahre andauern – mal ist während eines Zyklus mehr los, mal weniger. Wenn auf der Sonne viel los ist, können Polarlichter entstehen. Gute Chancen auf eine Sichtung bestehen bei uns genau jetzt im Februar und März oder auch im September und Oktober. Einige Tage vor dem Auftreten der Polarlichter werden sie zum Beispiel auf der Webseite www.polarlicht-vorhersage.de angekündigt.

Was sind eigentlich Sternschnuppen und wann kann ich sie am Himmel entdecken?

Rainer Christiansen: Einzelne Sternschnuppen kommen nur gelegentlich vor, bessere Chancen auf eine Sichtung hat man, wenn die Erde durch ganze Sternschnuppenströme hindurchfliegt, wie beispielsweise im August. Sternschnuppen sind im Grunde Hinterlassenschaften eines Kometen, den man sich wie einen großen Gesteins- und Eishaufen vorstellen kann. Immer wenn dieser riesige ‚schmutzige Schneeball‘ auf seiner Umlaufbahn der Sonne näher kommt, verliert er Staub und Gas, welches sich dann auf seiner Umlaufbahn verteilt. Fliegt die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne durch so eine Wolke aus feinsten Partikeln des Kometen, wird der Kometenstaub durch die Luftreibung erhitzt und verglüht in der Atmosphäre. Da wir jedes Jahr zur selben Zeit auf die gleiche Wolke treffen, können wir die Sternschnuppenströme gut vorhersagen. Am 22. April erwarten wir die sogenannten Lyriden mit im Schnitt 18 Sternschnuppen pro Stunde. Wesentlich stärker sind die Perseiden im Sternbild Perseus, die wir am 12. August in der frühen Dämmerung mit bis zu 140 Sternschnuppen in der Stunde beobachten können.

Zum Vormerken: Termine für Sternengucker

27. Juli: Totale Mondfinsternis
Der Mond geht schon verdunkelt auf und ist ab Mitternacht wieder vollständig zu sehen. Beste Zeit: Gegen 22.00 Uhr.

11. August: Partielle Sonnenfinsternis
Die obere Hälfte der Sonne ist abgedunkelt. Beste Zeit: Vormittags. Aufpassen: Unbedingt Schutzbrille tragen!

12. August: Sternschnuppenstrom der Perseiden
Heute ist das Maximum mit bis zu 140 Sternschnuppen in der Stunde zu sehen. Auch am Abend des 11. Augusts stehen die Chancen schon gut.

Um den 17. August: Venus am Abendhimmel
Unser Nachbarplanet ist dann sehr hell am Abendhimmel zu sehen. Die Wolken, die den Planeten komplett bedecken, reflektieren das Sonnenlicht besonders gut.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen