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Starfotograf stellt in Schleswig aus : Zwischen Afrika und Antarktis

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Naturfotograf Art Wolfe ist auf der ganzen Welt zu Hause – jetzt zeigt das Stadtmuseum einen Querschnitt seines Werks.

von
erstellt am 03.Jun.2016 | 07:01 Uhr

Zwei junge Elefanten am Okawango in Botswana – fast Auge in Auge mit dem Betrachter. Eisbären aus nächster Nähe, Pinguine auf einer Eisscholle in der Antarktis. Im Schleswiger Stadtmuseum sind wieder atemberaubende Naturfotografien zu sehen. Es sind Bilder von Art Wolfe. Der 64-jährige US-Amerikaner zählt weltweit zu den gefragtesten Vertretern seines Fachs, und auch wenn Stadtmuseums-Direktor Holger Rüdel immer in den vergangenen Jahren, wenn er in seinem Hause einen Naturfotografen begrüßen konnte, nach Superlativen suchte, so wirkte er dabei diesmal doch besonders glaubwürdig.

Vielleicht lag das nicht nur an Art Wolfe, sondern auch daran, dass Rüdel selbst nicht weiß, wie es weitergeht mit den Foto-Ausstellungen. Mit ihnen hat das Stadtmuseum, das in Schleswig meist im Schatten der benachbarten Landesmuseen auf Schloss Gottorf steht, eine Nische gefunden. Im Laufe der Jahre konnte Rüdel international bekannte Namen wie Robert Lebeck, Steve McCurry oder Jim Brandenburg präsentieren, zuletzt oft in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift National Geographic. Rüdel hat in all diese Ausstellungen viel Herzblut gelegt. Im September geht er in den Ruhestand, und die Schleswiger Ratsversammlung hat noch nicht darüber entschieden, in welcher Form seine Stelle wiederbesetzt wird. Der Landesrechnungshof machte im Stadtmuseum kürzlich ein Einsparpotenzial von rund einer halben Million Euro im Jahr aus.

Zumindest im nächsten Jahr soll es trotzdem noch einmal eine große Naturfoto-Schau geben. Die Gespräche seien schon weit fortgeschritten, erklärten Rüdel und sein Kollege Rainer Danne von der Städtischen Galerie Iserlohn, mit der die Schleswiger seit Jahren zusammenarbeiten.

Als Art Wolfe von der ungewissen Zukunft des Museums hörte, bot er Schleswigs Bürgermeister Arthur Christiansen im Scherz kurzerhand an, dessen Job bis zur nächsten Wahl zu übernehmen, um die Foto-Ausstellungen zu retten. Wolfe hat über 60 Bücher veröffentlicht und unzählige Fotoserien in Zeitschriften. Aber eine Ausstellung wie jetzt in Schleswig – die erste umfassende Retrospektive seines Schaffens überhaupt – das ist auch für ihn etwas ganz Besonderes. „Wir Künstler arbeiten für unser Publikum“, sagte er. „Es ist eine wunderbare Erfahrung, dabei zu sein, wenn die Menschen bei der Ausstellungseröffnung in den Raum strömen und – vielleicht mit einem Glas Wein in der Hand – meine Bilder betrachten.“

Man braucht Wolfe nur kurz anzustupsen, und er beginnt zu erzählen, wie seine Bilder entstanden sind. Von seinen 20 Reisen in die Antarktis, die er schon hinter sich hat und auf denen er beobachten konnte, wie der Klimawandel die Natur dort verändert. Von seinen Foto-Workshops, die er in Alaska gibt, und davon, wie man sich einem Bären nähert, ohne dass man angegriffen wird. Und davon, wie er mit fortschreitendem Alter ein immer breiteres Interesse für verschiedene Motive entwickelt. „Außer Hochzeiten und Abschlussfeiern fotografiere ich alles.“ Außer der Natur haben es ihm vor allem die ursprünglichen Kulturen von Völkern in entlegenen Weltgegenden angetan.

Die Ausstellung im Stadtmuseum (Friedrichstraße 9-11) ist bis zum 30. Oktober täglich außer montags zu sehen. Eine kleine Auswahl von 20 Art-Wolfe-Bildern wird außerdem bis Ende Juni im Foyer der Nord-Ostsee-Sparkasse am Capitolplatz gezeigt.

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