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Sternenhimmel in SH : Wo Sie Polarlichter am besten beobachten

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Ein Hobby-Astronom verrät im Interview, wo und wann man Naturphänomene besonders gut beobachten kann. In Kiel zum Beispiel.

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2017 | 17:00 Uhr

Es ist weit verbreiteter Irrglaube, dass Polarlichter nur im Winter und nur am Polarkreis zu sehen sind. Carsten Jonas ist Hobby-Fotograf und Hobby-Astronom und verrät im Interview, wo Sie das ganze Jahr über Naturphänomene am weiten Himmelszelt bewundern können - und wann es sich lohnt, mitten in der Nacht zum Sternegucken aufzustehen.

Gibt es einen Ort, den Sie für die nächtliche Sichtung von Himmelsphänomenen besonders empfehlen würden?

„Es kommt immer darauf an, was man sehen möchte. Für nachtleuchtende Wolken etwa, die in 82 Kilometern Höhe schweben und von der untergegangenen Sonne angeleuchtet werden, braucht man zu Beginn der Saison freie Sicht in Richtung Norden. Das gilt im Übrigen auch für Polarlichter, die von sich aus leuchten. Generell eignet sich die Beobachtungsplattform vor dem Leuchtturm Bülk in der Nähe von Strande sehr gut zum Schauen und zum Fotografieren. Durch den oft sternenklaren Himmel mit wenig Lichtverschmutzung sind hier auch immer mal wieder Sternschuppen besser zu sehen. Wichtig ist, dass es in der Umgebung so dunkel wie möglich ist. Sind sie sehr hell, kann man Polarlichter in guten Nächten sogar von der Kiellinie aus beobachten.“

<p>Sogar von der Kiellinie aus lässt sich Polarlicht beobachten, wenn die Nächte schön dunkel und die Lichtverschmutzung gering ist.</p>

Sogar von der Kiellinie aus lässt sich Polarlicht beobachten, wenn die Nächte schön dunkel und die Lichtverschmutzung gering ist.

Foto: Carsten Jonas

Was müssen Besucher beachten, wenn Sie nach Bülk kommen?

„Sie sollten sich erst die Zeit nehmen, ihre Augen an die Dunkelheit zu gewöhnen, bevor sie zur Beobachtungsplattform kommen. Das Licht von Taschenlampen oder Handys kann ganze Serien von Langzeitbelichtungsaufnahmen zerstören. Auch brauchen die Augen bis zu 30 Minuten, um sich dann erneut an die dunkle Umgebung zu adaptieren.“

Wie weit sind Sie selbst schon gereist, um Himmelsspektakel fotografisch einzufangen?

„Die schönste Polarlicht-Sichtung hatte ich auf einem Sonderflug von Köln in Richtung Island über den Faröer Inseln. Da konnte ich das Nordlicht direkt aus dem Flugzeug aufnehmen. Jetzt im August fliege ich in die USA, um mit meiner Familie die Totale Sonnenfinsternis anzuschauen. In Madras in Oregon zum Beispiel wird der Mond die Sonnenscheibe komplett bedecken.“

Polarlichter leuchten von sich aus und sind meist grün oder rot.

Polarlichter leuchten von sich aus und sind meist grün oder rot.

Foto: Carsten Jonas

Stimmt es, dass Sichtungen von Polarlicht auch außerhalb der dunklen Jahreszeit möglich sind?

„Ja. Die Hauptsaison von Polarlichtern ist bei uns im Frühjahr und im Herbst. Dann steht die Erde günstig und es ist dunkel genug, um die Lichter zu sehen. Wir wissen meist um die zwei bis drei Tage im Voraus, ob es eine Sichtung geben könnte. Dafür fragen wir unter anderem online die Satellitendaten der NASA ab. Wir haben auch schon Sichtungen im Mai und Juni gehabt.“

Wann lohnt es sich, mitten in der Nacht zum Sternegucken aufzustehen?

„Am ehesten eignen sich die Nächte, in denen kein Mond am Himmel zu sehen ist, also zu Neumond oder auch davor. Der Himmel muss frei und schön dunkel sein. Auch im Sommer ist es zumindest ein paar Stunden in der Nacht dunkel genug, um Polarlichter zu beobachten. Zu dieser Zeit konnte ich auch schon blaue Polarlichter sehen. Mit der Website Polarlicht-Vorhersage kann jeder selbst herausfinden, wann die nächsten größeren Chancen bestehen. Hier gibt es auch eine Einführung zum Thema und Tipps für Anfänger. Auf der Website  Meteoros gibt es sogar eine Warnliste, in die man sich eintragen kann. Bei Sichtungen oder guten Prognosen wird man dann per E-Mail informiert.“

Die Beobachtungsplattform vor dem Leuchtturm Bülk eignet sich hervorragend für nächtliche Sichtungen von Polarlichtern, nachtleuchtenden Wolken und anderen Naturphänomenen.

Die Beobachtungsplattform vor dem Leuchtturm Bülk eignet sich hervorragend für nächtliche Sichtungen von Polarlichtern, nachtleuchtenden Wolken und anderen Naturphänomenen.

Foto: Carsten Jonas

Auf Ihrer eigenen Website zeigen Sie Bilder von Polarlichtern, Gewitterblitzen, leuchtenden Nachtwolken, aber auch von farbenfrohen Sonnenaufgängen und Sonnenuntergängen. Welche Ausrüstung brauchen Hobbyfotografen mindestens, um ebenso schöne Momente einfangen zu können?

„Die Handys, die derzeit auf dem Markt sind, schaffen es noch nicht, Polarlichter richtig einzufangen. Vielleicht ist die nächste Handygeneration dazu in der Lage. Um die nötige Belichtungszeit zu erreichen, braucht es ein Stativ, einen Fernauslöser und möglichst lichtstarke Objektive. Aber auch mit der Standardausrüstung kann man schon sehr viel aufnehmen. Meine Kollegen und ich kommen gerne mit Interessierten ins Gespräch, wenn wir mit unserem Equipment in Bülk sind und beraten dann auch.“

Wie kann ich mich vor Ort über die nächtlichen Naturspektakel informieren?

„In der örtlichen Sternwarte in Kronshagen sind Besucher jederzeit willkommen, um Fragen zu stellen oder einfach nur zu schauen. Hier stehen zwei Teleskope in den beiden Kuppeln und auch spezielle Geräte (zum Beispiel für die sichere Sonnenbeobachtung) zur Verfügung. Im Astrokabinett befinden sich verschiedene Modelle und ein kleines Planetarium. Wer sein Teleskop mitbringt, dem helfen wir gerne in der Handhabung und geben Tipps und Tricks mit auf den Weg. Auf der Webseite des GvA Kiel finden Sie außerdem die Termine unseres monatlichen Astro-Stammtisches“.

<p>Das Equipment steht beim 13. Aschberg-Frühjahrsteleskoptreffen, das vom 27. bis 30. April 2017 an der Globetrotter Lodge stattfand.</p>

Das Equipment steht beim 13. Aschberg-Frühjahrsteleskoptreffen, das vom 27. bis 30. April 2017 an der Globetrotter Lodge stattfand.

Foto: Carsten Jonas

Weitere Infos

Auf der Webseite von Carsten Jonas kann man sich über das Hobby „Sternengucken“ sowie das von Herrn Jonas genutzte Fotoequipment informieren. Wer sich lieber vor Wind und Wetter geschützt unter den (virtuellen) Sternenhimmel legen möchte, kann den Mediendom der Kieler Fachhochschule besuchen. Hier gibt es neben Shows auf der 360°-Sternenhimmel-Projektionskuppel viele Infos zu den Planeten unseres Sonnensystems, zu Schwarzen Löchern sowie zur Geschichte und Technik der Raumfahrt.

Über kommende Sichtungsmöglichkeiten, zum Beispiel von Polarlichtern informieren die Websiten Polarlicht-Vorhersage und Meteoros. Außerdem gibt die GvA Kiel Auskunft über die Sternwarte in Kronshagen Auskunft. Das nördlichste Teleskoptreffen Deutschlands findet jährlich auf dem Aschberg statt.

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