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Singen, tanzen, spielen : Weiblich, wild und über 60! Wilster sucht Sängerinnen für Musiktheater-Projekt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Das Kulturhaus am Markt startet gemeinsam mit der Norddeutschen Rundschau ein einmaliges Experiment. Jetzt werden nur noch mutige Mitstreiterinnen gesucht.

shz.de von
erstellt am 11.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Die drei Damen lassen sich nicht lange bitten: Mikrofon herbeigeschafft, Stühle herangerückt und schon stimmen sie ganz spontan den Udo-Jürgens-Klassiker an: „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an.“ Das Trio ist so etwas wie die Urzelle für ein in der Region bislang einzigartiges Experiment. Gemeinsam mit unserer Zeitung will das Kulturhaus am Markt ein Musikprojekt für Frauen über 60 Jahren ins Leben rufen. „Auch im Alter kann man sich ausleben und ein bisschen verrückt sein“, weiß Kulturhaus-Chef Anton Brade. Sein Plan: Möglichst viele musikbegeisterte Frauen aus der älteren Generation sollen sich in einem Workshop zusammenfinden. Die musikalische Bandbreite reicht da von Hardrock bis HipHop. Ein bisschen singen sollte man können, vielleicht auch keine Scheu vor Tanzschritten haben. „Man muss das nicht perfekt können. Man muss nur Spaß daran haben“, will Brade potenziellen Mitstreiterinnen schon im Vorfeld die mögliche Scheu nehmen. Was genau am Ende auf die Bühne kommt, soll dabei letztlich auch von den jeweiligen Lebensgeschichten der Teilnehmerinnen abhängen.

Und warum nur Frauen? „Vielleicht machen wir anschließend auch mal ein Männerprojekt“, lacht Brade. Für Frauen aber sei es einfach viel selbstverständlicher aus sich herauszugehen, während Männer lieber erst einen Schritt zurückweichen. Er ist überzeugt, dass sich in der Region eine Menge „Powerfrauen“ finden, die nur ein bisschen den Mut haben müssten, mal etwas Verrücktes zu tun. Brade betont dabei noch einmal: „Man muss am Anfang nicht alles können, nur einfach Lust dazu haben

Gesucht werden musikbegeisterte Frauen

In Workshops will Brade ab September mit möglichst vielen Teilnehmerinnen gemeinsame künstlerische Vorlieben herausfinden und ein Programm auch mit kurzen Szenen einstudieren. In einen späteren Stadium sollen noch einzelne Dozenten als Trainer hinzustoßen. Im Kulturverein gebe es zudem eine Maskenbildnerin. Auch wolle man mit Kostümen arbeiten. „Es wird für alle ein großer Spaß werden“, verspricht Brade. „Und ein bisschen wie ein Casting.“ Am Ende will er nämlich ein Trio zusammenstellen, das im nächsten Frühjahr erstmals auf der Bühne stehen soll. Brade schwebt zudem vor, dass die Gruppe auch auf eine kleine Tournee geht, zum Beispiel in Schulen oder anderen Kulturhäusern. Dafür werden aus der Schar der Teilnehmer auch Zweitbesetzungen gebraucht.

Vorbild für sein Projekt, so bekennt Brade, sei letztlich der US-amerikanische Laienchor „Young at heart“, mit dem 30 Männer und Frauen im Alter von 70 bis 100 Jahren aus einer Senioreneinrichtung heraus Furore mit Pop- und Rocksongs machten. Er ist überzeugt davon, dass es – wenn sie sich ein kleinen Ruck geben – genug Frauen gibt, die da mitmachen könnten. „Die Senioren von heute sind ja ganz anders gestrickt als früher“, hat Brade schon bei einem Workshop mit Breakdance für Senioren beobachtet. „Viele möchten aktiv sein und was Neues ausprobieren.“

Von Heavy Metal bis Schlager

So wie Camilla Bunten (66), Heinke Gordon (68) und Ingrid Jaep (76). „Ich kann nicht mehr gut laufen, habe aber ’ne Klappe“, nennt Letztere ihre spontane Motivation, bei dem Projekt mitmachen zu wollen. „Ich bin mit Theaterstücken und Sketchen aufgewachsen“, sagt Heinke Gordon. Ihre Musik sei die der BeeGees gewesen. Das Kulturhaus, so schwärmt die gelernte Textilingenieurin von der dort herrschenden ganz besonders inspirierenden Atmosphäre, sei ihr inzwischen schon fast wie eine zweite Wohnstube geworden. Inzwischen höre sie aber auch schon mal deutsche Schlager. „Meine Musik ist Elvis Presley“, bringt Ingrid Jaep die eher rockige Variante ein. „Da kann ich nicht mithalten“, meint Camilla Bunten. „Ich stehe mehr auf Strauß.“ Dafür bringt sie Erfahrung im Umgang mit Instrumenten mit. „Ich habe allerdings auch schon jahrelang nicht mehr gespielt.“

„Eine tolle Mischung“, freut sich Anton Brade und hakt gleich nach: „Vielleicht wollt ihr ja auch mal Hardrock oder Heavy Metal ausprobieren? Und was haltet ihr von HipHop?“ Ingrid Jaep, gebürtige Glückstädterin und frühere Marketing-Sekretärin, geht da ganz unvoreingenommen ran: „Wenn es schief geht, können wir ja etwas anderes machen.“

Mit Lebenserfahrung die Bühne erobern

Nun hofft das Damentrio aus Wilster gemeinsam mit Anton Brade, dass sich irgendwo im Kreisgebiet noch eine ganze Reihe mutiger Frauen findet, die in das Projekt einsteigen wollen. Aus dem spannenden Cocktail von bislang vielleicht unentdeckten Talenten und einem gerüttelt Maß an Lebenserfahrung will Brade ein Bühnenprogramm inszenieren, das letztlich auch Ansporn für viele Menschen sein kann, die sich nach dem Berufsleben in neue Abenteuer stürzen wollen.

Die Workshops jeweils einmal in der Woche sollen im Herbst starten. Eine erste Vorstellung gibt es dann vor kleinem Publikum im geschlossenen Kreis. Im Anschluss will Brade gemeinsam mit den Frauen die Gruppe zusammenstellen, die den nächsten Schritt geht. Die Norddeutsche Rundschau wird das Projekt von Beginn an begleiten. Hier können sich Interessentinnen auch bis spätestens 11. September melden (siehe unten). Und ab dann geht es getreu des Mottos von Udo Jürgens weiter: „Mit 66 Jahren, ist noch lang noch nicht Schluss“. Ganz im Gegenteil: „Da fängt das Leben an, da hat man Spaß daran.“


Wer Interesse an einer Teilnahme hat, melde sich unter redaktion.wilster@shz.de oder nach der Sommerpause ab 11. August direkt im Kulturhaus während der Bürozeiten Montag von 15-18 Uhr und Dienstag und Donnerstag von 10-13 Uhr unter 04823/5299909.

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