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Rad & Tour in SH : Von Rendsburg nach Oldenbüttel: Eine Radtour immer am Kanal entlang

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Auf der Radtour zwischen Rendsburg und Oldenbüttel am Nord-Ostsee-Kanal kommt keine Langeweile auf. Geradelt wird auf guten Wegen – ohne Autoverkehr.

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erstellt am 24.Mai.2017 | 06:30 Uhr

Frachter und Fähren, Traumschiffe und Segelboote – wer es liebt, Schiffe zu gucken, findet am Nord-Ostsee-Kanal seine „Traumstraße“. Denn beiderseits des künstlichen Wasserwegs führt ein Plattenpfad des Wasser- und Schifffahrtsamtes entlang, der auch von Radlern und Fußgängern genutzt werden darf. Ein großer Vorteil: Es gibt keinen störenden Autoverkehr und auch keine starken Steigungen. Die Strecke verläuft völlig eben. Nur wenn der Wind mal steif von vorne kommt, kann es anstrengend werden.

In Rendsburg führen viele Wege an den Kanal. Erfordert die Route durch die Stadt noch erhöhte Aufmerksamkeit, wird es ruhiger, wenn der Stadtpark am Stadtsee durchquert wird. Von dort geht es weiter zum Wohnmobilhafen Eiderblick, wo auch Kaffee und Kuchen serviert werden. Für einen ersten Stopp ist es allerdings ein bisschen früh. Aber es gibt hier – in der Nähe liegt das  Schwimmzentrum – zahlreiche Parkplätze, sodass Radler auch von diesem Punkt starten könnten. Dann geht es an der Eider stromabwärts. Das Gewässer ist ein geteilter Fluss und wird teilweise vom Nord-Ostsee-Kanal geschluckt. Über Jahrhunderte hatte es eine besondere Bedeutung, war Grenzfluss zwischen Dänemark und Deutschland. Bei Rendsburg sind höchstens Paddler auf dem Gewässer zu sehen, erst hinter der Gieselauschleuse ist die Eider für größere Schiffe befahrbar.

Aber noch ist es nicht soweit. Erst einmal geht es durch ein ländliches Gebiet, ungestört von Autofahrern. Der Weg stößt schließlich auf die Straße „Kanalufer“ – und wie der Name schon sagt, auch an den Nord-Ostsee-Kanal (NOK). Nach dem Überqueren der Straße geht es weiter auf dem Plattenweg am Kanal. Im Rücken liegt jetzt die Eisenbahnhochbrücke, das Rendsburger Wahrzeichen. Grund genug für einen ersten Fotostopp. Denn: Wer auf dieser Tour unterwegs ist, sollte keinesfalls die Kamera vergessen und auch ein bisschen mehr Zeit einplanen. Schließlich bieten sich immer wieder lohnende Fotomotive.

<p>Die Tour entlang des Nord-Ostsee-Kanals startet und endet in Rendsburg.</p>

Die Tour entlang des Nord-Ostsee-Kanals startet und endet in Rendsburg.

Foto: Magazin rad & tour 2016/2017

Eine Weile verlaufen jetzt vier „Straßen“ parallel: Die Eider, daneben die Autostraße „Kanalufer“, dann der Radweg und schließlich die künstliche Wasserstraße NOK. Da der Kanalweg fast auf Höhe des Wasserspiegels liegt, können Radfahrer die dicken Pötte wirklich eindrucksvoll und hautnah erleben. In Höhe Schülp kommt dann eine Reihe von Dalben im Wasser in Sicht – dort ist eine sogenannte „Weiche“, in der Schiffe warten müssen, wenn ihnen ein besonders großer Frachter oder Kreuzfahrer mit Vorfahrt entgegenkommt.

Die Radler können jetzt die Gedanken schweifen lassen, den meist frischen Wind genießen oder auch mal versuchen, mit einem Schiff mitzuhalten. Denn die dürfen nicht sehr schnell im Kanal fahren. Ab Rendsburg verläuft die 18 Kilometer lange Strecke bis Oldenbüttel immer geradeaus – und fast ohne Verpflegungsmöglichkeiten. Es ist also von Vorteil, Proviant und Getränke dabei zu haben. Eine Rastmöglichkeit bietet sich am Moltkestein. Den ließ einst Wilhelm II. zur Erinnerung an den Grafen Helmuth von Moltke aufstellen. Gemeinsam mit dem Kaiser hatte der berühmte Feldmarschall die Kanalbaustelle am 6. April 1891, vier Jahre vor der Fertigstellung, besichtigt. Kurze Zeit später verstarb der „Große Schweiger“, der Preußens Militär in den Kriegen gegen Österreich und Frankreich geführt hatte. Der Stein, ein 15 Tonnen schwerer Findling aus Granit, steht in der Gemeinde Schülp am Fuß eines kleinen Hügels. Die Anhöhe ist eine Sanddüne, die zur Heidelandschaft Rüsterbergen am gegenüberliegenden Ufer gehört. Sie wurde beim Kanalbau durchschnitten.

Wenn dann die Breiholzer Fähre erreicht wird, gibt es mehrere Möglichkeiten: Mit der Fähre können Radfahrer bequem übersetzen und auf der Südseite in einem Café eine Pause genießen. Oder sich auch dann schon zur Rückfahrt entschließen und die Route auf diese Weise verkürzen. Oder sie radeln weitere 8,8 Kilometer bis Oldenbüttel, wo die nächste Fähre über den Nord-Ostsee-Kanal übersetzt. Die Gemeinde Oldenbüttel liegt beiderseits des Kanals. Im Norden steht direkt am Fähranleger ein kleines Häuschen mit einer überdachten Sitzecke, die notfalls auch vor starken Regenschauern schützt. Etwas weiter im Norden liegt die Gieselauschleuse mit dem Gieselaukanal. Wir setzen jedoch über zum Südufer, wo auch das Ortszentrum von Oldenbüttel liegt.

Auf der Kanalsüdseite gibt es gleich zwei angenehme Möglichkeiten für eine längere Rast. Da ist zum einen in Breiholz das Café Alte Scheune, das westlich des Fähranlegers zu finden ist. Aber Achtung: Den tollen Torten kann kaum jemand widerstehen. Wer lieber etwas Deftiges möchte, kann einige Kilometer weiter östlich in Schachtholm einen Stopp einlegen. Hier liegen ein Wohnmobilstellplatz und der Rendsburger Flugplatz, von dem ausschließlich Sportflieger starten. Im Restaurant Himmelsstürmer werden unter anderem Balkanspezialitäten serviert – aber nicht am Montag.

<p>Ohne große Steigungen fahren Radfahrer durch Rendsburg - Nübbel - Breiholz - Oldenbüttel - Claustal und Westerrönfeld</p>

Ohne große Steigungen fahren Radfahrer durch Rendsburg - Nübbel - Breiholz - Oldenbüttel - Claustal und Westerrönfeld

Foto: Magazin rad & tour 2016/2017

Noch rund 14 Kilometer warten jetzt noch auf die gut gestärkten Radler. Nach dem Flugplatz geht es an Feldern vorbei. Oberhalb des Radwegs verläuft die Landstraße, meist durch Büsche und Bäume von dem Kanal-Wirtschaftsweg getrennt. Wenn dann linker Hand ein Gebäude auftaucht, so ist das die Lotsenstation Rüsterbergen. Nur wenige Schiffe dürfen den Kanal ohne die fachkundigen Lotsen befahren. Hier warten sie auf ihren Einsatz und werden mit Booten zu den dicken Pötten gebracht oder von ihnen abgeholt. Vom Dorf Schülp bekommen die Radler anschließend nicht viel mit – die meisten Häuser liegen landeinwärts. Anders ist es, wenn dann Westerrönfeld passiert wird. Hier liegen zahlreiche Häuser am Ufer mit großartigem Kanalblick – eine begehrte Wohnlage.

Jetzt nähert sich die Tour langsam ihrem Ende. Die Eisenbahnhochbrücke kommt in Sicht. Die „Eiserne Lady“ – wie sie liebevoll genannt wird – trägt unter ihrer Stahlkonstruktion ein besonderes Transportmittel: eine Schwebefähre. Nach einer Schiffskollision im Januar 2016 muss sie aufwendig repariert werden. Vier Autos, etliche Fahrradfahrer und zahllose Fußgänger schwebten mit ihr pro Fahrt über den Kanal. Besonders für die Schüler ist sie wichtig, denn sie ist die kürzeste Verbindung zwischen dem Ort Osterrönfeld und Rendsburg, wo sie zur Schule gehen. Sind sie per Rad oder zu Fuß unterwegs, müssen sie jetzt den Fußgängertunnel nutzen, der noch vor der Brücke am Ende der Westerrönfelder Kanalallee liegt.

Die Fahrt hinab ist ein ganz besonderes Erlebnis: Mit der längsten Rolltreppe Europas geht es zwei Minuten lang steil abwärts. Schneller und einfacher ist allerdings die Fahrstuhlbenutzung. Es folgen der Tunnel und der „Aufstieg“. In der Rendsburger Straße Wilhelmstal erblicken die Radler dann wieder das Tageslicht. Von hier aus ist über die Moltke- und Herrenstraße der Bahnhof schnell wieder erreicht.

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